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Wissenschaft Delmenhorst als Ort für internationalen Austausch über die Netzhaut

Von Jasmin Johannsen | 03.10.2017, 14:51 Uhr

Von neurobiologischen Ansätzen bis hin zu klinischen Studien: Internationale Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen nahmen von Montag bis Dienstag am „Satelliten Symposium“ im HWK teil.

„Ich bin gerührt, dass so viele meiner Kollegen gekommen sind“, freute sich Prof. Dr. Reto Weiler, Oldenburger Neurowissenschaftler und Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs (HWK), am Montagnachmittag. Rund 80 hochrangige internationale Experten und Nachwuchswissenschaftler waren nach Delmenhorst gereist, um an einem zweitägigen „Satelliten Symposium“ teilzunehmen. Anlässlich des 70. Geburtstags von Weiler fand die Konferenz „Vision and Visions: Current Concepts and Future Challenges of Retinal Research“ bis zum gestrigen Dienstag im HWK statt. Das Ziel dabei: Der interdisziplinäre Austausch über neue Erkenntnisse und zukünftige Herausforderungen der Netzhautforschung.

Ein Leben für die Retina

„Ich habe mein berufliches Leben damit verbracht, die Retina zu erforschen“, schilderte der HWK-Rektor. Umso mehr freue er sich nun darüber, ein Symposium zu seinem Fachgebiet in Delmenhorst abhalten zu können. Weiler, der die Netzhautforschung selbst maßgeblich geprägt hat, findet es wichtig, sich immer wieder mit etablierten und jungen Kollegen auszutauschen. „So werden neue Impulse gesetzt.“ Mit Visionen, Fantasie und Ehrgeiz sei die Netzhautforschung in den vergangenen 50 Jahren betrieben worden. Infolgedessen seien stetige und bemerkenswerte Forschungsfortschritte möglich gewesen. „Die Erforschung von Sehprozessen ist komplex aber auch sehr faszinierend“, beschrieb Weiler den Reiz seiner Arbeit. Gerade die Spannweite der Retinaforschung, an der Wissenschaftler ganz verschiedener Disziplinen arbeiten, mache Fachkonferenzen so wertvoll.

Über die Entwicklung eines Netzhaut-Implantats

Diese Meinung teilt auch Prof. Dr. Eberhart Zrenner. Der Tübinger Seniorprofessor am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften war genauso dem Ruf des HWK-Rektors gefolgt wie der Harvard-Professor John E. Dowling und die Neurobiologin Prof. Dr. Marla Feller von der University of California in Berkeley, sowie andere namhafte Wissenschaftler, die über ihre aktuellen Forschungsstände berichteten. Zrenner leitet eine interdisziplinäre Forschungsgruppe, die sich mit der Entwicklung eines elektronischen Netzhautimplantats befasst. Im vergangenen Jahr wurde die lichtempfindliche Neuroprothese nach erfolgreichen Versuchsreihen zugelassen. „Seitdem konnten wir 60 Patienten operieren“, sagte Zrenner. Zudem forscht der Augenheilkundler auch an einer Gentherapie, die die „Retinitis pigmentosa“, eine Netzhautdegeneration, bei der der Erkrankte unweigerlich erblindet, bekämpfen soll.

„Netzwerke sind wichtig“

„Gerade in der klinischen Forschung ist es wichtig, neue Netzwerke mit jungen Kollegen aufzubauen und sich über Ideen auszutauschen“, meinte Zrenner. Bei dem Symposium im Delmenhorster Hanse-Wissenschaftskolleg habe man dazu nun ausgiebig Zeit gehabt, bevor die Experten am Mittwoch zu dem „European Retina Meeting“ nach Paris weiterreisen.