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Zwei Ausstellungen vor Eröffnung „Kuratorische Tauchfahrt“ in Delmenhorster Galerie

Von Marco Julius | 02.11.2017, 17:08 Uhr

Leinen los! In der Städtischen Galerie kann ab Freitagabend Seeluft geschnuppert werden. Zwei Ausstellung nähern sich parallel maritimen Themen.

Die Städtische Galerie holt die See nach Delmenhorst. Gleich zwei Ausstellungen, die eigenständig und doch thematisch eng verbunden sind, werden am Freitag, 3. November, eröffnet. In der Remise ist die Einzelausstellung „Christian Haake. Fluid“ zu sehen. Um 19 Uhr spricht Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur) einführende Worte. Um 20 Uhr eröffnet dann Kai Kähler, Vorsitzender des Kunstvereins Bremerhaven von 1886, die Gruppenausstellung „Zur See. Werke aus der Sammlung der Kunsthalle Bremerhaven“.

Als „kuratorische Tauchfahrt in eine großartige Sammlung“ bezeichnet Galerie-Leiterin Annett Reckert die Gruppenausstellung, in der es um maritime Bezüge in der zeitgenössischen Kunst geht, obwohl – oder gerade weil – der Kunstverein Bremerhaven in seiner Sammlung nie einen Fokus auf dieses Thema gelegt hat. Für Kähler war es sein „spannendes Experiment in kunsthistorisches Neuland“, in die Archive zu steigen, um Werke für die Ausstellung zusammenzutragen.

Ein Schlüsselwerk der Ausstellung ist die raumgreifende Arbeit „Windsbraut“ von Paloma Varga Weisz (Jahrgang 1969), eine Holzschnitzarbeit, die mit großen Gefühlen wie Schmerz und Sexualität spielt und an Galionsfiguren angelehnt ist. Besonders beeindruckend sind zudem die Schwarz-Weiß-Fotografien der Jungfernfahrt des Luxusschnelldampfers MS Bremen im Jahr 1929, aufgenommen von drei renommierten Fotografen der Zeit. Insgesamt sind im Haupthaus 150 Fotografien, Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen zu sehen.

„Windsbraut“ als Schlüsselwerk

Die Metaphorik des Schiffes und der Seefahrt spielt auch bei weiteren Werken eine Rolle. Darunter sind regional bekannte Künstler wie Tina Öhmsen („Bodeninstallation für Bremerhaven“, 1989) oder Jochen Krüger („Bananen an Bord“, 1989). Von Manfred Pernice (Jahrgang 1963, geboren in Hildesheim) gibt es mit Blick auf den Warenverkehr und die allgegenwärtige Seezeichen-Ästhetik in Bremerhaven Anspielungsreiches im Rahmen seiner generellen Diagnose der „Verdostheit unserer Welt“ zu sehen. Auch von Andreas Slominski (Jahrgang 1959, geboren in Meppen) besitzt die Kunsthalle Bremerhaven eine beachtliche Werkgruppe. Mit der minimalistischen Arbeit „Farbe zum Anstreichen des Leuchtturms Roter Sand“ aus dem Jahr 1999 ernüchtert der Künstler jeden, der in dem Leuchtturm ein hochwertgeschätztes Denkmal, letztlich auch ein touristisches Highlight sieht. Björn Dahlem (Jahrgang 1974, geboren in München) würdigt mit der Skulptur „Sprotte in Heilwasser“, 2003, einen anderen Sympathieträger des Nordens und verpasst ihm eine Kur.

Künstler kinematographisch geprägt

Die Remise hat der 1969 in Bremerhaven geborene Christian Haake mit einer poetisch-fließenden en Ausstellung bestückt, die direkt auf die Räume abgestimmt ist. Dabei interessiert den Künstler, wie Stephan Berg schreibt, „der feine Riss der Differenz, der zwischen den Ebenen verläuft. Nicht die Bestätigung des Zusammenhangs zwischen Realität und Wahrnehmung ist ein Ziel, sondern dessen subtile poetische Destabilisierung“. Haake, kinematographisch geprägt, geht es um Wahrnehmung, Wirklichkeit und Erinnerung. Auch Haake hat sich mit dem Meer beschäftigt, obwohl er, an der See aufgewachsen, dennoch keine direkte Verbindung zum Meer verspürt.

Galerie-Leiterin Reckert und ihr Termin sind stets auf der Suche nach speziellen Projekten für ihr Haus. Mit dieser Doppelausstellung, die durch Vielfalt beeindruckt, ist dieses Ansinnen wieder einmal gelungen. Ein Bonus ist dabei die enge Zusammenarbeit mit Bremerhaven, von der beiden Seiten profitieren.