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Zwischen digital und analog Delmenhorster Funkamateure auf einer Wellenlänge

Von Kristina Müller | 25.03.2017, 10:54 Uhr

„CQ, CQ, CQ, hier ist DK1IJ.“ So meldet sich Dieter Markowiak über sein Mikrofon. Markowiak ist einer von 77 Funkamateuren in

„Delta, Kilo, eins, India, Juliett“, buchstabiert Markowiak sein Rufzeichen seinem Gegenüber per Funk. Markowiak ist stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbandes Delmenhorst, der wiederum Teil des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) ist.

Deutschlandweit sind 67.500 Funkamateure aktiv – von 2,8 Millionen weltweit. Knapp 37.000 davon sind im DARC, dem größten Verband von Funkamateuren Deutschlands, in rund 1000 Ortsverbänden organisiert. So wie auch die 77 Mitglieder des Delmenhorster Ortsverbandes, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert.

Funker aus Leidenschaft

„Funkamateur ist man aus Leidenschaft“, sagt Markowiak. „In den 60er Jahren hat mich die Technik unheimlich interessiert. So sind die Meisten auch dazu gekommen.“ Durch sein Interesse an Radio und Fernsehen damals sei der „Funke“ übergesprungen, wie er sagt. Und das habe sich bis heute gehalten. Wichtig seien vor allem Technikaffinität und Physikkentnisse. „Früher war Lötkolben angesagt.“

Ob per Sprechfunk, Morsetelegrafie, Funkfernschreiben, Funkfernsehen oder Satellitenfunk – Das „Schnacken“ mit Menschen weltweit oder einfach hier in Delmenhorst mache besonders viel Spaß. „Ich weiß vorher nicht, wen ich eigentlich treffe, das ist das Spannende“, sagt der Funker. Inhalt der Gespräche? Gott und die Welt. Und das meist in internationalen Kürzeln.

Ansichtskarten aus aller Welt

Nach dem Funkdialog verschicken die Amateurfunker eine Art Ansichtskarte an den Gesprächspartner, eine sogenannte QSL – übersetzt: die Empfangsbestätigung für den Kontakt. Vom Südpol, aus Jordanien und von einer Expeditionsstation aus dem Südpazifik: Viele Karten aus aller Welt hat Markowiak bereits gesammelt.

„Das ist der Reiz: Gegen die physikalischen Gegebenheiten eine möglichst gute Verbindung zu möglichst guten Zeiten zu möglichst interessanten Leuten aufzubauen“, zeigt er sich begeistert. Dafür braucht es das nötige Equipment, wie beispielsweise eine Antenne und die Übertragungsgeräte. Und die bauen die Funker sich selbst zusammen. „Alles muss physikalisch passen“, erklärt Markowiak.

Wunsch nach Nachwuchs

Die Funker wünschen sich, dass sich auch junge Leute wieder mehr für Technik interessieren – Junge Leute, die sich trauen, einen Lötkolben oder ein Messgerät in die Hand zu nehmen und zu experimentieren. „Wie geht das, dass ich mit einem Stück Draht um die Welt komme?“, erläutert Markowiak den Gedanken dahinter.

Retro ist wieder im Trend. So wie Plattenspieler und Röhren wieder im Kommen sind, erlebe auch der Amateurfunk eine Renaissance, so Markowiak. Auch wenn inzwischen 70 Prozent der Technik beim Amateurfunk digital sei. „Die Vermischung von digitaler und analoger Technik ist faszinierend“, sagt er. So könne beispielsweise ein analoges Signal digital über das Internet am PC oder am Smartphone empfangen werden – und umgekehrt.

Hilfe in der Not

Doch die analoge Technik hat auch Vorteile: „Bei Katastrophen und Notfällen greifen die Funkamateure ein und helfen, die Kommunikation aufrechtzuerhalten“, erklärt Markowiak. Es gibt sogar Wettbewerbe unter den Funkern – distrikt-, deutschland- und weltweit –, wer am weitesten kommt, berichtet er. „Delmenhorst mischt amateurfunkmäßig ganz vorne mit“, freut sich der stellvertretende Vorsitzende.

Momentan suchen die Delmenhorster Amateurfunker händeringend nach einer Clubstation, in der sie ihre Technik unterbringen können. Denn bisher waren sie nur mobil unterwegs und bauen ihre Technik immer wieder neu auf.