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Zum 200. Geburtstag Bismarcks Träume eines monumentalen Denkmals zerplatzt

Von Dirk Hamm | 04.04.2015, 19:41 Uhr

Der 1. April 1915 stand auch in Delmenhorst ganz im Zeichen der Feier des 100. Geburtstages Otto von Bismarcks. Ein Verein setzte sich für den Bau eines monumentalen Denkmals ein.

Deutschland am 1. April 1915: Seit acht Monaten befindet sich das Kaiserreich in einem Zweifrontenkrieg gegen drei europäische Großmächte, ein propagandistisch überhöhtes Ringen, das bereits Zigtausende Soldaten im Grabenkrieg mit dem Leben bezahlt haben. Inmitten dieser angespannten Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit an diesem 1. April, einem Donnerstag, auf den 1898 verstorbenen früheren Reichskanzler Otto von Bismarck: Zur Feier seines 100. Geburtstages versammeln sich im ganzen Reich Menschenmengen, um ihre Verehrung für den Reichsgründer zu bezeugen.

Während in der Hauptstadt Berlin großer Auftrieb herrschte und sich dort alles aus Adel und Oberschicht versammelte, was Rang und Namen hatte, wurde in Delmenhorst der Ball etwas flacher gehalten.„Für rauschende Feste ist jetzt nicht die Zeit, und so soll auch die Delmenhorster Feier in einfachster Form verlaufen“, verkündete das Delmenhorster Kreisblatt in einem Vorbericht zu den Feierlichkeiten. Am 1. April versammelten sich die Delmenhorster Vereine am Kriegerdenkmal, Lehrer Blohm hielt die Festansprache und die Feier schloss mit dem Deutschlandlied: „Deutschland, Deutschland über alles“.

Beeindruckende Anlage mit 41 Metern Breite sollte auf dem Bookholzberg entstehen

Für einige besonders eifrige Bismarck-Verehrer in der Region war in den Jahren zuvor mit der Feier des 100. Geburtstages ihres Helden die Vision verbunden, am Ehrentag den Grundstein für ein stattliches Bismarck-Denkmal legen zu können. Bereits 1907 war die Idee aufgekommen, einen Bismarck-Turm zu errichten. Als geeignetes Gelände wurde der Bookholzberg ausersehen. Der Hofbesitzer Grashorn stellte für den Bau des Denkmals ein Grundstück von einem halben Hektar kostenlos zur Verfügung. Ein Denkmalverein wurde gegründet und der bekannte Architekt Professor Peter Behrens aus Düsseldorf mit der Planung beauftragt.

Dieser legte mehrere Entwürfe vor, der Vereinsausschuss entschied sich für Behrens’ Favoriten: Auf dem Hügel sollte eine massige Stufenanlage mit einem großen Altar für ein Bismarck-Feuer entstehen. Mit einer Breite von 41 Metern, einer Tiefe von 38 Metern und einer Höhe von zwölf Metern hatte die geplante Anlage beeindruckende Ausmaße.

Findlinge des Denkmals wurden zum Bau von „Stedingsehre“ verwendet

Jetzt galt es, die Mittel für das ambitionierte Vorhaben aufzutreiben. Immerhin versammelten sich im September 1909 bei einem aufwendigen patriotischen Fest zur Weihe des Denkmalplatzes 12000 Menschen auf dem Bookholzberg. Doch in den folgenden Jahren versandete das Projekt, gelang es nicht, eine ausreichende Spendensumme einzuwerben. Der Erste Weltkrieg ließ die Aktivitäten des Vereins vollends zum Erliegen kommen.

Nach dem Krieg wurden die Denkmalspläne in einer radikal abgespeckten Version doch noch verwirklicht: An den großen Kanzler erinnerten ab 1923 auf dem Bookholzberg rund 100 in zwei Reihen aufgestellte Findlingssteine. Diese wurden ab 1934 bei der Errichtung der Freilichtbühne „Stedingsehre“ verbaut. Den Kopfstein hat der Orts- und Heimatverein Bookholzberg 1994 an der Jasminstraße auf dem Gelände des Berufsförderungswerks wieder aufgestellt.