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Zuzug nach Delmenhorst Jobcenter-Chef will sein Haus vor Leistungsmissbrauch schützen

28.10.2017, 10:27 Uhr

Angesichts des Familiennachzugs für Flüchtlinge rechnet der hiesige Jobcenter-Chef 2018 mit 907 zusätzlichen Zuzügen nach Zudem will er sein Haus vor Leistungsmissbrauch schützen.

Das Delmenhorster Jobcenter rechnet 2018 mit 907 zusätzlichen Menschen, die über den Familiennachzug für Flüchtlinge nach Delmenhorst kommen. Das geht aus einer neuen Prognoserechnung von Jobcenter-Chef Frank Münkewarf hervor, der am Dienstag im Sozialausschuss der Stadt über die Flüchtlingsarbeit des Jobcenters berichtet hat. Bezüglich des Familiennachzugs hatte Münkewarf schon einmal mehr Mitarbeiter für sein Haus gefordert. Zudem sei in tausenden Fällen noch nicht über die Bleibeperspektive in Niedersachsen entschieden.

Zusätzliche 1362 Flüchtlinge in anderthalb Jahren

Angesichts dieser Entwicklung sagte Münkewarf: „Wir sind gut aufgestellt. Aber wir brauchen mehr Personal.“ Damit erneuerte er seine Forderung von Ende September. Wie er im Ausschuss darlegte, habe sich allein im Zeitraum zwischen Januar 2016 und Juni 2017 die Zahl der Leistungsbezieher aus den acht zuzugsstärksten Herkunftsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) um 962 auf 2170 erhöht. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl die Regelleistungsbezieher auf 11.486 Menschen in Delmenhorst angestiegen. Vor allem Ausländer seien dazugekommen (+1362), der Anteil deutscher Leistungsbezieher hingegen war rückläufig (-486) was unter anderem damit zu tun hat, dass verstärkt Jobcenter-Kunden in Maßnahmen vermittelt wurden. Ende September registrierte das Jobcenter insgesamt 2273 anerkannte Flüchtlinge.

Jobcenter-Chef will Leistungsmissbrauch vorbeugen

 (Weiterlesen: Flüchtlingsnachzug könnte Zahl der Großfamilien in Delmenhorst steigern) 

Münkewarf kündigte zudem an, sein Haus vor Sozialleistungsmissbrauch zu schützen. Anlass hierzu sind Fälle aus Osnabrück und Bremerhaven. Dies soll unter anderem mit Erstgesprächen mit der gesamten Bedarfsgemeinschaft geschehen, durch Schulungen für Mitarbeiter oder durch die Vermittlung von verlässlichen Dolmetschern über eine Hotline. In Osnabrück hatten Asylbewerber mit Scheinidentitäten Leistungen erhalten, die ihnen nicht zustanden. In Bremerhaven hatten sich in besonderem Maße Bulgaren mit gefälschten Arbeitsverträgen als geringfügig Beschäftigte in 1000 Fällen nicht berechtigte Zahlungen der Grundsicherung erhalten.