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Zarah Leander in Delmenhorst Ovationen und Nelkenstrauß für den großen Star

Von Paul Wilhelm Glöckner und Dirk Hamm | 19.01.2019, 12:44 Uhr

Ein großer Leinwandstar aus der NS-Zeit begeisterte 1958 und 1959 das Delmenhorster Publikum mit seinem Gesang. Zarah Leander wurde in der Delme-Halle umjubelt.

Delmenhorst Man schrieb den 25. Januar 1959, als der einstige UfA-Star Zarah Leander, aus vielen erfolgreichen Filmen auch in Delmenhorst bekannt und berühmt, im damaligen Veranstaltungszentrum Delme-Halle an der Richtstraße das Publikum zu begeisterten Beifallsstürmen hinriss. Die immer noch attraktive Schwedin, einst von Goebbels auch in einigen Durchhaltefilmen eingesetzt, bezauberte mit ihrer dunklen Kontra-Alt-Stimme auch deshalb, weil sie vor allem ihre großen Hits noch einmal darbot. „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ gehörte ebenso dazu wie „Wenn der Herrgott will“ oder „Wunderbar“.

Programm der leichten Muse

Bereits ein Jahr zuvor, am 12. Januar 1958, hatte sich die Filmdiva und Sängerin an selber Stelle dem Delmenhorster Publikum präsentiert. 20 Minuten lang zog die Künstlerin am Ende eines „erlesenen Programms der leichten Muse“, unter anderem mit Schlager- und Jazzsänger Wolfgang Sauer, die Zuhörer in ihren Bann, wie das dk tags darauf berichtete. „Ihre eigenartige Stimme hat ihren Zauber nach wie vor behalten“, wurde ihr in dem Bericht attestiert.

Erinnerung an Kriegszeit geweckt

Da dürfte sich manche Delmenhorsterin, mancher Delmenhorster noch an Kinobesuche während des Krieges erinnert haben, bei denen die genannten Lieder den Ernst der Lage für einen Augenblick vergessen ließen. Offenbar nahm es ihr auch niemand mehr übel, dass sie, die 1907 als Sara Stina Hedberg das Licht der Welt erblickt hatte und in Deutschland zum höchstbezahlten weiblichen Filmstar während der NS-Zeit aufgestiegen war, 1942 in ihr Heimatland Schweden zurückgekehrt war, wohl weil sich die Niederlage des Großdeutschen Reiches abzeichnete.

Erfolge einer „unpolitischen Künstlerin“

Seit 1947 ist Zarah Leander dann aber in der Schweiz, ein Jahr später auf einer Tournee mit Michael Jary in Deutschland als nunmehr „unpolitische“ Künstlerin wieder aufgetreten und hat an ihre Erfolge anknüpfen können, was sie eben auch Jahre später nach Delmenhorst brachte.

Unselige zwölf Jahre lange verdrängt

Ein Zeichen, dass sich das damalige Publikum offenbar an ihre oftmals von Kritikern beklagte Unterstützung des NS-Regimes nicht mehr erinnern wollte. Wohl auch deshalb, weil man selbst jene „braunen Jahre“ zu verdrängen suchte, in die man vielfach auf irgendeine Weise verstrickt gewesen war. Mit der Aufarbeitung des nationalsozialistischen Unrechtsstaates hat sich die deutsche Nachkriegsgesellschaft nämlich lange schwergetan. Erst seit den 80er Jahren, so der Historiker Dr. Peter Brandt 2006, setzte dann eine Entwicklung ein, die jene dunklen zwölf Jahre aufhellen half.

Erlesene Showbesetzung in der Delme-Halle

Die Sängerin wurde bei ihrem Delmenhorster Auftritt 1959 von dem Jazzpianisten Arne Hülphers begleitet, mit dem sie drei Jahre zuvor ihre dritte Ehe geschlossen hatte. Bei der Show dabei waren damals auch Evelyn Künneke, Bruce Low und das Orchester Gerhard Wehner. Bruce Low, noch heute bekannt als erfolgreicher Gospel- und Countrysänger, hat es sich dann auch nicht nehmen lassen, Zarah Leander einen großen Nelkenstrauß als Dank für ihren Auftritt zu überreichen.