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"#MissionInklusion" am 5. Mai ASG schenkt Ganderkeseer Kindergärten Inklusions-Memory

Von Thomas Deeken und Bettina Dogs-Prößler | 02.05.2019, 19:32 Uhr

Ganderkesee/Landkreis oldenburg. Am Sonntag, 5. Mai, ist der Europäische Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Am Samstag gibt es eine Demo in Oldenburg, an der sich auch Bürger aus Delmenhorst und dem Landkreis beteiligen. Und es gab schon jetzt eine Aktion des ASG Ganderkesee. Er schenkte den Kitas ein Inklusions-Memory.

Manchmal geht es nur laut. Mit Trommeln und Rasseln und Pfeifen. Um sich Gehör zu verschaffen und gesehen zu werden. Nicht als Behinderte, sondern als Mensch mit speziellen Bedürfnissen. Am Sonntag, 5. Mai, ist der Europäische Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. In vielen Städten gehen an diesem Tag Menschen mit und ohne Behinderung auf die Straße und demonstrieren für eine bessere Integration in die Gesellschaft. Auch aus dem Landkreis Oldenburg werden Männer und Frauen aus verschiedenen Einrichtungen nach Oldenburg fahren, um sich für ihre Belange Gehör zu verschaffen. Dort findet die Demo allerdings nicht am Sonntag, sondern bereits am Samstag, 10.45 Uhr, ab Bahnhof statt. Einzigartig dabei: Es fährt nicht jeder für sich, sie fahren im Verbund.

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Vom 4. bis 12. Mai veranstaltet die Stadt Oldenburg anlässlich des Europäischen Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen eine Woche der Inklusion. Auftakt ist die Demonstration „Da kann ja jede*r kommen“ am Samstag, 4. Mai. Bis zum 12. Mai gibt es täglich zahlreiche Veranstaltungen für Menschen mit und ohne Behinderungen. Ins Leben gerufen wurde der Protesttag von der Organisation „Aktion Mensch“.

Es gibt allerdings auch Einrichtungen, die nicht nach Oldenburg fahren, aber trotzdem mit einer Aktion an der „#MissionInklusion“ teilnehmen. Dazu gehört beispielsweise der Arbeitskreis der Selbsthilfe- und Initiativgruppen in Ganderkesee (ASG). Der Arbeitskreis beteiligt sich mit einem Inklusions-Memory, kurz: InkluMemo, das er gestern in der Kindertagesstätte „Kleine Wolke“ in Ganderkesee übergeben hat und das alle Kitas in der Gemeinde ebenfalls erhalten sollen.

Inklusions-Memory für alle Kitas in der Gemeinde

Dabei handelt es sich um ein Memory-Aktionsspiel der „Aktion Mensch“ mit insgesamt 20 Karten, von denen jeweils zwei thematisch zusammenpassen, allerdings nicht gleich aussehen. Auf den Karten sind junge Menschen und Erwachsene in Alltagssituationen abgebildet, die zum Beispiel im Rollstuhl sitzen, die sich mittels Gebärdensprache unterhalten oder die kleinwüchsig sind. Außerdem geht es auf den Karten um gleichgeschlechtliche Beziehungen.

„Das InkluMemo unterstützt in der Sprachbildung dabei, die inklusive Gestaltung unserer Lebenswelt mit den Kindern spielerisch aktiv in die Hand zu nehmen“, sagte die ASG-Vorsitzende Sabine Bretzke, die ein großes und ein kleines Kartenset an Kita-Leiterin Silke Schiller überreichte.

Es gilt Brücken zu bauen

Ziel bezüglich der Inklusion müsse es sein, dass sich Menschen ohne Behinderung beteiligen müssten, die Sprache oder Eigenart des Menschen mit Behinderung zu erlernen und sich anzupassen. Es gelte, Brücken zu bauen, um zu lernen, wie er sich dem anderen mitteilen kann, so Sabine Bretzke. Ein Inklusions-Memory könne „beim Brückenbauen helfen, zum Nachdenken anregen und im Falle einer Begegnung Türen öffnen und ein Miteinander entstehen lassen“.

