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Mega-Messe mit 600 Ausstellern Landtage Nord in Wüsting starten mit kontroverser Debatte

Von Ole Rosenbohm | 23.08.2019, 20:02 Uhr

Die 16. Landtage Nord in Wüsting haben begonnen.

Wenn Autoschlangen ein Zeichen für Publikumserfolg sind, dann sind die 16. Landtage Nord gestern wieder gut gestartet. Vom Andrang gleich zum Start wussten auch Redner im Festzelt zu berichten – um sodann gleich in eine für Eröffnungen selten kontroverse Debatte einzusteigen.

Veranstalter Urban übt heftige Kritik

Den Anfang machte Helmut Urban selbst. So wie die Landwirtschaft von außen behandelt werde, sagte der Veranstalter leidenschaftlich, dürfe eigentlich keiner seiner neun Enkel in seine Fußstapfen treten: Düngeverordnungen würden den Ertragsreichtum der Böden bedrohen, die Tierschutzdebatte sei „zum Heulen“, die „Öffentlich-Rechtlichen hauen nur noch auf die Bauern drauf“, den „Hype um die junge Schwedin kann ich fast nicht mehr hören“. Dabei sei es doch so: „Wir stehen für die Natur und für gutes Essen“, auch wenn die (Dünge)-Konzentration „aus dem Ruder gelaufen“ sei.

Kontra vom Bürgermeister

Hudes Bürgermeister Holger Lebedinzew gab Kontra: „Es ist nicht alles so, wie du es gesagt hast.“ Urbans „schwarze Schafe“ dürften nicht eine generelle Debatte in Klimawandel-Zeiten überlagern, aus der nur gefolgert werden könne: „Ein ,Weiter so’ wird es nicht geben.“ Erforderlich sei aber auch eine Diskussion über Konsum an sich: „Wir geben mehr Geld für Autos und Reisen aus als für Lebensmittel“, sagte Lebedinzew. Ändert sich das, sollten auch die Landwirte profitieren.

Bundestagsabgeordnete Suding als Ehrengast

Ehrengast Katja Suding, Bundestagsabgeordnete und Hamburger Vorsitzende der FDP, warb für eine Ausweitung des Emissionshandels auf die Landwirtschaft sowie für technische Innovationen als Helfer in Umweltschutz und Nahrungsproduktion. „Die Zukunft der Landwirtschaft hat erst begonnen“, sagte Suding, sprach von Robotertechnik oder von Satelliten gesteuerte Maschinen. Dafür allerdings brauche es schnelles Internet an „jeder Milchkanne“.

Viele modernste Maschinen

Beim Rundgang hatte sie viele Gelegenheiten, Innovationen in der Landwirtschaft zu bestaunen – auch selbstfahrende zwischen den gefühlt hunderten modernsten Maschinen. Handarbeit sah sie auch, nämlich bei den deutschen Schafschermeisterschaften – ein Spektakel nahe der Sportart Ringen. Denn bis so ein Schaf sitzt, muss ein Schafscherer kämpfen, erklärte Landtage-Schau-Schafscherer und Meisterschafts-Teilnehmer Hans-Wilhelm Petershagen (Jaderberg). Manchmal vergeblich: „Wenn ein Schaf über 150 Kilo hat, kriege ich es auch nicht mehr hingesetzt.“ Petershagens erste vier Schafe rang er aber früh auf seine neuseeländische Bank. Die Wollqualität dürfte gut gewesen sein – er weiß, was er tut: Mit 69 Jahren ist Peterhagen der Älteste der 95 Männer und Frauen im Feld.

Viele Tiere

Tiere spielen ohnehin eine Rolle bei Urbans Landtagen. Nicht nur im großen Tierschauring. Auch wenn der Veranstalter befürchtet, dass er irgendwann auf sie verzichten muss, wenn das mit den Verordnungen so weitergehe – der Bürokratismus wieder mal, klagte Urban.

600 Aussteller auf der Messe

Noch aber besitzt die „Erlebwas-Messe“ mit seinen 600 Ausstellern auf fast unüberschaubaren 130000 Quadratmetern eine enorme und anziehende Vielfalt – ein Markenzeichen auch für Volker Kasing (65), den „Wanderbäcker“ aus Delmenhorst mit seinen frisch-warmen Zwiebel- und Rosinenbroten: die technischen Geräte neben Kinderbelustigung und Streichelzoo, der sportliche Akzent in den Pferdewettkämpfen neben Messeständen, bei denen „alle diese 99 Dinge angeboten werden, die wir schon haben“, scherzte Kasing.

Noch bis Montag geöffnet

Bis Montag ist das Messe-Gelände von 9 bis 18 Uhr geöffnet, das Festzelt am Samstag mit der Party mit „ffn-Morgenmän Franky“ auch bis in die Nacht.