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Besuch in Deutschland abgesagt So sieht es in der Corona-Krise in Ganderkesees Partnerstadt Château-du-Loir aus

Von Thomas Deeken | 16.04.2020, 11:19 Uhr

Ganderkesee/Château-du-Loir . Nicht nur die Gemeinde Ganderkesee erlebt in Corona-Zeiten einen fast vollständigen Stillstand des öffentlichen Lebens. Auch die Partnerstadt Château-du-Loir in Frankreich ist von den Auswirkungen der Pandemie betroffen.

„Wir dürfen in ganz Frankreich das Haus nicht verlassen – es sei denn, wir füllen vorher ein Papier aus und schreiben, was genau wir vorhaben.“ Das sagt Isabelle Brochet aus Ganderkesees Partnerstadt Château-du-Loir zu den Auswirkungen der Ausgangssperre, die am Montag noch einmal bis zum 11. Mai verlängert wurde. Im Wesentlichen seien in der Corona-Krise nur noch Arztbesuche, Lebensmitteleinkäufe und die Fahrt zur Arbeit gestattet, berichtet die Ratsfrau, die bereits zweimal in Ganderkesee zu Besuch war und fließend Deutsch spricht.

Bürgermeister noch nicht im Amt

Die Krise habe in Château auch eine gravierende politische Konsequenz, weiß Ganderkesees Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Der neugewählte Rat könne sich derzeit nicht konstituieren. Und auch der designierte neue Bürgermeister Hervé Roncière habe sein Amt noch nicht antreten können. Bis auf Weiteres bleibe somit Béatrice Pavy-Morançais, die nicht wieder angetreten war,Bürgermeisterin.

Auf dem Lande gelassener

Auf dem Land erlebten die Bewohner die Corona-Krise zwar mit Sorge, aber doch gelassener als anderswo, erzählt Brochet. Todesfälle seien in Château noch keine bekannt geworden. „Es gibt nicht viele Betroffene. Wir erhalten hier aber auch keine detaillierte Übersicht, wie viele Menschen wo genau erkrankt sind“, sagt die Französin. Die Epizentren seien jedoch im Großraum Paris und in Ostfrankreich. „Wir sind hier eher ruhig. Es ist aber auch viel leichter als in den Großstädten, wo die meisten Leute keinen eigenen Garten haben.“

Keine Treffen mit Freunden und Verwandten

Es gebe keine Treffen unter Freunden und in der Verwandtschaft. Die meisten Geschäfte hätten geschlossen, die Kitas und Schulen sowieso. Und wie in Deutschland habe es zu Ostern keine öffentlichen Gottesdienste in den Kirchen gegeben, so die französische Ratsfrau: „Es ist manchmal langweilig jetzt, aber wir haben die Chance, nicht zu erkranken und das Gesundheitssystem zu schützen.“

Mehr zur Partnerschaft mit Châteua-du-Loir lesen Sie auch hier.

Mit Maske zum Wochenmarkt

Eine Schutzmaskenpflicht gebe es in Château-du-Loir bislang noch nicht. „Dennoch tragen bereits viele Menschen eine Maske, wenn sie zum Beispiel auf dem Wochenmarkt einkaufen gehen", informiert Brochet. Scherzhafterweise wurde über private Wege nach Ganderkesee übermittelt, dass in Frankreich nun Rotwein und Kondome vergriffen seien. Die Wirklichkeit sehe jedoch weniger amourös aus: „Nach der ersten Rede von Macron am 16. März waren am nächsten Morgen Toilettenpapier und Nudeln ausverkauft“, erzählt Isabelle Brochet, die beruflich in einer Zuliefererfirma der Automobilbranche für Bestellungen zuständig ist. „Vieles hängt in Frankreich von der Autoindustrie ab - wie in Deutschland. Da ist es momentan sehr schwer.“

Gute Lösung bei Kinderbetreuung

„Immerhin: Das Kurzarbeitergeld liegt in Frankreich höher als bei uns – bei 84 Prozent“, hat Ganderkesees Gemeindesprecher Gruhn erfahren. Staatliche Hilfen reichten gerade für Selbstständige oft nicht aus, dafür gebe es eine attraktive Regelung für Eltern, ergänzt Brochet. „Wer seine Kinder betreuen muss, bleibt zu Hause und erhält 100 Prozent seines Gehaltes.“ Dafür stellten die Lehrer online Aufgaben. Drei bis vier Stunden am Tag müssten die Schüler lernen.

Kein Besuch in Ganderkesee

Auch privat ist Isabelle Brochet von der Corona-Pandemie betroffen. „Eigentlich wollten wir im Mai mit dem Auto nach Ganderkesee kommen. Unsere Tochter Aude-Elise war für zweieinhalb Monate dort und wollte mit uns ihre Gastgeschwister besuchen. Mal sehen, ob das irgendwie klappt“, blickt Brochet eher skeptisch voraus. Der große Gruppenbesuch über Himmelfahrt fällt bekanntlich ins Wasser.

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