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Zum Plattdeutsch-Tag des Heimatvereins Niederdeutsche Sprache ist Veränderungen unterworfen

Von Helmut Steinert | 22.09.2018, 13:37 Uhr

Immer am 26. September lädt der Heimatverein Delmenhorst zum Plattdeutsch-Tag ein. Eine Herausforderung für die Pflege der niederdeutschen Sprache ist die Vermengung mit Hochdeutsch.

Die Bundesrepublik Deutschland hat 1998 die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ratifiziert. Und im Europäischen Jahr der Sprachen 2001 ist der 26. September von Europarat und EU als Europäischer Tag der Sprachen festgelegt worden. Da Niederdeutsch – oder Plattdeutsch – als Minderheitensprache anerkannt und schützenswert ist, feiert der Heimatverein Delmenhorst seitdem jährlich den europäischen Aktionstag am 26. September als Plattdeutsch-Tag.

Mit seiner Bibelübersetzung 1521/22 begründete der Reformator Martin Luther die hochdeutsche Schriftsprache. Die Bürger in den verschiedenen deutschen Staaten sprachen daneben weiterhin ihre jeweiligen Mundarten, bis heute. Diese dürfen jedoch nicht mit der geschützten niederdeutschen Schriftsprache verwechselt werden.

Plattdeutsch nach oldenburgischer Sprechweise erforscht

Als Neubürger bin ich durch meine Versetzung in den 60er Jahren nach Delmenhorst-Adelheide gekommen und brachte die niederdeutsche Sprache der Heide und die Hamburger Mundart mit. Da ich von Geburt ein Niederschlesier bin, habe ich mich zunächst gewehrt, als man mich für den Vorsitz des Heimatvereins Delmenhorst vorschlug. Oberbürgermeister Jürgen Thölke hat mich dann gebeten, dieses Amt doch anzunehmen. Darüber sind fast 20 Jahre plattdeutsches Schreiben auch für das Ohnsorg-Theater in Hamburg und das Delmenhorster Kreisblatt vergangen.

Nun bemühte ich mich sehr darum, die plattdeutsche Sprache nach der oldenburgischen Sprechweise zu erforschen. Dabei stelle ich fest, dass bereits an den Grenzen der Stadt Delmenhorst sehr oft Plattdeutsch mit hochdeutschen Worten vermischt gesprochen wird. Der Hamburger sagt dazu: „Deine Sprache ist Messingsch.“

Verzerrung plattdeutscher Begriffe beklagt

Bereits im Mai 1952 wurde von Dr. Karl Fissen in der dk-Beilage „Von Hus un Heimat“ auf die Problematik eingegangen, dass „Plattdeutsch mit Hochdeutsch vermengt wird und dies auf die Schriftsprache Plattdeutsch übertragen wird“. Zu Ostern 1953 wurde in „Von Hus un Heimat“ berichtet, dass ein „Niedersächsisches Wörterbuch“ erscheint, das Niederdeutsche solle „nicht zu einer musealen Sprache“ verkommen. Und wieder ein Jahr später, im Februar 1954, schrieb Dr. Stephan an gleicher Stelle sehr heftig über „Die Verzerrung plattdeutscher Begriffe durch Verhochdeutschung“.

Hilfreiche Bücher zum Erlernen von Plattdeutsch

Meine Erkundigung beim „Spieker – Heimatbund für Niederdeutsche Kultur“ ergab, dass der Plattdüütsch-Kring des Spieker die hochdeutschen Wörter, die immer wieder in die niederdeutsche Schrift hineingelangen, überarbeitet. Es wird eine gemeinsame Schriftsprache angestrebt und immer wieder zeitgemäß angepasst.

Nun gab es ja auch viele Hilfen, die plattdeutsche Sprache der Region zu erlernen: „Mine ollsten Musenkinner“ von „aka“ Delmenhorst von 1924 etwa, „Plattdeutsch“ von Fritz Specht 1934, Plattdeutsches Wörterbuch von Hermann Böning 1941 und schließlich das Hochdeutsch-Plattdeutsche Wörterbuch, herausgegeben vom Institut für Niederdeutsche Sprache. Nach diesem Wörterbuch schreibe ich meine plattdeutschen Beiträge im dk und für das Ohnsorg-Theater.

Um das Plattdeutsche verdient gemacht

2011 überreichte mir „De Spieker“ eine Ehrenurkunde mit folgendem Text: „He hett de Arbeit un de Publikationen van den Veren breed anleggt un utboot. Darbi hett he sik ok besünners för Stütt un Stön um dat Plattdüütsche verdeent maakt.“ Außerdem ist der „Plattdütsch-Kring“ im Heimatverein Delmenhorst besonders bemüht, die plattdeutsche Sprache in Wort und Schrift lebendig zu gestalten und zu erhalten.