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Zwischen Wickeltisch und Laptop Frauenempfang in der Delmenhorster Markthalle

Von Marco Julius | 06.03.2016, 18:53 Uhr

Beim Frauenempfang ist ein ernsthaftes Thema am Samstag humorvoll angegangen worden: Was muss passieren, damit Familie und Beruf vereinbar sind?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat am Samstag im Zentrum des Frauenempfangs in der Markthalle gestanden. Nur rund 50 Frauen waren der Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Petra Borrmann, der Gewerkschaft ver.di, der Delmenhorster Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen und der Frauen Union gefolgt. Dem durchaus ernsthaften gesellschaftspolitischen Thema über Rollenbilder haben sich die Veranstalterinnen bewusst humorvoll genähert.

Plädoyer für Veränderungen in der Gesellschaft

Für die Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann liegt es auf der Hand , dass bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch dringender politischer Handlungsbedarf besteht. „Frauen sind nicht gleichberechtigt, wenn es für sie, selbst mit einer qualifizierten Ausbildung, häufig immer noch subtil heißt: entscheide dich, ob du Erfolg im Beruf oder eine Familie haben willst. Männer erleben sehr selten dieses Dilemma.“ Die Entscheidung „Erfolg im Beruf oder Familie“ sei eine zutiefst unmenschliche. Borrmann plädierte dafür, dass sich die Gesellschaft, die Arbeitgeber, aber auch die Eltern selbst weiter für neue Formen öffnen müssten. „In vielen Familien sind Frauen immer noch allein verantwortlich für die Familie, ganz egal, ob es um die Kinder oder um die Pflege von Angehörigen geht.“ Das müsse sich ändern. Da seien die Männer gefragt, die offensiver Familienzeit einfordern müssten. Aber auch die Frauen selbst müssten lernen, das zuzulassen. „Zudem brauchen wir eine neue Arbeits- und Betriebskultur“, forderte Borrmann: „Es ändert sich etwas, aber der Prozess verläuft zu langsam.“

Die Rushhour des Lebens

Einen vergnüglichen und offenen Einblick in den „alltäglichen Wahnsinn einer berufstätigen Mutter“ gab die Münchener Autorin Barbara Streidl, die aus ihrem Buch „Kann ich gleich zurückrufen?“ las und dabei ein Plädoyer hielt für „eine Arbeitswelt, in der man sich nicht für seine Kinder entschuldigen muss“. Streidl, selbst zweifache Mutter und berufstätig, beschreibt in ihrem Buch eine Woche im Leben einer Frau in der „Rushhour des Lebens zwischen Kind und Karriere, zwischen Wickeltisch und Laptop“. Stichworte wie Rabenmutter, Wochenendvater, Teilzeitkind und gläserne Decke standen im Fokus der anschließenden Diskussion. Streidl kommt zu dem Schluss: „Feminismus kann das Leben schöner machen, Veränderungen lassen sich nur gemeinsam mit den Männern erreichen.“

Tradition wird fortgesetzt

Der Frauenempfang werde auch im kommenden Jahr wiederholt, kündigte Borrmann trotz des eher mäßigen Besuchs an. Im Vorjahr waren noch rund 140 Frauen gekommen. „Wir werden schauen, woran der Besucherinnenrückgang in diesem Jahr, in dem wir uns besonders an jüngere Frauen richten wollten, gelegen hat“, sagte Borrmann.

Wer am Samstag nicht dabei war, verpasste auch den musikalischen Beitrag der vorzüglichen Frauen-A-cappella-Gruppe Paraplü aus Oldenburg.