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Afrikanische Schweinepest Landwirtschaft wird unter Schweinepest leiden

Von Ole Rosenbohm | 06.12.2019, 20:44 Uhr

Anfang 2018 rückte die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach Polen vor – jetzt steht sie vor nur noch 40 Kilometer vor der deutschen Grenze, weiß Carsten Görner, Leiter des Landkreis-Veterinäramtes. Heißt: Nicht mehr lange wohl, dann werden die ersten Wildschweine in Deutschland infiziert sein.

Dass die Schweinepest auch die letzten Kilometer bis Brandenburg schaffen wird, steht für Landkreis-Veterinär Görner fast außer Frage. „Auf jeden Fall ist die Bedrohungslage nochmal eine Ecke höher als noch vor einer Woche, als wir von 80 Kilometern ausgegangen waren“, sagt der Veterinär. „Früher oder später wird uns die ASP erreichen.“

Exporte brechen ein

Die Folgen wären für die Schweinehalter schon fatal, wenn das erste infizierte Tier in Brandenburg entdeckt würde. Weil Großabnehmer etwa aus China dann ganz auf deutsches Schweinefleisch verzichten würden, würde der Exportmarkt zusammenbrechen, wie es schon Belgien erlebt hat. Könnten dennoch Tiere verkauft werden, müssten diese einzeln untersucht werden. Görner sieht voraus, dass Halter und Schlachter in diesem Fall Kapazitätsprobleme bekommen könnten.

Schweinemast bedroht

Teuer sind solche Untersuchungen auch, derweil der Schweinepreis wegen des in sich zuusammenfallenden Exportmarktes stark sinken könnte. „Die Frage ist dann“, sagt Görner, „wie lange die Betriebe durchhalten“.

Zäune und Kühlcontainer

Aufhalten lässt sich die Schweinepest kaum, auch wenn Land und Landkreis vorbereitet seien, sagt Görner: Untersuchungskapazitäten seinen geschaffen worden, -materialien eingelagert, auch eventuell zu errichtende Zäune angeschafft. Und erlegte oder verunfallte Wildschweine können in einem eigens angeschafften Kühlcontainer untersucht oder – wie es heißt – beprobt werden. Schweinehalter, Jäger, Viehhändler und Transportunternehmen werden vom Landwirtschaftsministeriums informiert.

Wildschweine zahlreich

Alles verhindern ließe sich aber wohl kaum. Niedersachsen oder auch nur der Landkreis kann schließlich nicht eingezäunt und ein krankes Tier muss erst gefunden werden. Das könne dauern, sagt Görner, wenn es sich in ein großes Schilfgebiet zurückzieht, das auch noch unter Wasser liegt – „und da gehen die halt hin, wenn die infiziert sind und hohes Fieber haben“. Unentdeckt haben infizierte Tiere viel Zeit, andere anzustecken. Und das in einer Zeit, in der die Wildschweinpopulation ohnehin hoch sein soll.

Mit ASP leben lernen

In die Zukunft kann niemand blicken, aber Görner befürchtet: „Es wird schwer sein, die Schweinepest ganz weg zu bekommen. Ich erwarte, dass wir dauerhaft mit der ASP leben und umgehen müssen.“ Denn: Auch wenn mal ein Gebiet vom Virus befreit ist, kann es immer wieder eingeschleppt werden. Und die Schweinebauern? Görner: „Ich könnte mir vorstellen, dass die ASP einen gewissen Strukturwandel vorantreibt.“

Kein Impfstoff in Sicht

Übrigens: Dass die Afrikanische Schweinepest etwa durch einen evolutionären Sprung für Menschen gefährlich wird, sei „höchst unwahrscheinlich“, wie Thomas Mettenleiter, der Präsident des Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Löffler-Institut), dem Fachmedium „Agrarheute“ sagte. Das ASP-Virus sei genetisch sehr stabil, es infiziere keine anderen Tiere außer Schweine. Die Entwicklung eines Impfstoffes erwarte er in „überschaubarer Zukunft“ nicht.