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Zum Lebertag im JHD Delmenhorst Die Gefahr für die Leber lauert in jeder Küche

Von Kai Hasse | 20.11.2018, 09:43 Uhr

Lebererkrankungen sind tückisch – und betreffen viele Menschen. Das wird im dk-Interview zum 19. Lebertag mit Dr. Klaus Gutberlet und Dr. Frank Starp deutlich. Beide drängen auf frühzeitige Untersuchungen, wie auch bei einem Patientenvortrag am Donnerstag, 22. November, ab 18 Uhr im Café Dià beim JHD klar werden soll.

 Herr Gutberlet, Herr Starp, wofür braucht man eigentlich die Leber?

Gutberlet: Sie ist wie eine Fabrik: Sie kann beispielsweise Eiweiß schaffen aus anderen Stoffen, sie ist ein Entgiftungssystem, wenn Nährstoffe abgebaut werden, sie dient als Steuerungselement für den Stoffwechsel. Ein Beispiel: Nachts, wenn man nichts isst, oder auch bei längerem Fasten, kann sie Nährstoffe liefern. Sie hält den Blutzuckerspiegel konstant. Und sie hat eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit. Herr Starp kann Ihnen die Hälfte der Leber wegschneiden, und sie regeneriert sich.

Starp: Sogar zwei Drittel. Sie erholt sich wieder. Ich als Chirurg kann mir das zunutze machen, beispielsweise indem ich vor einer größeren OP am erkrankten Teil der Leber die Blutzufuhr drossele – der gesunde Teil wächst dadurch, was natürlich eine bessere Ausgangssituation ist.

 Und woran merke ich, dass sie krank ist?

Gutberlet: Das Tückische ist, dass die meisten Erkrankten anfangs nichts davon merken. Das einzige frühe verlässliche Warnsignal ist Müdigkeit.

 Ich glaube, fast jeder fühlt sich meist übermüdet...

Gutberlet: Deshalb sollte man, wenn man beim Arzt ist, immer die Leberwerte im Blick haben. Wenn eine Lebererkrankung früh erkannt wird, kann man gegensteuern.

 Wer ist denn die Risikogruppe für Lebererkrankungen?

Gutberlet: Generell wenn Sie zu „gut“ essen und sich zu wenig bewegen. Rein biologisch wurde der Mensch gemacht fürs Neandertal. Wir sind dem Mammut hinterhergerannt und haben nur manchmal davon gegessen. Heute haben wir dagegen immer zu essen und nur gelegentlich Bewegung. Sie können davon ausgehen, dass ein Drittel der deutschen Bevölkerung eine Fettleber hat. Andere wichtige Ursachen sind Hepatitis B und C oder die sogenannte Eisenspeicherkrankheit, eine Störung des Stoffwechsels.

 Wie kann man die Lebererkrankung behandeln?

Gutberlet: Eine Lebererkrankung nimmt immer einen uniformen Ablauf: Alkohol, Fett oder Keime sorgen für eine chronische Entzündung, dann gibt es eine Bindegewebsvermehrung, oder Fibrose, und schließlich eine Zirrhose. Die Zirrhose kann dann echten Leberkrebs verursachen. Andere Lebertumore, oder Metastasen, entstehen auch durch Effekte von Außen: Alles Blut aus dem Magen-Darm-Trakt wird durch die Leber geleitet, damit keine Nährstoffe verloren gehen. Dadurch können aber auch Tumorzellen aus einem Krebs im Magen-Darm-Trakt in der Leber landen. Manchmal kann dann ich als Internist mit Alkohol, Laser oder Radiowellen kleine Teile reparieren.

 Und ansonsten zückt Herr Starp als Chirurg das Messer?

Starp: So schnell zücken wir es nicht. Es gibt viele alternative Behandlungsmöglichkeiten. In einer wöchentlichen Tumorkonferenz besprechen wir mit allen beteiligten Fachabteilungen die Heilungsmöglichkeiten. Dort fällt dann ein Beschluss, dem wir folgen. Oft gibt es auch mehrere Stufen im Verfahren, das dann mehrere Behandlungsmethoden umfasst.

 Eine kranke Leber wird oft mit Alkohol erklärt...

Gutberlet: Früher war Alkohol tatsächlich der Auslöser Nummer eins. Das hat sich geändert. Heute ist die nicht von Alkohol ausgelöste Fettleber am häufigsten. Die Entstehungszeit und Ursprung kann je nach Mensch sehr unterschiedlich sein. Das heute allgegenwärtigste Gift für die Leber ist Zucker. Das ist der Stoff, mit dem die Leber am meisten zu kämpfen hat heutzutage. Junge Menschen, die ständig Softdrinks oder Energydrinks trinken, können mit 35 Jahren eine Fettleber haben.

Starp: Wir als Chirurgen haben es dann immer wieder, dass wir bei anderen OPs eine Veränderung an der Leber bemerken. Wir schauen bei Bauch-OPs naturgemäß einmal zur Leber – und müssen manchmal den Internisten auf verdächtige Veränderungen aufmerksam machen.

 Insgesamt: Die Leber ist ein vielseitiges, erstaunliches Organ, das empfindlich ist und erst spät Warnzeichen zeigt. Also soll man frühzeitig nach der Leber sehen lassen. Was passiert beim Arzt, wenn ich ihn nach der Leber frage?

Gutberlet: Er wird Sie fragen nach Alkoholkonsum, wie Sie sich ernähren, wie Sie sich bewegen, ob Sie den Fahrstuhl nehmen oder die Treppe. Außerdem wird er Ihre Leberwerte nehmen und eine Ultraschall-Untersuchung machen. Und diese Vorsorge sollten Sie treffen, damit Sie nicht bei mir oder Herrn Starp landen.