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Wie geht es weiter mit Organspende? Leistungssportlerin lebt mit fremdem Herz in der Brust

Von Dirk Hamm | 08.09.2019, 15:22 Uhr

Seit 14 Jahren schlägt ein transplantiertes Herz in der Brust der 26-jährigen Chantal Bausch. Bei einer Diskussion zum Thema Organspende in Stenum erzählte sie ihre Geschichte.

Ohne die Transplantationsmedizin hätte diese Veranstaltung eine Teilnehmerin weniger gehabt: Chantal Bausch lebt seit ihrem zwölften Lebensjahr mit einem Spenderherz in der Brust. Am Freitagabend bereicherte die 26-jährige Leistungssportlerin bei Backenköhler in Stenum eine Gesprächsrunde, die über die von der Politik zu beschließende Neuregelung der Organspende informierte und diskutierte.

Den Impuls zu der Veranstaltung hatte das Ehepaar Peter und Wilfried Strunk von der Senioren Union Ganderkesee gegeben. Die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen (CDU) übernahm die Moderation. Rund 80 Zuschauer verfolgten die Diskussion.

Quälende Wartezeit

Eindrucksvoll waren die Schilderungen von Chantal Bausch. Aufgrund eines irreparablen Herzschadens war die heutige Feldhockey-Zweitligaspielerin mit zwölf Jahren von jetzt auf gleich auf eine Organspende angewiesen. Für das junge Mädchen quälend lange dreieinhalb Monate im Krankenhaus später kam die rettende Nachricht, dass ein passendes Spenderherz vorliege. "Große Euphorie und gleichzeitig riesige Angst" habe sie in diesem Augenblick verspürt, berichtete die Studentin der Wirtschaftswissenschaften.

Viel zu wenige Organspenden

So wie Chantal Bausch vor 14 Jahren geht es derzeit rund 10.000 Menschen, die auf der Warteliste für ein benötigtes Spenderorgan stehen. Dem standen im vergangenen Jahr weniger als 2000 Organspenden gegenüber. Diese Zahlen der Deutschen Stiftung Organspende präsentierte Grotelüschen in ihrer Einführung. Erschreckend dabei ist, dass die Zahl der Transplantationen in Deutschland laut der Statistik seit 2010 deutlich gesunken ist. "Deutschland ist in der EU absolutes Schlusslicht bei der Spendenbereitschaft", sagte die Abgeordnete.

Zwei Gesetzentwürfe in der Diskussion

Um die Situation bei diesem buchstäblich lebenswichtigen Thema spürbar zu verbessern, liegen im Bundestag zwei Gesetzentwürfe vor, berichtete Grotelüschen. Während der eine an der bestehenden Freiwilligkeit der Spende festhält, stellt der zweite eine Kehrtwende um 180 Grad dar: Künftig würde es grundsätzlich möglich sein, einem Menschen, bei dem der Gehirntod festgestellt wurde, Organe zu entnehmen, es sei denn, er hat zu Lebzeiten ausdrücklich erklärt, dass er das nicht möchte.

Kritische Minuten im Schockraum

Beiden Entwürfen gemein ist die Schaffung eines zentralen Registers mit Daten von Spendewilligen, das bislang fehlt. Und vor allem in diesem Fehlen einer zentralen Informationsquelle sehen Praktiker wie der Intensivmediziner Dr. Klaus-Peter Hermes vom Klinikum Bremen-Mitte einen großen Schwachpunkt im bisherigen System. Hermes berichtete über die kritische Situation im Schockraum, wo es auf jede Minute ankommt, um etwa Unfallopfern mit schwersten Gehirnschäden ein Organ zu entnehmen. In dieser Situation sei es kaum möglich, den Willen des Patienten mithilfe von Angehörigen zweifelsfrei zu ermitteln.

Dass die Organspende nicht grundsätzlich gegen religiöse Grundsätze verstoße, erklärte der oldenburgische Bischof Thomas Adomeit: "Mein Herrgott hat mich auch lieb, wenn eine Niere oder Leber fehlt, wenn ich vor ihn trete."