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Zukünftige Packmitteltechnologen? Flüchtlinge besuchen Fabrik in Delmenhorst

Von Bettina Dogs-Prößler | 06.06.2018, 18:12 Uhr

Was machen eigentlich Packmitteltechnologe und Industriemechaniker? Nach der Führung waren acht geflüchtete Männer und Frauen schlauer.

Wenn es gut läuft, bleibt ein Praktikumsplatz hängen. Wenn´s schlecht läuft, geht die Suche weiter. Aber zumindest wissen die acht Teilnehmer, die Mittwochvormittag beim Rundgang durch die Wellpappenfabrik Klingele dabei waren, jetzt: Was macht eigentlich jemand, der Packmitteltechnologe ist? Und was braucht man zum Industriemechaniker?

Führung durch Fabrik

Auf Initiative der „Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration“ KAUSA Delmenhorst haben sich geflüchtete Männer und Frauen unter anderem aus Afghanistan und Syrien in der Produktionshalle des Wellpappenherstellers umgesehen, um sich über die Ausbildungsberufe Packmitteltechnologe und Industriemechaniker zu informieren. „Mit der Besichtigung wollen wir einerseits zeigen, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert, und hoffen andererseits, dass ein Praktikum oder vielleicht sogar ein Ausbildungsplatz dabei herumkommt“, sagt KAUSA-Projektmitarbeiterin Kirstin Schremmer.

Flüchtlinge oft Praktikanten – nie Azubis

Eine Option, die durchaus im Sinne des Verpackungsherstellers wäre. „Wir hatten seit 2016 bereits mehrfach Flüchtlinge als Praktikanten“, schildert Ausbildungsleiter Robert Brzuzy. Wegen fehlender Deutschkenntnisse habe es bislang nur leider nicht für eine Übernahme gereicht. „Wir hoffen, dass sich das bald ändern wird, denn wie viele andere Unternehmen sehen wir Flüchtlinge als Chance.“

Gute Auszubildende haben Chance auf Übernahme

220 Mitarbeiter arbeiten aktuell am Standort Delmenhorst, jedes Jahr werden sieben neue Auszubildende eingestellt. Der Großteil wird nach Abschluss der Lehre als Packmitteltechnologe zum Einsatz kommen, andere als Industriekaufmann, Elektriker oder Industriemechaniker. „Wir bilden Fachkräfte aus – die wir auch selbst benötigen. Und wir werden keinen guten Auszubildenden gehen lassen“, so Brzuzy.

Noch keine Probleme mit Fachkräftemangel

Auch wenn das Unternehmen noch keine Probleme mit unbesetzten Stellen hat – jedes Jahr landen 150 Bewerbungen auf den Delmenhorster Schreibtischen: „2020 bis 2025 werden aber viele unserer Kollegen den Betrieb verlassen. Schon deshalb werden unsere Azubis zu 100 Prozent übernommen.“ In den Standort Delmenhorst will das Unternehmen jetzt zudem zehn Millionen Euro investieren, auf dem Gelände soll eine neue Produktionshalle entstehen.

Werbung für Ausbildungsberuf

Nicht zuletzt deshalb soll auch der Ausbildungsberuf „Packmitteltechnologe“ bekannter gemacht werden. „Es ist ein sehr vielseitiger Beruf. Aber die meisten, die bei uns anfangen, sind über die Familie dazu gekommen oder haben hier ein Praktikum gemacht“, schildert Robert Brzuzy.

Chance auf Übernahme?

Ob bald mal einer der Teilnehmer der Betriebsbesichtigung den Beruf erlernen wird, wird sich zeigen. Die Chance dazu hätten die Geflüchteten zumindest.