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Zirkus in Delmenhorst Peta wirft Circus Belly tierquälerische Haltung vor

Von Frederik Grabbe | 03.05.2016, 20:44 Uhr

Von Donnerstag bis Sonntag gastiert der Circus Belly in Delmenhorst An der Schaftrift. Doch schon im Vorfeld mahnt die Tierschutzorganisation PETA angeblich tierquälerische Haltungsbedingungen für den 44 Jahre alten Schimpansen Robby an. Der Zirkus wehrt sich gegen die Vorwürfe und verweist auf eine gültige Erlaubnis, das Tier zur Schau zu stellen.

Laut einer Mitteilung soll insbesondere das Platzangebot für den Affen ungenügend sein. PETA beruft sich dabei auf ein Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren des Bundeslandwirtschaftsministeriums, wonach 200 Quadratmeter für Gruppen bis zu vier Schimpansen für Innen- sowie für Außengehege nötig seien. Auch sollen nicht genügend Kletterstrukturen zur Verfügung stehen. Aus diesen Gründen bezeichnet PETA die Haltungsbedingungen als „tierquälerisch“. (Weiterlesen: Circus Belly kommt nach Delmenhorst)

Weniger Platz, aber in guter Verfassung

Der Zirkus selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe. Robby habe insgesamt rund 68 Quadratmeter Platz, aber nicht das empfohlene Platzangebot führt Zirkusdirektor Klaus Köhler für das Wohl des Tieres als ausschlaggebend an, sondern seine Verfassung. „Robby wird vier Stunden am Tag beschäftigt, darüber führen wir genau Buch. So viel Aufmerksamkeit erhalten Zootiere nicht“, so Köhler. „Robby geht es gut. Wäre Robby in keiner guten Verfassung, hätte er sein hohes Alter beim Zirkus gar nicht erst erreicht“, argumentiert der Direktor, der damit wirbt, dass Robby der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus ist. „Robby ist seit 40 Jahren bei uns. Diese sogenannten ,Tierschützer‘ wollen ihm sein Zuhause nehmen. Wir haben absolut nichts zu verbergen. Wer möchte, kann sich in Vorstellungspausen ein Bild von Robbys Haltung machen“, bietet Köhler darum interessierten Bürgern an. (Weiterlesen: Protest vor Zirkuslager in Delmenhorst)

Köhler: „Peta betreibt Rufmord“

Der Zirkusdirektor ist genervt von der Diskussion: „In jeder Stadt sprechen uns die Medien auf Robby an, weil Peta ein Schreiben vorausgeschickt hat. Und jedes Mal müssen wir uns rechtfertigen.“ Dass der Circus eine Clownshow, Magier- oder Artistikauftritte böte, gerate in den Hintergrund. Darum wirft er Peta Rufmord vor, die Organisation wolle ihm bewusst das Geschäft verhageln und durch Spendenaufrufe die eigenen Taschen füllen. (Weiterlesen: Proteste begleiten Zirkuspremiere)

Duldung im Zirkus bis Ende 2018

Dass indes Amtsveterinäre den Fall Robby unterschiedlich bewerten, zeigen zwei Beispiele aus Niedersachsen: Bescheinigten Peiner Amtsveterinäre dem Affen erst im April einen „einwandfreien Gesundheitszustand“ , hatte die zuständige Genehmigungsbehörde, der Landkreis Celle, im Januar die „Erlaubnis zur Zurschaustellung“ Robbys nicht verlängert, wogegen Zirkusdirektor Köhler geklagt hatte. Bis auf Weiteres darf der Zirkus Robby über eine befristete Duldung bis Ende 2018 zur Schau stellen, wie es in einem Schreiben des Landkreises an den Zirkus heißt. Abschließend soll nun das Verwaltungsgericht Lüneburg die Sache entscheiden.

Trennung steht über kurz oder lang an

Dass sich Köhler über kurz oder lang von Robby trennen wird, ist aber klar, sagt er. Eine Resozialisierung in einer spezialisierten Auffangstation in den Niederlanden, wie PETA sie fordert, lehnt der 68-Jährige aber ab, weil er Robby für zu vermenschlicht hält. Köhler befinde sich aber in Gesprächen mit anderen Stationen. „Hätte Robby dort einen Artgenossen, das würde ich mitmachen.“