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Zum großen Reformationsjubiläum Lutherische Lehre fasste auch in Delmenhorst Fuß

Von Helmut Steinert | 28.10.2017, 13:23 Uhr

Die Reformation setzte sich gut 30 Jahre nach dem „Urknall“ 1517 auch in Delmenhorst durch. Großen Anteil daran hatte der Reformator Hermann Bonnus.

Martin Luther entdeckte die Fehlerquelle der katholischen Lehre, die Freisprechung von Sünden durch die Kirche mit Ablasshandel. Luthers Reaktion auf die Ablasspredigten Tetzels, sein Zorn gegen die Ablassverkäufer war daher folgerichtig. Kritiker der Kirche gab es bereits zuvor, etwa Jan Hus, der 1415 sein Leben auf dem Scheiterhaufen verlor. Luthers theologische Auffassung konnte sich wirksam verbreiten, weil die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1450 durch Johannes Gutenberg gegeben war, außerdem die fürstliche Unterstützung durch Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen.

1286 entstand weltliches Kanonikerstift

Die Chronisten berichten, dass im Jahr 1286, 50 Jahre nach Gründung der Burg, in Delmenhorst eine eigene Kirche unter dem Grafen Johann II. entstand: ein weltliches Kanonikerstift. Zehn Chorherren und zehn Vikare, von denen jeder seinen eigenen Altar besaß, hatten die Mess- und Gebetsgottesdienste in der Stiftskirche St. Marien zu verrichten. Der Dienst am Hochaltar war für Messen des Stiftsdekan bestimmt. Es gab in Delmenhorst noch eine Kapelle, Allerseligen genannt, vor dem Wildeshauser Tor und eine Marienkapelle vor den Toren der Stadt.

Neuer Glaube drang auch in Delmenhorst ein

Das alte Amt Delmenhorst gehörte von 1482 bis 1547 zum Fürstbistum Münster. Graf Anton I. von Oldenburg wandte sich nach 50 jähriger Fremdherrschaft vom katholischen Münster ab und nunmehr der lutherischen Lehre zu. Dieser neue Glaube drang zu dieser Zeit auch in Delmenhorst ein. Die ersten Pastoren aus Flandern waren bereits nach Delmenhorst gekommen.

Reformation setzte sich 1523 in Bremen durch

Von Wittenberg aus, 1535, verbreitete sich die neue Lehre wie ein Lauffeuer und veränderte das religiöse Leben auch in Delmenhorst. Es gab sicherlich schon vorher Anhänger dieser Lehre, denn in Bremen begann die Reformation 1522 mit einer Predigt des Augustinermönchs Heinrich von Zütphen am 9. November. Der Bremer Rat stellte sich 1523 auf die Seite der Reformation.

Hermann Bonnus als maßvoller Reformator

1543 berief der münstersche Fürstbischof Franz von Waldeck, der Sympathien für die Reformation hegte, Hermann Bonnus aus Lübeck in die Herrschaft Delmenhorst. Dort sollte er die Kirchen und das Kollegiatstift St. Marien überprüfen. Hermann Bonnus, ein maßvoller Mann, war kein wilder Eiferer. Er ging umgehend ans Werk. Franz von Waldeck erteilte ihm auch den Auftrag, eine Kirchenordnung zu erarbeiten, diese wurde in Münster eingeführt.

Bonnus‘ Bild hängt in Heilig-Geist-Kirche

Der 1504 in Quakenbrück geborene Bonnus, 1531 erster Superintendent zu Lübeck, hatte bei Martin Luther in Wittenberg studiert. In Delmenhorst erarbeitete er eine neue reformatorische Kirchenordnung. Sein Bild hängt heute im nach ihm benannten Saal der Heilig-Geist-Kirche in Deichhorst. Im Oldenburger Land hat Bonnus die Bibel in die plattdeutsche Sprache übersetzt.

Schwierigkeiten mit Widerstreitern

1547 gelang es dem Grafen Anton I. von Oldenburg, Burg und Grafschaft Delmenhorst zurückzuerobern. Damit war die Grundlage für das Gelingen der Reformation in Delmenhorst geschaffen. Im Jahr 1573 berichtete Superintendent Hermann Hamelmann über den ersten Prediger der Lehre nach Luther in Delmenhorst, Oliver Marsmann. Dieser habe noch mit vielen Schwierigkeiten gegen die „Altgläubigen“ zu tun gehabt. Einer der Widerstreiter sei der Dekan von St. Marien, Hermann Holliken, gewesen, dieser habe „zur Wahrheit“ überzeugt werden müssen.