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Wohn-Bündnis fordert mehr Neubauten Delmenhorst verfehlt seine Ziele beim Wohnungsbau

Von Frederik Grabbe | 06.07.2018, 19:15 Uhr

In Delmenhorst entstehen viel zu wenig neue Wohnbauten. Das stellt das Verbändebündnis Wohnen fest. Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass die Stadt die Ziele beim Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern weit verfehlt.

Beim Bau neuer Wohnungen kommt Delmenhorst nur schleppend voran. Das geht aus Zahlen des Verbändebündnisses Wohnen hervor. Demnach sind in der Stadt im Jahr 2017 insgesamt 209 Neubauwohnungen entstanden. 45 dieser Wohnungen wurden in Ein- und Zweifamilienhäusern errichtet. Das teilt das Bündnis, ein Zusammenschluss der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) mit. Insgesamt hätten die Delmenhorster Bauherren 24,3 Millionen Euro investiert. Mit diesem Bauvolumen hängt die Stadt Delmenhorst den eigenen Zielvorstellungen hinterher.

Diese Zahlen, die der Interessenverband unter Berufung auf Daten des Statistischen Bundesamts nennt, kann die Stadt nur für die 45 Ein- und Zweifamilienhäuser bestätigen. Insgesamt 144 fertiggestellte und 269 genehmigte Wohnungen für 2017 nennt Stadtsprecher Timo Frers auf Nachfrage und verweist auf Angaben des Landesamts für Statistik. Für Investitionen liege keine Angabe vor.

Stadt verfehlt Ziele zum Wohnungsbau

209 oder 144 – egal welche Zahl man nun nimmt: Es wird deutlich, dass die Stadt ihre Ziele zum Wohnungsbau verfehlt. 200 neue Wohneinheiten müssten in Delmenhorst im Jahr bis 2025 entstehen, um den Bedarf zu decken – mindestens. Davon idealerweise 100 als Ein- oder Zweifamilienhäuser und weitere 100 als Mehrfamilienhäuser. Das führt der Wohnungsmarktbericht 2018 auf, den der städtische Fachdienst Stadtentwicklung und Statistik erstellt hat. Der tatsächliche Bedarf liegt deutlich höher: bei 150 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern und bei 200 in Mehrfamilienhäusern. Der Bericht zeigt auch, dass gerade der Hausbau in den vergangenen Jahren erlahmt ist: Die 45 Neubauten 2017 entsprechen dem Niveau von 2008 (47) – beide Jahre bilden Tiefstpunkte in den vergangenen 17 Jahren. Der Bau von Mehrfamilienhäusern hingegen hat zuletzt angezogen, zeigen die Blicke auf die Jahre 2014 (144 Wohnungen gebaut), 2015 (78) und 2016 (122).

 (Weiterlesen: Familie gestrandet im Delmenhorster Bauboom) 

„Rahmenbedingungen“ für den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern könnten besser sein

Von nicht entsprechenden „Rahmenbedingungen“ für den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern spricht der Stadtstatistiker Christoph Jankowsky, verantwortlich für den Wohnungsmarktbericht. Doch die zuletzt betriebene Bauleitplanung verleiht ihm Optimismus, künftig wieder einen Anstieg zu erreichen. Damit spielt er auf Flächen wie auf dem Delmod-Gelände, in Heidkrug bei Schierenbeck und am Bremer Postweg an.

Lobby-Gruppe fordert mehr Neubauten

Dass sich hier etwas tut, wird das Verbändebündnis Wohnen gerne hören, fordert es doch mit Blick auf die aktuellen Zahlen insgesamt mehr Mühe von Delmenhorst, um „seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung“ zu leisten, teilt Holger Bartels (IG BAU) für das Bündnis mit. Werde in der Stadt mehr gebaut, sei dies auch eine Antwort auf landesweit „steigende Mieten und hohe Immobilienpreise“, so Bartels.

Bauplanung und Delmenhorst ein steiniges Terrain

Diesen Weg würde die Stadt gerne gehen wollen. Jedoch ist die Bauplanung in Delmenhorst für Stadtplaner und Planungspolitiker ein steiniges Terrain und der Widerstand dagegen eine stetig-leidvolle Erfahrung: Das zeigte sich zuletzt etwa beim Baugebiet Westlich Langenwisch, bei dem der Nabu mit einer Fachaufsichtsbeschwerde eine für die Stadt „erhebliche Verzögerung“ verursachte. Und auch gegen Baupläne Am Heidkamp regte sich massiver Widerstand, letzte Baupläne wurde im Juni im Planungsausschuss abgelehnt, die Vorlage zurückgestellt.