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Wohngruppe für behinderte Menschen Eine besondere WG sucht Mitbewohner in Delmenhorst

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 12.05.2017, 08:24 Uhr

Anke und Peter Mertens wollen ihr Wohnhaus am Schollenweg vermieten: Auf 180 Quadratmetern soll künftig die erste Wohngemeinschaft der gemeinnützigen Gesellschaft Norle für Menschen mit Behinderung in Delmenhorst entstehen. Eine Mieterin steht schon fest.

Svea Mertens, die Tochter von Anke und Peter, ist seit ihrer Geburt durch eine Behinderung beeinträchtigt. Für sie und vier weitere Mieter stellen ihre Eltern nun ihr Haus zur Verfügung, damit dort die gemeinnützige Gesellschaft Normales Leben (Norle) eine betreute Wohngruppe für Menschen mit Behinderung einrichten kann. Das Ehepaar Mertens baut im Garten hinter dem Haus ein neues Wohnhaus für sich.

„Einziehen möchten wir dort zum 1. Januar, damit die Norle übernehmen kann“, sagt Peter Mertens. Bis es soweit ist, müssen auch im derzeitigen Haus der Mertens einige Arbeiten vorgenommen werden, um die Wohngruppe behindertengerecht zu machen. Drei Zimmer im Obergeschoss werden für Menschen hergerichtet, die eigenständig laufen können. Im Erdgeschoss ziehen zwei Menschen in zwei Zimmer, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. (Weiterlesen: Lebenshilfe Delmenhorst kritisiert Teilhabegesetz) 

Wohnungen für Menschen mit Beeinträchtigung schwierig zu finden

Eine davon wird die 34-jährige Svea sein. Seit einem Herzstillstand vor zwei Jahren kann sie nicht mehr laufen, ihr gesundheitlicher Zustand hatte sich damals verschlechtert. „Plötzlich war alles, was man sich für sein Kind gedacht hat, vorbei“, erzählt Mutter Anke Mertens. Svea braucht seitdem mehr Pflege. Die soll sie und ihre zukünftigen Mitbewohner künftig rund um die Uhr bekommen, sagt Michael Köstens, Regionalleiter der Norle.

Wer mit Svea einziehen wird, ist noch nicht klar. „Wir müssen schauen, was passt“, sagt Köstens. Einige Kunden der Norle hätten bereits Interesse bekundet, auch weil es nicht viele solcher Wohngruppen in der Stadt gibt. Die neue WG ist die erste der Norle in Delmenhorst. Die Lebenshilfe betreibt bereits mehrere dieser betreuten Wohngruppen. Eine passende Wohnung zu finden scheitere an dem knappen Angebot auf dem Immobilienmarkt, meint Köstens und klagt: „Es ist schwierig, Vermieter zu finden, die an Mieter mit Beeinträchtigung vermieten.“ Vorurteile seien häufig der Grund. (Weiterlesen: Menschen mit Behinderung verwirklichen sich im Kleingarten) 

Vorteil WG: Persönliches Umfeld, mehr Entfaltungsmöglichkeiten

Anke und Peter Mertens sind glücklich darüber, dass Svea in ihrer ambulant betreuten Wohnung leben kann, ohne umziehen zu müssen. „Es wäre schlecht, Svea aus dem gewohnten Umfeld rauszureißen“, sagt Anke Mertens. Die Anbindung an Infrastruktur und Versorgungsmärkte sei am Schollenweg sehr gut. Die ambulant betreute Wohngemeinschaft bietet laut Norle den Menschen zudem viel mehr Entfaltungsmöglichkeiten und ein persönlicheres Umfeld als das stationäre Wohnen.

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