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Schnuppertag beim Imkerverein Warum das Hobby rund um die Honigbiene ein Lotteriespiel ist

Von Dirk Hamm | 28.07.2019, 19:08 Uhr

Wie jedes Jahr im Sommer hat der Imkerverein Delmenhorst und Umgebung auf seinem Vereinsgelände in der Gemeinde Ganderkesee wieder tiefe Einblicke in die Imkerei und das Leben der Honigbienen gewährt.

Zahlreiche Besucher nutzten am Sonntag den Schnuppertag rund um das Vereinsheim an der Riehe nahe Hengsterholz, um sich von erfahrenen Mitgliedern in die Geheimnisse des Imkerns einweihen zu lassen.

Hermann Tönjes ist einer der versiertesten unter den Hobbyimkern im Verein. Mehr als 25 Bienenvölker nennt der Havekoster sein Eigen. Die Völker einfach in den Garten stellen und abwarten, damit ist es beileibe nicht getan, erklärt Tönjes: „Du musst Erfahrung haben und zum Beispiel wissen, wenn die Brombeere anfängt zu blühen, dann muss ich mit den Bienen in die Brombeere rein.“

Guter Honigernte folgt schlechtes Jahr

Doch trotz des in vielen Jahren Imkerei angesammelten Erfahrungsschatzes ist der Erfolg nicht so einfach planbar. „Das ist wie Lotto spielen“, sagt Tönjes. Der Vergleich der Honigerträge des aktuellen Jahres mit dem Vorjahr macht das deutlich. Sind zwei Honigernten im Jahr die Norm, so konnte der Havekoster 2018 drei- oder viermal das süße Bienenprodukt ernten: „Ich habe im vergangenen Jahr so viel geschleudert wie selten.“

Ganz anders sieht es trotz der ähnlichen, von Hitze und Trockenheit geprägten Witterungsbedingungen in diesem Jahr aus, berichtet der Imker: „Dieses Jahr ist ein deutlich unterdurchschnittliches Honigjahr.“

Besucher schlüpfen in Schutzanzug

Wie denn nun der Honig aus der Wabe ins Glas kommt, das konnten die zahlreich erschienenen Besucher beim Schnuppertag in der Praxis verfolgen. Wer keine Berührungsängste hatte, durfte sogar in einen Schutzanzug schlüpfen und dem Treiben eines Bienenvolkes ganz aus der Nähe zusehen.

Im Vereinsheim demonstrierte Hermann Tönjes, wie der Honig aus den Waben geschleudert wird. Einige der jüngsten Gäste hatten dabei die besten Plätze, beobachteten das Geschehen auf den Schultern ihrer Väter. Einige Besucher durften selbst Hand anlegen und mit einer Art Kamm die wächsernen Deckel von den Wabenzellen entfernen. Dann wurde die Schleuder befüllt, und schon nach kurzer Zeit floss unten der Honig aus dem Hahn. Abgefüllt in kleine Gläser durften die Besucher den Honig gleich mit nach Hause nehmen.

2020 wieder Lehrgang für Anfänger

Dass das Imkern im Zuge der Diskussion um das Bienensterben seit einiger Zeit in aller Munde sei, sieht der Vereinsvorsitzende Jürgen Stöver mit gemischten Gefühlen. „Jeder will imkern und mit dem einen Volk, das er sich anschafft, die Welt retten.“ Groß sei dann die Enttäuschung, wenn das Volk nach einem Jahr tot ist. „Man muss in der Materie drin sein. Das Imkern ist eine sehr vielfältige Tätigkeit“, betont Stöver.

Wer sich dem ernsthaft widmen möchte, der kann sich dem nächsten Lehrgang für Anfänger anschließen, den der Verein wieder im kommenden Jahr anbietet. Nach zehn Unterrichtseinheiten zu je vier Stunden erwerben die Teilnehmer das „Honigzertifikat des Deutschen Imkerbundes“. Der Imkerverein legt laut Stöver großen Wert darauf, nach der Vermittlung der Grundlagen die frisch gebackenen Imker nicht alleine zu lassen, sondern darauf aufbauend fortzubilden. Erfahrene Imker begleiten die Neulinge dabei als Paten.