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Urteils des Jugendgerichts Geldstrafe für Cannabis-Züchter aus Wildeshausen

Von Thomas Breuer | 07.04.2019, 16:59 Uhr

Das Jugendgericht in Wildeshausen hat das Urteil gegen einen Cannabis-Züchter verhängt.

Der junge Mann hatte einen Haufen Cannabis in seiner Wohnung, auch Samen, eine Waage und ein zum Verpacken praktisches Folienschweißgerät – doch verkaufen würde er nicht, beteuerte er standhaft in seiner Gerichtsverhandlung vor dem Jugendgericht in Wildeshausen. Mehr noch: Er würde nicht mal kiffen. Das Schöffengericht durfte Zweifel haben an solchen Aussagen, verurteilte den 20 Jahre alten Wildeshauser nach Jugendrecht aber nur wegen des Besitzes einer nicht geringen Menge verbotener Betäubungsmittel. Strafe: 900 Euro.

Umfangreiche Beweissicherung

Auf die Spur waren die Ermittler dem damals 19-Jährigen vermutlich über Verfahren gegen andere Personen gekommen. Mehrmals versuchte die Polizei, ihn zu erwischen, hielt ihn bei Autofahrten an, nahm ihn auch zu Blutuntersuchungen mit. Einen Hinweis auf Drogenkonsum fand sie aber nicht. Dennoch stand im Oktober die Polizei vor seiner Tür und durchsuchte die Wohnung.

92 Gramm Blüten sichergestellt

Sie fand 92 Gramm Blüten mit einem relativ großen Wirkstoffgehalt sowie 1,6 Kilogramm Pflanzenreste mit einem eher verschwindend geringen THC-Anteil – diese mutmaßlich zur Weiterverarbeitung. Insgesamt überschritt die THC-Menge mit knapp 13 Gramm die bei 7,5 Gramm liegende Grenze zur „nicht geringen Menge“.

Richterin hat ihre Zweifel

Gefängnis oder eine Haft nach Jugendrecht stand für den Heranwachsenden nicht im Raum – trotz der Zweifel an seiner Aussage, die die Richterin zu der Bemerkung hinreißen ließ, sie würde nicht glauben, dass er die Pflanzen zu Dekozwecken gezüchtet habe. Denn für den stärker bestraften gewerbsmäßigen Handel besaßen Staatsanwaltschaft und Gericht immer noch zu wenig Anhaltspunkte.

Angeklagter wirkt gefestigt

Der Angeklagte machte zudem einen gefestigten Eindruck, hat guten Kontakt zu seiner Familie und ist dabei, seine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Ohnehin wurde er gemäß der Einschätzung der Jugendgerichtshilfe nach Jugendrecht verurteilt.

Beim nächsten Mal droht Haft

Mit 21 Jahren – also in naher Zukunft – könne das Jugendrecht aber nicht mehr greifen, machte ihm die Richterin klar: Dann drohe bei einem ähnlichen Vergehen eine Verurteilung nach Erwachsenen-Strafrecht. Für Handel verbotener Betäubungsmittel beginnt der Strafrahmen bei einem Jahr Haft.