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Wohnungsmarkt in Delmenhorst Bangen um den Wohnraum für Geringverdiener

Von Birgit Stamerjohanns | 12.12.2018, 09:18 Uhr

Die Schaffung von Wohnraum stellt Städte und Kommunen vor große Probleme. Das liegt unter anderem auch an hinderlichen Bauvorschriften.

Günstige Wohnungen sorgen für soziale Stabilität, stellen Städte und Gemeinden aber vor große Herausforderungen. Kleine Wohnungen fehlen, was auch in Delmenhorst ein Problem ist. Noch vor wenigen Jahren, sagt Stefanie Nöthel, war bezahlbarer Wohnraum gerade in ländlichen Regionen gar kein Thema. Jetzt referiert die Leiterin der Abteilung Städtebau im zuständigen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz regelmäßig über den Mangel an günstigen Wohnungen. So auch am Montag, 10. Dezember, in der Delmenhorster Markthalle vor Vertretern des Kommunalverbundes. Der Zusammenschluss von Städten und Gemeinden im Großraum Bremen hat ein Modellvorhaben der Raumordnung ins Leben gerufen, das den sperrigen Titel „Lebendige Regionen – aktive Regionalentwicklung als Zukunftsaufgabe“ trägt. Unterstützt vom Bund beobachten Arbeitsgruppen den Wohnungsmarkt und erarbeiten anschließend eine Strategie für seine Entwicklung. Rund 100 Vorschläge zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum haben Städte, Gemeinden und Wohnungsbaugesellschaften erarbeitet und der Landesregierung bei einem wohnungspolitischen Kongress in Hannover vorgestellt.

Sozialer Wohnungsbau in der Krise

„Die Erwartungen an die Kommunen sind beim Thema Wohnen sehr hoch“, beobachtet Stefanie Nöthel. Und: „Der soziale Wohnungsbau steckt in der Krise.“ Jahrelang habe er quasi gar nicht stattgefunden, Bauen war Sache der Privatwirtschaft. Die Folge: Es entstanden vor allem hochpreisige Wohnungen, die für Investoren interessant sind, die sich Menschen mit geringen Einkommen aber nicht leisten können. Die Förderung von sozialem Wohnraum sei daher unerlässlich, so Nöthel. Sie nennt ein ehrgeiziges Ziel: Bis zum Jahr 2030 sollen 40.000 neue Sozialwohnungen entstehen. Momentan kommen aber nur rund 1000 neue Sozialwohnungen pro Jahr auf den Markt. „Der soziale Wohnungsbau braucht einen Anschub“, so Nöthel. Allerdings: Selbst mit 40.000 neuen Sozialwohnungen würde kaum zusätzlicher Wohnraum für Geringverdiener entstehen, weil immer mehr Wohnungen aus der Mietpreisbindung fallen. Die Geschäftsführerin des Kommunalverbundes, Susanne Krebser, merkt an, dass gerade kleine Wohnungen fehlen. Das gelte unter anderem auch für die Stadt Delmenhorst.

Bauvorschriften verhindern Verdichtung

Auch Flächen für neuen Wohnraum sind Mangelware. Das Thema Verdichtung wird daher auch in ländlichen Gebieten eine immer größere Rolle spielen: „Es lässt sich auch mit Um- und Anbauten neuer Wohnraum schaffen“, so Nöthel. Probleme bereiten häufig die Bauvorschriften: Wer beispielsweise seinen Dachboden ausbauen möchte, muss auch im Haus selbst Modernisierungen vornehmen, und zwar bis zu einer Höhe von maximal 20 Prozent der Baukosten. „Das überlegen sich natürlich viele Investoren“, sagt Nöthel. Das vorgeschriebene Angebot an Stellplätzen werde ebenfalls zum Problem. Ein Vorschlag des Bündnisses für mehr Wohnraum: Die strengen Bauvorschriften müssten per Landtagsbeschluss für fünf bis zehn Jahre gelockert oder ausgesetzt werden. Nöthel ist vorsichtig optimistisch: „Ich habe da positive Signale in Hannover ausgemacht.“

Bei der Mitgliederversammlung ging es nicht nur ums Bauen, sondern auch um Formalitäten. Die Versammlung bestätigte den bisherigen Vorstand - erster Vorsitzender bleibt damit Dr. Andreas Bovenschulte. Sein Stellvertreter Carsten Sieling wurde ebenso wiedergewählt wie Schatzmeister Torsten Rohde.