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Vortrag zum Kampfgeschwader Boelcke Wie Delmenhorst an der Schlacht von Stalingrad beteiligt war

Von Niklas Golitschek | 29.05.2019, 22:43 Uhr

Im vierten Teil seiner Vortragsreihe zum Kriegsgeschwader Boelcke aus Adelheide legte Referent Helmuth Riewe den Fokus auf die Schlacht um Stalingrad. Dabei regte er an, das Thema künftig aus anderem Blickwinkel anzugehen.

Die Schlacht um Stalingrad gilt als Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges, sie endete mit der Kapitulation der sechsten Armee am 2. Februar 1943. Maßgeblich beteiligt an diesem Kampf war auch die dritte Gruppe des Kriegsgeschwaders 27 Boelcke mit Friedensstandort Adelheide, wie der Journalist Helmuth Riewe am Montagabend im vierten Teil seines Seminars „Erinnern für die Zukunft Das Kriegsgeschwader Boelcke in Adelheide: Tod und Zerstörung aus Delmenhorst und die Rolle der Boelcke-Flieger für die Kriegspropaganda des NS-Regimes“ in der Volkshochschule (VHS) Delmenhorst vor rund 35 Zuhörern erläuterte.

Recherchen im Militärarchiv Freiburg

Von langen Rauchschwaden und Tausenden Bombentrichtern berichtete Kriegsberichterstatter Hellmut Dressler im September 1942, führte Riewe aus. Mit involviert: Das Kriegsgeschwader Boelcke. Da Generalleutnant Gerhard Fiebig, Leiter des zuständigen Flieger-Korps, Tagebuch führte, konnte Riewe im Zuge seiner Recherchen im Militärarchiv Freiburg einige seiner Notizen einsehen.

Sie belegten wie– das betonte Riewe – „durch die Brille des militärischen Angreifers“ die Schlacht verlief. Bereits ab Ende November wurde das Flieger-Korps mit der Luftversorgung der Armee beauftragt. „Ehrenvoller aber schwieriger Auftrag“, notierte Fiebig, wohl wissend: „Es wird schweres Blut kosten.“ Bereits wenige Tage später beklagte er die schwierigen Wetterverhältnisse im russischen Winter. Zudem führte die verstärkte Bodenversorgung zu höheren Verlusten in der Luft. In der Folge begannen die Zweifel zu wachsen. Über drei Wochen mussten die Bodentruppen zusätzlich zu den Wetterbedingungen mit nur einem Drittel der Verpflegungsportion auskommen. In den folgenden Tagen wuchsen die Zweifel, am Tag vor Weihnachten hieß es: „Ich sehe, wir rennen ins Unglück, aber Befehl ist Befehl!“

Verbundenheit zu Delmenhorst bleibt

Auch die Rolle der dritten Gruppe des Kriegsgeschwaders 27, inzwischen unter Leitung des mit dem Ritterkreuz dekorierten Major Erich Thiel, erläuterte Riewe dabei: "Es war „regelmäßig beteiligt, unterbrochen nur durch so bezeichnete ‚Auffrischungen‘ in Deutschland im Herbst 1941 sowie im Dezember 1942/Januar 1943“. Dabei bestand offenbar weiterhin eine Verbundenheit zu Delmenhorst, wie aus weiteren Briefverläufen ersichtlich wurde.

Auf die genauen Kriegstaten der Boelcke-Flieger ging Riewe aus Zeitgründen nicht ein. Um einen groben Eindruck zu vermitteln, legte er aber ein einige Zahlen dar: Von Kriegsbeginn bis 1. September allein soll das Geschwader aus Adelheide 25000 Tonnen Bomben bei zirka 22000 Feindflügen abgeworfen haben. „Jeder mag für sich darüber nachdenken, welche Zerstörungsgewalt und welche Verletzten- und Totenmassen damit geschaffen wurden“, merkte er an. Während seiner Recherchen fand Riewe unter anderem Dokumentationen, die vom Ansturm der Verwundeten auf die Flieger erzählten, die sich teilweise vor die Laufräder legten, um einen Start ohne sie zu verhindern; und diese Ereignisse auch die Piloten belasteten.

Riewe regt Untersuchung an

Um die Geschehnisse, die auch von Delmenhorst aus stattfanden, detaillierter aufzuarbeiten, regte Riewe an, auf offiziellem Wege einen Historiker mit einer Untersuchung zu beauftragen: „Nun steht es an, sich regionalgeschichtlich um die Opfer zu kümmern, die von der III./KG 27 unter anderem in Polen, in England und im heutigen Russland und Weißrussland hinterlassen wurden.“ Das sei ihm nicht möglich gewesen, seine Materialien böten jedoch genug Ansatzpunkte.