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Kampf gegen schlechtes Image Sandkruger Landwirte hoffen auf sachlichen und fairen Dialog

Von Thomas Deeken | 02.09.2019, 17:50 Uhr

Landwirte aus Sandkrug und Hatterwüsting in der Gemeinde Hatten beklagen sich über einen unfairen und zum Teil respektlosen Umgang aus Kreisen der Bevölkerung.

Sie suchen den Dialog mit dem Verbraucher, sachlich, transparent, fair und respektvoll. Und sie wollen weiterhin „der nette Bauer von nebenan sein“ - das wurde deutlich, als Mitglieder aus acht landwirtschaftlichen Familienbetrieben aus den Räumen Sandkrug und Hatterwüsting im „Grünen Zentrum“ in Huntlosen über ihr derzeitiges schlechtes Image in der Bevölkerung klagten. Teilweise schwappe den Landwirten sogar aggressive Stimmung entgegen, hieß es bei dem Gespräch, an dem auch Landrat Carsten Harings, Hattens Bürgermeister Christian Pundt, Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands, und Landfrauen teilnahmen.

Frust bei jungen Landwirten

Derzeit werde leider eine Debatte über eine Berufsgruppe geführt, ohne sie mit einzubeziehen, klagte Wolff. Das führe zu Frust – gerade bei dem landwirtschaftlichen Nachwuchs, den Wolff als gut ausgebildet und engagiert beschrieb. Und er betonte auch, dass viele Landwirte in ihrer Existenz bedroht seien.

"Unsoziale Medien" kritisiert

Landrat Harings wies darauf hin, dass Landwirte inzwischen ihre Höfe öffnen würden und zum Dialog bereit seien. Häufig werde dieses Angebot allerdings nicht angenommen. Darüber hinaus kritisierte der Landrat die Diskussionskultur über Facebook und anderen „unzozialen Medien“, wie er sagte. Da gehe es um alles andere als um einen respektvollen Umgang miteinander. Viele hätten anscheinend vergessen, dass es sich hier um Menschen handele, um Familien, die von der Einnahmen aus der Landwirtschaft leben müssten. Darüber hinaus richtete Harings den Appell an den Verbraucher, bereit zu sein, mehr Geld für hochwertige Lebensmittel zu zahlen, wenn er denn andere Haltungsformen wünsche. Das unterstrich auch der Hatter Bürgermeister, der darüber hinaus ebenso wie der Landrat dazu aufrief, mehr miteinander zu diskutieren, statt übereinander zu reden.

"Ohne Landwirte geht es nicht"

Maren Meyer vom Landfrauenverband Weser-Ems wies auf die Arbeitssituation in der Region hin und erklärte, jeder dritte Arbeitsplatz hänge von der Landwirtschaft ab. „Ohne Landwirte geht es nicht“, sagte sie.

Stall für 18.000 Legehennen geplant

Arg in die Kritik der Bevölkerung geraten sind beispielsweise zurzeit die Pläne eines Sandkruger Landwirts gegenüber dem Gewerbegebiet nahe der A29-Abfahrt Sandkrug. Er möchte mit seiner Familie einen Stall für 18.000 Legehennen bauen, damit sein landwirtschaftlicher Betrieb auch künftig existieren könne.

Großprojekt im Landschaftsschutzgebiet

Entstehen soll das Großprojekt im Landschaftsschutzgebiet Mittlere Hunte. Das lehnen jedoch viele Sandkruger wie unter anderem die Initiative gegen eine Massentierhaltung in Sandkrug ab. Sie wollen keine Massentierhaltung, keinen Eingriff ins Landschaftsschutzgebiet und keine Emissionen, zum Beispiel durch Tonnen von Hühnerkot und Lärm durch Federvieh. Bei diesem Thema war es allerdings auch zu einem Dialog mit dem Sandkruger Landwirt, mit Pundt, Wolff und anderen landwirtschaftlichen Experten einerseits und zahlreichen Bürgern andererseits direkt auf dem Bauernhof und an der Stelle gekommen, wo der große Stall entstehen soll. Da wurde informiert und zum Teil heftig kritisiert, aber es blieb vor Ort im Großen und Ganzen sachlich.

Unterschriften werden gesammelt

Die Diskussionen sind allerdings noch längst nicht beendet. Am Wochenende wurde auf einem Stand beim Sandkruger Sandyfest informiert. Und es wurden Unterschriften gegen das Projekt gesammelt.