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Wirtschaftsempfang in Delmenhorster Markthalle Steiner: „Fehler dürfen passieren“

Von Frederik Grabbe | 27.05.2016, 00:37 Uhr

Eine gute Fehlerkultur in der hiesigen Wirtschaft hat die Unternehmerin Lencke Steiner beim Empfang des Fördervereins der örtlichen Wirtschaft gefordert. Damit traf die Festrednerin einen Nerv.

Fehler passieren – und dürfen auch passieren, ob in Wirtschaft oder Politik: Dies ist die Botschaft des Empfangs des Fördervereins der örtlichen Wirtschaft, der gestern in die Markthalle eingeladen hatte. Und dies bezog sich auch auf Delmenhorster Vorkommnisse.

„Deutsche neigen zur Überperfektion“

Lencke Steiner (30), geschäftsführende Gesellschafterin des Bremer Verpackungsunternehmens W-Pack und Fraktionschefin der FDP in der Bremischen Bürgerschaft, nahm sich vor rund 150 Gästen aus Wirtschaft und Politik der Fehlerkultur an. Etwas, was in vielen Unternehmen nur wenig ausgebildet sei. „Als Deutsche machen wir uns das Leben schwer, wir neigen zur Überperfektion.“ Dabei biete eine gute Fehlerkultur auch eine Chance. „Verzeiht ein Unternehmer den Fehler eines Mitarbeiters, schafft er Vertrauen und trägt so zur Loyalität gegenüber der Firma bei.“ Zudem werde das Selbstvertrauen des Beschäftigten gestärkt.

Vertrauen schaffe Platz für neue Aufgaben für die Chefetage

Eine Eigenschaft, die es brauche, um selbst Verantwortung übertragen zu bekommen. So entstehe nicht zuletzt Raum in der Chefetage, um beispielsweise strategischen Fragen anzugehen. „Gestatten sie Ihren Mitarbeitern, größer zu werden. Diese Entwicklung hilft auch ihrem Unternehmen“, so Steiner, die ihre Rolle auch so definierte, „die Kuh vom Eis zu holen“, also Aufräumarbeiten nach Mitarbeiterfehlern zu leisten. „Ein Fehler passiert einmal – und dann in der Regel nie wieder.“

Fehler mit Blick durch die Delmenhorster Brille

Das Vortragsthema Steiners kam beim Fördervereinsvorsitzenden Hans-Ulrich Salmen und bei Oberbürgermeister Axel Jahnz gut an. Beide spielten auf das missplatzierte Rathausmodell an , dass bald an die Delmeterrassen umziehen soll. „Fehler passieren“, so Salmen, der neben dem Modellstandort auch jenen des neuen Rathausbrunnens nannte. „Fehler sind nicht weiter schlimm“, schloss sich Jahnz an, „solange man später die Stellschrauben anzieht.“ In Delmenhorst würden so viele Dinge umgesetzt, dass Fehler verzeihbar seien. „Schlimmer ist es, gar nichts zu tun.“

Themenschwenk in Richtung Bauland

 Beide sprachen das Thema Bauland an, was dringend benötigt werde . Jahnz schilderte, die Stadt sei dabei, ein Gewerbeflächenmanagement aufzubauen, und stellte eine Bevorratung fürs Gewerbe in den Raum. „Gewerbeflächen schaffen Arbeit und binden Familien“, so Jahnz. Beim Bauland habe es gute Ansätze gegeben, „aber sie wurden zerredet“, kritisierte Salmen. Er forderte die Politik auf, notwendige Entscheidungen zu treffen. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, sei auch eine bessere Kommunikation unter allen Beteiligten nötig, so Salmen.