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Amtsgericht Wildeshausen Hat Dötlinger Cannabis an Minderjährige verkauft?

Von Ole Rosenbohm | 21.05.2019, 17:57 Uhr

Die Reihe der Verfahren beim Amtsgericht Wildeshausen wegen des Handels mit Drogen scheint nicht abzureißen: Gleich zwei Prozesse gegen mutmaßliche Dealer liefen jetzt ab.

Vor einer hohen Strafe wegen diverser Cannabisverkäufe steht ein 33 Jahre alter Mann aus Dötlingen.Das Amtsgericht verurteilte im Anschluss an den ersten Prozesstag des Dötlingers in einem weiteren Verfahren noch einen 32-jährigen aus der Gemeinde Harpstedt.

Dem Dötlinger wurde am ersten Prozesstag von Anklage vorgeworfen, zwei Dutzend Verkäufe von Mai bis Juli 2017 in Wildeshausen vorgenommen zu haben. Das Verfahren ist noch nicht beendet. Schon früh in der Beweisaufnahme war klar, dass das Gericht einen Großteil der angeklagten Taten gegen den 33-Jährigen nicht beweisen kann. So wurden aus 21 Verkäufen an einen heute 21-Jährigen gerade mal zwei Taten – jeweils ein bis drei Gramm hätte er beim Angeklagten gekauft, sagte der 21-Jährige aus. Allerdings: Der Mann war zweifellos ein Dealer. Den Kauf von 80 Gramm Marihuana gab er zu, ebenso darf nach der Zeugenaussage und Sicherstellung von Tütchen, Waage und weiteren 49 Gramm Cannabis als gesichert gelten, dass seine Tür immer offen stand für Kunden. Und einmal, sagte der Zeuge aus, hatte er auch beim Angeklagten „Pep“ Amphetamin, Speed, gekauft.

Anklage wirft Dötlinger Verkäufe an Minderjährige vor

Trotz der nachgewiesenen sehr geringen Menge: Problematisch für den Angeklagten ist, dass ihm auch Verkäufe an Minderjährige vorgeworfen werden, die er auch einräumte. Einer von ihnen verweigerte am Montag wegen eines noch nicht abgeschlossenen Verfahrens die Aussage. Am zweiten Prozesstag, am 6. Juni, soll dann ein weiterer Zeuge auftreten und bis dahin auch nach damaligen Fotos der Unter-18-Jährigen gesucht werden. Denn feststellen will das Gericht, ob der Angeklagte wirklich nicht – wie er beteuerte – wissen konnte, dass seine Kunden zum Zeitpunkt der Verkäufe minderjährig gewesen waren.

Für die Abgabe von Drogen an Minderjährige besteht laut Gesetz eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft. Stellt das Gericht eine Gewerbsmäßigkeit fest, erhöht sich die Mindeststrafe auf zwei Jahre.

Weiteres Verfahren gegen Mann aus Harpstedt

Das Amtsgericht verurteilte im Anschluss an den ersten Prozesstag in einem weiteren Verfahren zudem noch einen 32-jährigen aus der Gemeinde Harpstedt zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis auf Bewährung. Der Mann hatte ebenfalls mit Marihuana gehandelt. In einem Fall war ihm der Verkauf von über 30 Gramm nachgewiesen worden, zudem wurde er im Auto mit 159 Gramm erwischt – die Grenze zur nicht geringen Menge war damit deutlich überstiegen. Der Harpstedter gestand alle ihm vorgeworfenen Taten. Wie der Dötlinger gab er sich als starker Konsument aus, sogar als psychisch abhängig vom Marihuana-Wirkstoff. Inzwischen absolvierte er erfolgreich eine stationäre Therapie. Das Urteil nahm er an.