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WM-Vorrunde gegen Mexiko Gemeinsames Fiebern – „Diese Kraft hat nur Fußball“

Von Kai Hasse | 16.06.2018, 10:29 Uhr

Vorrundenspiel gegen Mexiko – und Georgina Gil Hernandez wird ihrer alten mittelamerikanischen Heimat die Daumen halten. Für sie ist das morgige Fußballspiel ein Anlass zum Jubeln, Fiebern – und ein internationales verbindendes Fest.

Andrés Guardado! Rafael Marquez! Jesús Corona! ...Und noch ein Jesús Corona! Wer wirklich mexikanischen Fußball verfolgt, kennt die Namen. Die in Delmenhorst lebende Mexikanerin Georgina Gil Hernandez hingegen gibt unumwunden zu, dass sie keine Fachfrau ist. Aber darum gehts auch gar nicht. Georgina Gil wird das Spiel gegen Deutschland morgen schauen. Aber das vor allem wegen der Leidenschaft, dem Jubel, dem Fiebern.

Menschen als Brüder und Schwestern

„Ich bin nicht sehr interessiert an Fußball“, sagt sie. Aber: „Fußball hat diese Macht! Menschen kommen zusammen, als Brüder und Schwestern. Mich interessiert es, mit den Menschen zu jubeln und zu fiebern.“ Fußball sorge für Kontakt, auch wenn die Nationen Konkurrenten sind – „sie sind es in einer freundlichen Weise.“ Vollkommen fremde Menschen treffen sich beim gemeinsamen Fußballschauen, und sie fühlen sich verbunden. „So eine Kraft hat nur Fußball.“

Sie selbst wird das erste Spiel Deutschlands und Mexikos in Bremen sehen, in einer Halle, die eine mexikanische Lebensmittelhändlerin in Bremen organisiert hat. „Dort werden vielleicht nicht nur Mexikaner sein, sondern auch Menschen aus Peru, Guatemala, aus ganz Südamerika. Wir sind alle eine große Familie, und halten zusammen.“

Sieg gegen furchteinflößende Isländer

Gil ist sich aber sicher, dass das deutsche Team die Nase vorn haben wird. Auch wenn das mexikanische Team um die beiden Jesús Coronas – und Kapitän Guardado – in vergangenen Freundschaftsspielen gegen die als furchteinflößend bekannt gewordenen Isländer (Huh!) gewonnen und gegen die stark eingeschätzten Belgier immerhin ein 3:3 geschafft hat. Bei der WM in Brasilien 2014 schafften es die Holländer nur mit größter Mühe, die Mexikaner im Achtelfinale aus dem Wettbewerb zu schießen – mit einem Elfmeter. Holland selbst wurde Dritter der WM. Und bei diesem Wettbewerb? „Mexiko ist nicht mehr so gut wie noch vor vier Jahren“, sagt Gil, „und Deutschland ist sehr, sehr gut vorbereitet, athletisch und psychisch“, sagt sie.

Also hofft Gil auf eine nicht so dramatische fußballerische Abreibung. Und wenn es nicht grad gegen Mexiko geht, ist die Mutter von zwei erwachsenen Kindern auf der Seite von Jogi Löws Mannschaft. Sie lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Sie schätzt das Land sehr – „Ich bin hier zu Hause.“

Weitere Spiele in Mexiko

Die weiteren Gruppenspiele der mexikanischen Mannschaft wird sie übrigens in Mexiko erleben. Seit sechs Jahren war sie nicht mehr da, aber in wenigen Tagen will sie ins südmexikanischen Cancún, dann kurz nach Los Angeles, und zurück über den Bundesstaat Chiarpas nach Cancún. Sie wird Familie und Freunde treffen. Und es wird Fußballfeste in der alten Heimat geben. Und niemand, sagt Georgina Gil mit etwas Schalk im Blick, feiert so schöne Feste wie die Mexikaner.