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Zu viel spricht gegen Angeklagten Gericht verurteilt Delmenhorster zu Gefängnisstrafe

Von Ole Rosenbohm | 15.11.2018, 09:33 Uhr

Das Landgericht Oldenburg hat einen 40 Jahre alten Delmenhorster zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, gleichzeitig aber eine Zurückstellung der Haft befürwortet, falls der Mann eine Therapie gegen seine Drogensucht macht.

Dem Verurteilten werden bewaffneter Drogenhandel und der Besitz nicht geringer Mengen Rauschgift vorgeworfen. Die Mindeststrafe dafür beträgt fünf Jahre. Allerdings entschied das Gericht auf einen minderschweren Fall.

Der Angeklagte war in der zurzeit häufig von Polizeistreifen beobachteten Gegend rund um den Delmenhorster Bahnhof im vergangenen Januar mit Joint im Mund sowie drei Handys, 280 Euro Bargeld und 13 kleineren Päckchen Kokain von einer Zivilstreife erwischt worden. Mehr Drogen fanden sich in seiner anschließend durchsuchten Wohnung – am Ende insgesamt 13 Gramm Koks und hundert Gramm Marihuana. Dazu im Wohnzimmerschrank neben fünf Messern: ein als Taschenlampe getarnter Elektroschocker.

Letzterer ist streng verboten. Und auch wenn das Gerät im Schrank aufbewahrt wurde, kann seine Existenz aus einem „normalen“ Drogenhandel einen bewaffneten Handel machen; wenn auch nur einen „minderschweren“, weil das Gericht davon ausging, dass der Mann die Drogen nicht in der Wohnung verkaufte.

Staatsanwaltschaft schenkt Aussagen Glauben

Er habe aber überhaupt nicht verkauft, behauptete der Angeklagte. Die Drogen habe er für sich beim Dealer besorgt, das Geld beim Spielen gewonnen (was die Polizei damals nicht überprüft hatte), die Handys geliehen. Die Staatsanwaltschaft fand ihn so glaubhaft, dass sie ihm nicht mehr als den Besitz vorwerfen wollte. Den Handel ließ sie fallen, den Waffenbesitz hätte sie einstellen lassen. Wie die Verteidigung beantragte sie eine Bewährungsstrafe.

Das Gericht sah aber zu viele für Verkaufsabsichten sprechende Indizien: Es sei „lebensfremd“, sich nach Koks-Kauf kiffend im Park aufzuhalten, wenn man selber nur wenige Minuten entfernt wohnt. Auch die kleinen Päckchen sprachen gegen den Angeklagten. Und sein Finanzbedarf sei bei täglichem Kokain- und Cannabiskonsum so hoch, dass er sich die Drogen auch mit Hilfe von Verwandten nicht ohne weitere Einnahmequelle leisten könne. Das Gericht ging von 1280 Euro monatlich aus – der 40-Jährige lebt zurzeit von Sozialleistungen.

Der Angeklagte will nun eine Therapie machen. Falls die Strafvollstreckungskammer der Zurückstellung zustimmt – möglich bei Drogendelikten und zweijähriger (Rest-)Strafe –, würde er um das Gefängnis herumkommen. Sein Verteidiger prüft aber auch eine Revision.