Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Zwölf Beschäftigte mehr Delme-Werkstatt in Delmenhorst baut an

Von Kai Hasse | 03.11.2017, 15:26 Uhr

Auf mehr als verdreifachter Fläche können die Delme-Werkstätten an ihrer Tagesförderstätte in der Richtstraße arbeiten. Der Erweiterungsbau wurde nun eingeweiht. Die Vergrößerung hat zwei Jahre Planung in Anspruch genommen.

In den neu geschaffenen Räumen der Tagesförderstätte der Delme-Werkstätten der Lebenshilfe in der Richtstraße werden nun deutlich mehr Menschen arbeiten und betreut werden können. Bisher hatte die Einrichtung 18 Beschäftigte – also Menschen mit schwersten und mehrfachen Behinderungen. Künftig werden es bis zu 30 sein. Auch das Team der Anleiter wird erweitert von drei auf fünf Gruppenleitungen, dazu zwei Pflegekräfte.

Vibrierendes Geschirr beim Bau

Bereits seit langem habe man in der Einrichtung dafür gekämpft, künftig mehr Raum zu haben. 2015 ergab sich dann die Möglichkeit, das Nachbargebäude zu kaufen. Es wurde geplant, gebaut, renoviert, und währenddessen lief der Betrieb in der Tagesförderstätte mit Werkstatt weiter. „Die Beschäftigten und Mitarbeiter haben das mit Ausdauer und Geduld hingenommen“, sagte Lebenshilfe-Geschäftsführerin Nahid Chirazi bei der Einweihnung, „mit Humor und Gelassenheit hat man auf die Baustelle reagiert, auch wenn das Geschirr auf den Tellern vibrierte.“

Künftig freiere Angebots-Auswahl

Die Förderstätte bekommt nicht nur mehr Platz, in den mehr Ausstattung und ein Pflegebad hineinpasst, sondern auch eine neue interne Organisation: Künftig sollen die einzelnen Betreuungsgruppen nicht mehr unter sich sein. Die beschäftigten Menschen mit Behinderungen, die in den Werkstätten durch Verpackungs- und Montagetätigkeiten für den Arbeitsmarkt ertüchtigt werden sollen, können künftig freier in ihren Angeboten wählen, sodass sie nach eigenen Interessen Aktivitäten und Förderungen wählen können.

Kritik an Rahmenbedingungen

Kritik gab es bei der Eröffnung an aktuellen rechtlichen Bestimmungen und der Ausstattung der Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Heidelies Iden, Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg, bemängelte, dass Menschen mit schweren Behinderungen rechtlich noch nicht die Möglichkeit für bezahlte, sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten haben und die Arbeitsplätze auf dem Arbeitsmarkt noch nicht ausrechend behindertengerecht wären.

Umjubelte Musikauftritte

Die Beschäftigten nahmen den Tag zum Anlass, ihr künstlerisches Talent zu zeigen: Die Delme-Sambistas – die Sambagruppe der Werkstätten – sowie der Delme-Chor „Brennende Stimmen“ aus Ganderkesee gaben vielbejubelte Kostproben – Soli als Sarah Connor („Wie schön Du bist“) oder Jürgen Drews („Wenn die Wunderkerzen brennen“) gab es, und Chorleiterin Sybille Gimon sang mit allein auch ein selbst geschriebenes Lied: „Gib niemalds auf, steh immer immer immer wieder auf...“.