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Zahlen widersprüchlich Delmenhorst bei Kleinkind-Betreuung eines der Schlusslichter

Von Katja Butschbach, Katja Butschbach | 02.02.2016, 19:37 Uhr

Die Stadt Delmenhorst ist bei der Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren laut Statistischem Bundesamt bundesweit eines der Schlusslichter. Die Stadt widerspricht dieser Einschätzung: Das Bundesamt verwende andere Zahlen als die Stadt.

16,8 Prozent der unter Dreijährigen in Delmenhorst werden in Kitas oder Kindertagespflege betreut – damit zählt die Stadt laut Statistischem Bundesamt bei der Betreuung von Kleinkindern zu den Schlusslichtern in Deutschland . Niedersachsenweit liegt die Betreuungsquote zum Stichtag 1. März bei 28,3 Prozent, Spitzenreiter ist der Kreis Börde (Sachsen-Anhalt) mit 63,1 Prozent.

„Das ist aus unserer Sicht nicht so“

Die Stadt widerspricht auf dk-Nachfrage dieser Platzierung. Gerd Galwas, Fachdienstleiter Kindertagesbetreuung, sagt: „Das ist aus unserer Sicht nicht so.“ Das Statistische Bundesamt erhebe die Daten zum 1. März, die jährliche Fortschreibung der Kindertagesstättenbedarfsplanung der Stadt basiere hingegen auf den Daten zum 1. August. „Hier werden alle zur Verfügung stehenden Plätze zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren zur Berechnung der Betreuungsquote erfasst.“ Dazu gehörten Krippenplätze, Plätze in altersübergreifenden Gruppen, Betreuungsplätze bei Tagespflegepersonen sowie Plätze in Regelgruppen, „die auf Wunsch der Eltern von Kindern unter drei Jahren belegt werden“. Lege man diese Daten zugrunde, ergebe sich eine Quote von rund 33 Prozent (2015).

Betreuungsquote nicht verbessert

„Trotz des erheblichen Ausbaus an Betreuungsplätzen in den letzten Jahren konnte in Delmenhorst die Betreuungsquote bisher nicht verbessert werden“, so Galwas. Gründe seien die nicht vorhersehbare Steigerung der Geburtenrate in den letzten drei Jahren, der erhebliche Zuzug von Familien aus Südosteuropa und aktuell die Zuweisung von Flüchtlingsfamilien.

SPD: „Angebot schafft Nachfrage“

Andrea Meyer-Garbe, SPD-Fraktionsvorsitzende und Leiterin des zuständigen Fachausschusses, sieht die Diskrepanz in den Zahlen als problematisch an: „Es muss vergleichbar sein“ – im Sinne der Transparenz müsse der gleiche Stichtag gewählt werden. Die Verwaltung nehme immer mehr Kleinkinder in die Gruppen für Drei- bis Sechsjährige hinein, was ebenfalls ein Ärgernis sei. „Wir müssen uns bemühen, mehr Angebote zu schaffen, und zwar massiv.“ Wenn möglich, solle dies nicht über die Kindertagespflege geschehen, sondern in Krippen. Sie ist überzeugt, dass das Angebot auch eine entsprechende Nachfrage schaffe.

CDU: Gründe wissenschaftlich untersuchen

Kristof Ogonovski, CDU-Fraktionsvorsitzender, erklärt hingegen, dass die Gründe für die in Delmenhorst geringe Betreuungsquote wissenschaftlich aufgearbeitet werden müssten. Man könne keine Rückschlüsse darauf ziehen, ob hier eine mangelnde Bereitschaft der Eltern eine Rolle spiele. „Es bleibt Elternwille, ob ein Kind eine Kita besuchen soll.“ Ob der Besuch einer Krippe besser ist als Betreuung zuhause, wolle er nicht sagen. Die Zahlen sagten nichts über die Qualität des Angebots aus. „Wir haben schon einiges getan.“

2015 konnten laut Galwas in Delmenhorst alle Eltern, die einen Betreuungsplatz für ihr Kind suchten, an eine Kindertagesstätte oder Tagespflegeperson vermittelt werden, aber nicht alle Eltern hätten diese Plätze in Anspruch genommen. Gründe seien etwa gewesen, dass es nicht die Wunschkrippe war oder die Krippe nicht in unmittelbarer Nähe war.