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Wohnquartier Wollepark Mülltourismus plagt den Wollepark

Von Frederik Grabbe | 10.01.2015, 12:19 Uhr

Müll und Vandalismus plagen das Sanierungsgebiet Wollepark. Seit August letzten Jahres ist aber auch deutlich: Es tut sich was im Quartier.

Verfall, Müll ohne Ende – aber auch gepflegte Rasenflächen und Baugerüste, die auf Sanierungsarbeiten hinweisen: Der südliche Bereich des Wolleparks bietet derzeit ein unwirkliches Bild. Das Quartier ist als sozialer Brennpunkt bekannt. Ein dk-Leser schickte der Redaktion Bilder von Müllbergen in dem Bereich. Dazu der Hinweis: „Die Zustände werden immer schlimmer.“

Bezüglich der Vermüllung sind einige Bewohner des Areals ebenfalls frustriert. Dies wurde bei einem Bewohnertreffen im Nachbarschaftszentrum Wollepark vergangenen Mittwoch deutlich. Sie klagten über Müll und alte Möbel, die an der Straße stehen. „Das ist und bleibt ein Dreckloch“, so ein Beitrag. Tatsächlich dürfte das Areal Am Wollepark 1 bis 5 das unansehnlichste sein: Leere Einkaufswagen stapeln sich geradezu, Tüten, Hausabfälle, altes Kinderspielzeug oder kaputte Sofas sind nur wenige Beispiele für herumliegenden Unrat. Zudem sind viele Fenster eingeschlagen, Vandalismus ist nur zu offensichtlich.

Auch dies wurde von den Bewohnern angemahnt. Sie klagten über defekte Klingeln, Schimmelbefall in Wohnungen und nicht ausgeführten Reparaturen seitens der Vermieter. Bei dem Müllproblem spricht Quartiersmanagerin Wiebke Machel aus dem Nachbarschaftszentrum (NBZ) Wollepark indes von „Mülltourismus“: „Eine Bewohnerbefragung hat ergeben, dass Fahrzeuge mit Diepholzer Kennzeichen in den Wollepark kommen und hier Müll abladen“, sagt die Sozialarbeiterin. „Das stört uns und die Bewohner. Aber es ist schwer, dagegen vorzugehen, wenn das Kennzeichen fehlt.“ Stadt und Polizei ist davon allerdings nichts bekannt. Dazu käme, dass einige Anwohner sogar noch ihren Müll zum „importierten“ Abfall hinzustellen würden.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Gegenüber, Am Wollepark 7 bis 8, wird der Gebäudeabschnitt energetisch saniert. Die Rasenflächen sind picobello aufgeräumt. Licht und Schatten liegen hier nah beieinander.

„Das Problem ist, dass viele Wohnungen unterschiedlichen Eigentümern gehören“, so Machel. Schon im Mai 2013 fiel in einer Vorlage der Verwaltung an den Stadtrat zum Sachstand Wollepark die Bemerkung: „Die Eigentümergemeinschaft 11 und 12 scheint sich aufgegeben zu haben.“ Die Folge: Verwahrlosung von Wohnungen und anderen Gebäudeteilen; eine Zwangsverwaltung, die „die Lage nicht im Griff“ hat.

Exemplarisch für die aktuelle Lage steht folgender Satz, der beim Bewohnertreffen oft benutzt wurde: „Es wird nichts gemacht, es wird doch etwas gemacht.“ Immerhin: „Für die Gebäudezüge an Pommern-, Schwaben- und Westfalenstraße gibt es seit August 2014 endlich einen Eigentümer, der auch ansprechbar ist.“ (Eine Stellungnahme der Firma Grand City Property aus Berlin ist für Montag angekündigt.) Vonseiten des NBZ ist der neue Vermieter ein Gewinn: Der über Jahre angelaufene Sanierungsstau werde langsam aufgelöst, die Firma habe Bewohner zu einer Weihnachtsfeier eingeladen und Laub anstandslos entfernt. Aber sie ist eben nicht für das ganze Areal zuständig. Andere Gebäudezüge bleiben außen vor.

Unterlässt der Vermieter Reparaturen oder die Pflege seines Eigentums, können Mieter den Rechtsweg wählen. Genau das empfiehlt das NBZ den Wolleparkbewohnern und leistet dabei Hilfestellung. Nur: Viele Bewohner, wenn sie denn versichert sind, wissen von ihrem Recht nichts. „Neben vielen irakischen Flüchtlingen, die bei ihren Familien unterkommen, sind vergangenes Jahr auch viele EU-Bürger aus Osteuropa durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit hierher gezogen“, so Machel. „Sie wissen nichts über das deutsche System, sind auf Übersetzer angewiesen, EU-Bürger fallen komplett durchs Raster, haben keinen Anspruch auf Hartz-IV, auf Beratung, geschweige denn auf Sprachkurse“, schildert die Sozialarbeiterin. Wenn überhaupt seien sie als Tagelöhner beschäftigt, oft lebten ganze Familien vom Kindergeld. Fremd und mittellos in einem neuen Land könnten sie sich gar nicht gegen schlechte Zustände in Mietwohnungen kümmern.