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Zwischenfazit nach zehn Jahren Neuer Mut für Langzeitarbeitslose in Delmenhorst

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 27.06.2016, 17:15 Uhr

Seit zehn Jahren helfen das Jobcenter Delmenhorst und der Bezirksverband Oldenburg über das Programm „Integra“ Langzeitarbeitslosen, zur Normalität zurückzufinden. Es setzt auf einfache, aber regelmäßige Tätigkeiten.

Von einem „Arbeitsverhältnis“, das die Teilnehmer bei „Integra“ eingingen, möchte Helmut Blauth nicht sprechen. Der Leiter des vom Bezirksverband Oldenburg betriebenen Guts Dauelsberg spricht lieber von einer „Beschäftigungsmaßnahme“ – einer sehr erfolgreichen allerdings. Denn „Integra“ feiert demnächst, am 1. Oktober, sein zehnjähriges Bestehen. Damit handele es sich um das älteste vergleichbare Projekt überhaupt, dass das Jobcenter Delmenhorst für Langzeitarbeitslose, beziehungsweise Arbeitslosengeld-II-Empfänger vorhalte, sagt Marion Denkmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters, das für „Integra“ mit dem Bezirksverband kooperiert.

Kaum in der Lage, mit Menschen zu sprechen oder den Bus zu nutzen

Derzeit arbeiten fünf Männer und fünf Frauen als Programmteilnehmer bei „Integra“. Es kämen nur Teilnehmer für das Projekt infrage, die in keine andere Maßnahme des Jobcenters passten, so Denkmann. Die Teilnehmer seien aufgrund ihrer langen Erwerbslosigkeit oftmals so beeinträchtigt, dass sie kaum noch in der Lage seien, mit anderen Menschen zu sprechen oder die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, ergänzt Eva-Maria Odemer, die das Projekt seit jeher pädagogisch begleitet. Ein Leitsatz von „Integra“ habe deswegen schon zur Gründung im Oktober 2006 gelautet: „Steigerung des Selbstbewusstseins durch Selbstverwirklichung.“

Ein Bewusstsein errichten, für etwas gut zu sein

Bei jenen Arbeiten, die sie an zehn bis 30 Stunden pro Woche auf Gut Dauelsberg verbrächten, handele es sich üblicherweise um sehr einfache Tätigkeiten: um das Ausschenken von Getränken zu feierlichen Anlässen, um das Pflegen der Beete, das Pflücken von Erdbeeren, das Schneiden der Hecken oder ums Putzen, berichtet Blauth. Es komme vor allem darauf an, dass die Teilnehmer eine Tagesstruktur aufrecht erhielten und in dem Bewusstsein lebten, für etwas gut zu sein. Denn oftmals leide das Selbstbewusstsein Langzeitarbeitsloser unter der Untätigkeit so sehr, dass sich die Betroffenen immer kleiner vorkämen. Dadurch werde es zugleich immer schwieriger für sie, sich aus ihrer desolaten Lage zu befreien. (Weiterlesen: Aktionswoche der Wohnungslosenhilfe auf Gut Dauelsberg)

Erfolg des Programms bleibt nicht aus

Dank „Integra“, versichert Denkmann, sei es dem einen oder anderen Langzeitarbeitslosen sogar bereits geglückt, wieder zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu kommen. Andere hätten sich, in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, einem Bewerbungstraining gestellt oder ein Qualifizierungsangebot des Jobcenters angenommen.