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Bauernprotest in Ganderkesee Landwirte empfangen Minister Lies mit massivem Treckerauflauf

Von Dirk Hamm | 14.12.2019, 14:06 Uhr

Rund 220 Trecker sind am Samstagmorgen in den Ganderkeseer Ortskern gefahren. Per WhatsApp war der Auflauf kurzfristig organisiert worden, um Umweltminister Olaf Lies vor dem Rathaus zum Dialog zu stellen.

Die Landwirte suchen das Gespräch mit der Politik, und das gleich zu mehreren Hundert auf einen Streich: So viele Bauern aus Ganderkesee und der Region haben am Samstagmorgen dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies, der sich am Donnerstag zur Übergabe eines Fördermittelbescheids im Ganderkeseer Rathaus angesagt hatte, einen "warmen" Empfang bereitet.

Rund 220 Trecker, so die Schätzung der Polizei, boten im Ortskern einen ungewöhnlichen und beeindruckenden Anblick. Allerdings handelte es sich laut Polizei nicht um eine angemeldete Demonstration. Die wuchtigen Fahrzeuge wurden, so gut es ging, vor dem Rathaus und an den umliegenden Straßen abgestellt, ohne den Verkehr zu blockieren. Es gab, so eine Sprecherin, naturgemäß Verkehrsbehinderungen, die sich aber in Grenzen hielten.

Olaf Lies entschied sich dagegen, durch die Hintertür ins Rathaus zu schlüpfen und stand den Landwirten Rede und Antwort. "Spiel mir das Lied vom Tod", diese vielsagende Melodie erklang zu Beginn der kurzfristig per WhatsApp auf die Beine gestellten Veranstaltung. Die Bauern ließen zwar keinerlei Zweifel aufkommen über ihren angestauten Unmut über diverse politische Entscheidungen, doch blieb der Ton bestimmt, aber weitgehend freundlich. Onno Osterloh vom örtlichen Landvolkverband bedankte sich nach einer Stunde, die Lies mit ihm zusammen im Regen auf einem Anhänger vor der zusammengetrommelten Menge stand, "herzlich" dafür, dass sich der Minister die Zeit für den spontanen Dialog genommen hatte.

Bauern fordern Ehrlichkeit und Verlässlichkeit von der Politik

Tierwohllabel, Düngeverordnung und Klimaschutz sind laut Osterloh die wichtigsten Themen, bei denen die Landwirte der Schuh drückt. "Wir wollen so produzieren, wie die Menschen in unserem Lande sich das wünschen", sagte Osterloh. Dafür brauche es "nur zwei Dinge" seitens der Politik: Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. "Wir Landwirte wollen keine Subventionen, sondern ehrliche Preise für unsere höherwertigen Güter", forderte der Bauernvertreter.

Zustimmung und Widerspruch vom Minister

Lies machte in seiner Antwort deutlich, dass er in vielen Punkten mit den Landwirten "komplett einig" sei. "Wenn die Landwirtschaft Leistungen für die Gesellschaft erbringt, muss sie dafür anständig bezahlt und nicht subventioniert werden oder Ausgleichszahlungen bekommen", sagte der Minister. Hingegen widersprach er der heftigen Kritik der Bauern an der neuen Düngeverordnung. Die sogenannte roten Gebiete mit einer übermäßigen Nitratbelastung seien schon seit zehn Jahren bekannt. Seitdem wäre genügend Zeit gewesen, sich darauf einzustellen. Es seien aber die Landwirtschaftsverbände gewesen, die dafür gesorgt hätten, dass erst 2017 eine neue Düngeverordnung zustandegekommen ist.