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Zu Besuch in der JVA Fuhlsbüttel Delmenhorster Schüler im Dialog mit Häftlingen

Von Lennart Bonk | 16.12.2018, 09:28 Uhr

Zehn Delmenhorster Oberschüler haben mit JVA-Insassen über den Alltag im Gefängnis gesprochen. Dabei haben sie eine Lektion für das Leben gelernt.

Ein mulmiges Gefühl macht sich bei den zehn Schülern der Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule breit als hinter ihnen die Gefängnistür in das Schloss fällt. Innerhalb des Projektes „Sozialarbeit an Schulen“ der Delmenhorster-Jugendhilfe-Stiftung sind die jungen Delmenhorster vor wenigen Tagen in der JVA Fuhlsbüttel zu Besuch gewesen. Nach einer Sicherheitsüberprüfung machen sich die Schüler auf zu dem Treffen mit ausgewählten Inhaftierten.

Geschichten aus dem Leben eines Mörders

Ein ehemaliger Drogendealer berichtet über seine Geschäfte mit Kolumbien und stellt am Ende fest, dass die Mühlen der Justiz langsam mahlen, aber sie tun dies beständig und nicht immer für jeden sichtbar. Ein Mörder erzählt, warum Fäuste am Ende zur Abschreckung nicht mehr reichen. Es beginnt mit kleinen Diebstählen oder einer kleineren Rauferei, doch am Ende liegt jemand tot auf der Straße. „Beide machen klar, dass es bei Kriminalität nur Opfer gibt und ganz deutlich auch die eigene Familie“, betont Schulsozialarbeiter Karsten Groenewold. Die Zusammenkunft wurde von ehemaligen Inhaftierten vorbereitet und verfolgt das Ziel, eine nachhaltige Kriminalprävention zu betreiben.

Mit Abschreckung der Kriminalität vorbeugen

Lena Nowak, Lehrerin von der Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule hat den Ausflug in die Wege geleitet. Als Lehrerin wolle sie nicht nur lehren, sondern auch präventiv an der Zukunft ihrer Schüler arbeiten. „Den Gefängnisalltag kennen sie bisher nur aus dem Fernseher. Sie sehen Kriminelle als Rebellen, die unbeugsam, unerschütterlich und voller Stolz ihren Weg gehen“, stellt Lena Nowak fest. Mithilfe von Bundesmitteln aus dem Programm „Demokratie leben“ wurde das Vorhaben gefördert. „Ziel war es die Schüler mit den negativen Folgen einer kriminellen Laufbahn zu konfrontieren. Damit sollen sie sich und auch andere Schüler, durch das Weitererzählen des Erlebten, vor einer solchen Karriere bewahren“, erläutert Groenewold.

Denkzettel für die Zukunft

Auf der Rückfahrt diskutieren die Schüler intensiv und kommen zu dem Schluss, dass ihre Vorstellung des Gefängnisalltags von der Realität abweicht. „Sie lernen daraus, dass sie zunächst ihren Kopf und ihre Vernunft einschalten sollten, bevor sie sich in eine kriminelle Situation begeben. Und nehmen für ihre Zukunft mit, wie wichtig es ist, seinen Freundeskreis zu überdenken und seine schulischen Ziele nicht zu vergessen“, so Groenewold.