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Zuwandererstadt Delmenhorst Integration in Delmenhorst: Mit Hirn, Herz und Humor

Von Marco Julius | 29.06.2017, 08:31 Uhr

Hirn, Herz und Humor ist wichtig, damit Integration gelingen kann, sagt Lutz Gottwald. Mit der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe bildet er einen wichtigen Baustein.

Für Lutz Gottwald ist klar: „Integration braucht einen langen Atem.“ Gottwald hat ihn, diesen langen Atem. Als führender Mitarbeiter der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe der Stadt Delmenhorst muss er das auch. Gottwald sagt zudem: „Integration braucht Hirn, Herz und Humor.“ Wer Gottwald über seine Arbeit sprechen hört, so wie kürzlich die Mitglieder des Ausschusses für Gesundheit, Verbraucherschutz und Gefahrenabwehr, der spürt, dass Gottwald in seiner Aufgabe aufgeht. Integration ist für ihn nicht nur ein Job.

Sitz im ehemaligen Fooken-Haus

Im Ausschuss stellte Gottwald die Aufgaben der kommunalen Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe vor, die im Team angegangen werden. Unter dem Namen ist die Koordinierungsstelle bereits seit August 2014 tätig. Seit dem 1. Juni 2015 ist sie dem Fachbereich 3 und dort der Stabsstelle „Kontaktstelle Flüchtlinge und Interkulturelle Angelegenheiten“ zugeordnet. Gottwald sitzt mit seinem Team im ehemaligen Fooken-Gebäude an der Langen Straße/Ecke Mühlenstraße, dort wo seit Oktober 2016 Stadtverwaltung, Land und Diakonie unter einem Dach die Kontaktstelle für Flüchtlinge beleben.

Netzwerkarbeit wichtig

Netzwerkarbeit gehört zum täglichen Geschäft Gottwalds. In Delmenhorst seien die entsprechenden Stellen eng verzahnt, aber auch überregional ist die Koordinierungsstelle eng vernetzt. Ein weiterer wichtiger Baustein der Arbeit sei die Förderung des ehrenamtlichen Engagements. Gottwald nennt hier beispielhaft die Ausbildung von Integrationslotsen, die eine wichtige Rolle bei der Integration von Menschen spielen, die neu nach Delmenhorst kommen – und das in vielen unterschiedlichen Sprachen. Insgesamt konnten bereits 125 Ehrenamtliche, die überwiegend aus der zugewanderten Bevölkerung stammen, ausgebildet werden. 2010 ist der Verein Integrationslotsenteam Delmenhorst und Umgebung gegründet worden.

„Willkommen in Delmenhorst“

Die Zahl der Projekte, an denen sich die Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe beteiligt hat und weiterhin beteiligt, ist kaum noch zu überblicken. Gottwald stellte besonders das „WinD-Café“ heraus. „WinD“ steht dabei für „Willkommen in Delmenhorst“. Der offene Treff, der auch zum Spracherwerb genutzt wird, findet dienstags und donnerstags im Jugendhaus Horizont statt.

Auch die Frauenkurse, finanziert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die sich an unterschiedlichen Standorten den Themen Orientierung, Alltagsbewältigung und Sprache annehmen, hob Gottwald hervor. Gleiches gilt für ein Projekt, bei dem die Evangelische Familien-Bildungsstätte die Trägerschaft übernommen hat: „Opstapje – Frühe Bildung für Flüchtlingsfamilien mit Kleinkindern“. Die Projekte stehen laut Gottwald aber nur stellvertretend für zahlreiche andere.

Dass Delmenhorst eine Stadt mit Zuwanderungsgeschichte ist, verdeutlichten die Zahlen, die Gottwald vorstellte. Rund 22.000 Menschen, etwa 27 Prozent, haben eine eigene Geschichte der Zuwanderung.

257 Flüchtlinge in 2017

Stand Mai 2017 lebten in Delmenhorst 1500 anerkannte Geflüchtete, 520 Geflüchtete mit einer sogenannten Gestattung sowie 130 Geduldete. Der Großteil stammt aus Irak, Afghanistan oder Syrien. 40 Prozent von ihnen sind weiblich, 40 Prozent unter 18 Jahre alt. Laut Verteilerquote für 2017 kommen 257 Flüchtlinge in diesem Jahr hinzu.