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Wirkstoff „Ajmalin“ nachgewiesen Todespfleger: Zehn weitere mögliche Opfer

Von Eyke Swarovsky | 15.07.2015, 12:28 Uhr

Die Soko „Kardio“, die die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Delmenhorster Todespfleger Niels H. führt, hat einen Zwischenstand bekannt gegeben. Für zehn der 29 exhumierten Verstorbenen könnte der Pfleger verantwortlich sein.

Staatsanwaltschaft und die Soko Kardio untersuchen insgesamt mehr als 200 Sterbefälle, die mit der Dienstzeit von Niels H. in Delmenhorst, Oldenburg und Wilhelmshaven in Zusammenhang stehen.

Es wurden laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft zunächst alle Sterbefälle selektiert, die im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit von Niels H. als Krankenpfleger im Klinikum Delmenhorst eintraten. Die Sonderkommission hat sodann geklärt, ob die Verstorbenen erd- oder feuerbestattet wurden, weil der Nachweis einer Tötung durch das Spritzen des Wirkstoffs Ajmalin bei feuerbestatteten Verstorbenen grundsätzlich nicht zu führen ist.

29 Exhumierungen auf zwei Friedhöfen in Ganderkesee und Delmenhorst

Die Patientenakten der erdbestatteten Verstorbenen sind einem Sachverständigen zur Beantwortung der Frage übergeben worden, ob der Tod des jeweiligen Patienten durch dessen Krankheitsverlauf erklärbar ist oder nicht. Inzwischen sind 52 Gutachten zu den Verstorbenen erstattet worden, die auf dem Friedhof an der Urneburger Straße in Ganderkesee beziehungsweise dem evangelischen Friedhof „Heilig-Geist“ in Delmenhorst bestattet wurden. Dabei ist der Gutachter in 29 Fällen zu dem Ergebnis gekommen, dass der Tod sich nicht eindeutig auf den Krankheitsverlauf der Patienten zurückführen lässt. In all diesen Fällen wurden durch die Staatsanwaltschaft gerichtliche Beschlüsse zur Exhumierung der Verstorbenen erwirkt, die anschließend von der Sonderkommission durchgeführt wurden; darunter zehn Exhumierungen in Ganderkesee und 19 in Delmenhorst. Die Untersuchungen auf diesen Friedhöfen sind damit vorläufig abgeschlossen.

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Wirkstoff bei zehn Verstorbenen nachgewiesen

Im Anschluss an die Exhumierungen sind jeweils toxikologische Untersuchungen veranlasst worden. In zehn der 29 untersuchten Fälle wurde der Wirkstoff Ajmalin nachgewiesen. Die Angehörigen der Verstorbenen sind über die Ergebnisse der Untersuchungen persönlich informiert worden.

Weitere Exhumierungen auf anderen Friedhöfen

Zudem liegen bereits weitere Gutachten zu im Klinikum Delmenhorst verstorbenen Patienten vor, die auf anderen als den genannten Friedhöfen bestattet wurden. Auch hier ist der Sachverständige in mehreren Fällen zu dem Ergebnis gekommen, dass der Tod sich nicht eindeutig auf den Krankheitsverlauf der Patienten zurückführen lässt.

In diesen Fällen wurden bereits weitere Beschlüsse für Exhumierungen erwirkt und durch die Sonderkommission ausgeführt. An diesem Dienstag, den 14 Juli 2015, sind weitere Exhumierungen auf dem katholischen Friedhof in Delmenhorst durchgeführt worden. Insgesamt wurden auf diesem Friedhof bislang sieben Exhumierungen vorgenommen. Hierzu liegen noch keine Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen vor.

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Die Staatsanwaltschaft wird in den nächsten Tagen voraussichtlich weitere gerichtliche Beschlüsse für Exhumierungen beantragen. Wann die nächsten Exhumierungen durchgeführt werden, steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft zurzeit noch nicht fest.

Ermittlungen zu Dienstzeit in Oldenburg dauern noch an

Ebenso wie die Todesfälle auf der Intensivstation des Klinikums in Delmenhorst untersucht die Soko Kardio auch Verdachtsfälle aus der Zeit, als Niels H. als Krankenpfleger auf der Intensivstation des Klinikums in Oldenburg tätig geworden ist. Diese Ermittlungen dauern noch an. Details dazu können derzeit noch nicht mitgeteilt werden.

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Keine Hinweise auf Straftaten in Wilhelmshaven

Die Ermittlungen zur beruflichen Tätigkeit von Niels H. in Wilhelmshaven sind weitestgehend abgeschlossen. Konkrete Hinweise auf weitere Straftaten haben sich dabei bislang nicht ergeben.

Ermittlungen können sich bis 2016 hinziehen

Staatsanwaltschaft und Sonderkommission gehen angesichts des großen Umfangs der Ermittlungen derzeit davon aus, dass diese noch bis ins Jahr 2016 andauern und insbesondere weitere Exhumierungen durchzuführen sein werden. Die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.

Verfahren gegen Ex-Oberstaatsanwalt noch nicht eröffnet

Das Landgericht Oldenburg gab unterdessen auf Anfrage unserer Zeitung bekannt, dass die Strafkammer noch nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den im Fall Niels H. angeklagten Ex-Oberstaatsanwalt entschieden hat. Mit einer Entscheidung sei laut Pressesprecher Frederik Franz vermutlich in den nächsten vier bis sechs Wochen zu rechnen.