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Wegen Unterschlagung vor Gericht Geldfund wird für angeklagten Großenkneter teuer

Von Ole Rosenbohm | 17.07.2019, 13:02 Uhr

Ein 49-jähriger Mann aus Großenkneten hat 350 Euro aus einer gefundenen Geldbörse unterschlagen. Damit hat sich jetzt das Amtsgericht Wildeshausen befasst.

Mal einen richtigen Batzen Geld finden – davon träumen viele. Einen 49-jährigen Mann aus Großenkneten aber kommt so ein Fund teuer zu stehen: Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Unterschlagung angeklagt.

Der Mann wollte in der Volksbank-Filiale in Großenkneten nur etwas Geld und Kontoauszüge ziehen, als er auf dem Drucker das Portemonnaie liegen sah. Die Bilder der Überwachungskamera sollen zeigen: Der 49-Jährige schaute sich erst unsicher um, steckte dann die Geldbörse ein, verließ die Filiale – und kam nur eine Minute später wieder, um das Portemonnaie an dieselbe Stelle zurückzulegen.

Beschuldigter überzeugt Gericht nicht

Allerdings: Die 350 Euro, die sich laut Eigentümer in der Geldbörse befunden haben, waren weg. Und weil niemand sonst etwas aus dem Portemonnaie vor der Kamera herausgenommen hatte, war für die Anklagebehörde klar: Das Geld muss sich der 49-Jährige außerhalb des Gebäudes eingesteckt haben.

Gegen den Strafbefehl – Rückerstattung der 350 Euro plus 400 Euro Strafe plus etwa 75 Euro Gebühren – legte der Finder Einspruch ein, konnte aber vor dem Amtsgericht Wildeshausen keine überzeugende Version vorbringen, die ihn von der angeklagten Unterschlagung befreit hätte. Es nützte ihm auch nichts, dass er zunächst beschwor, kein Geld herausgenommen zu haben, ohnehin stets ein ehrlicher Mensch gewesen zu sein und den Eigentümer sogar kennen würde. Ja, er habe einen Fehler gemacht, als er das Portemonnaie mitnahm, sagte er dann: Er würde auch die 350 Euro zurückgeben, sehe aber nicht ein, schimpfte er, weshalb er auch noch eine Strafe zahlen solle.

Einspruch in letzter Minute zurückgezogen

Die Richterin hatte von Beginn an keine Zweifel geäußert, dass nur der Angeklagte die Scheine genommen haben könnte. Mehrfach riet sie ihm im Prozess, den Strafbefehl lieber anzunehmen, ein Urteil könne schließlich noch teurer für ihn werden. Bis sie damit durchdrang, dauerte es so lange, bis der Staatsanwalt zu seinem Plädoyer ansetzen wollte. Der 49-Jährige zog seinen Einspruch somit erst in letzter Minute zurück. Das Gerichtsverfahren selber kostet ihn noch zusätzlich knapp 50 Euro Gerichtsgebühr.