Miteinander ins Gespräch kommen

In der „Kleinen Wolke“ will die Kita-Leiterin gemeinsam mit ihren Sprachförderkräften Melanie Metzen und Andrea Treiber und mit allen Mädchen und Jungen des Kindergartens zu den verschiedenen Inklusionsthemen miteinander ins Gespräch kommen und dabei auch den Wortschatz erweitern. Es gehe am Ende nicht darum, beim InkluMemo die meisten Karten zu bekommen, sondern zu erkennen, welcher Sinn dahinter steckt, ergänzt Rüdiger Laudien vom ASG.

In Netzwerk miteinander verbunden

Im Landkreis Oldenburg leben rund 15 000 Menschen mit Behinderung. In unserer Gesellschaft stehen sie noch immer in vielem außen vor, daran haben auch die UN-Behindertenkonventionen, die vor zehn Jahren in Kraft getreten sind, kaum etwas geändert. Um ihre Interessen besser vertreten zu können, sind sechs Einrichtungen aus dem Landkreis Oldenburg und Delmenhorst seit 2015 in einem Netzwerk miteinander verbunden. „Das ist meines Wissens nach bislang einzigartig“, schildert Rita Rockel, Behindertenbeauftragte für den Landkreis Oldenburg. Bislang hatten die einzelnen Häuser unterschiedlicher Träger, die eigentlich in Konkurrenz zueinander stehen, jeder für sich gekämpft. Bis schließlich auf Anregung von Anke Strömer, Assistentin der Bewohnervertretung der Diakonie Himmelsthür, und der Kreisbehindertenbeauftragten Rita Rockel die Idee entstand, sie alle mit einer Stimme sprechen zu lassen. „Wir haben in puncto Inklusion ja alle ähnliche Ziele. Also haben wir uns zusammengetan, um uns gemeinsam zu positionieren, auch gegenüber den Politikern“, schildert Anke Strömer. Aus den Bewohnervertretungen der größten Häuser im Landkreis und dem benachbarten Delmenhorst entstand schließlich eine übergreifende Interessenvertretung, die sich zum Ziel gemacht hat, gemeinsam auf die Belange von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen.

Viele Gebäude sind nicht rollstuhlgerecht

„Dieses Netzwerk ist wichtig, um voranzukommen“, betont Kreisbehindertenbeauftragte Rita Rockel. Unter anderem fahren Bewohner der sechs beteiligten Einrichtungen – vertreten sind Frauen und Männer der Diakonie Himmelsthür, der Norle, des Wohn- und Ferienhauses Neerstedt, der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg, des Guts Sannum und des Albertushofes – anlässlich des Europäischen Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen zusammen nach Oldenburg, um auf die Missstände hinzuweisen, von denen Behinderte tagtäglich umgeben sind. Am Samstag nehmen sie mit vielen anderen Menschen mit und ohne Behinderungen an der Demonstration teil, die Auftakt einer ganzen Inklusionswoche sein wird.

Oft fehlen Rollstuhl-Toiletten

„In vielen Städten fehlen noch immer Rollstuhl-Toiletten und viele Gebäude sind nicht rollstuhlgerecht“, schildert Bianca Wührdemann vom Wohn- und Ferienhaus Neerstedt. „Dazu fehlen Wohnungen, in die wir einziehen können“, sagt Barbara Nitsch von der Diakonie Himmelsthür. Schilder mit Symbolen statt Worten an öffentlichen Gebäuden, Ampeln mit akustischen Signalen, weniger Stolpersteine auf öffentlichen Straßen und Gehwegen: Das alles seien Schritte zu mehr Teilhabe in der Gesellschaft.

Immer noch reichlich Probleme

Zweimal im Jahr treffen sich die Interessenvertreter, um alle wichtigen Aktionen des Jahres zu planen. Um den Blick der Gesellschaft für die Probleme zu schärfen, die Menschen haben, die in irgendeiner Weise beeinträchtigt sind. Denn Probleme seien noch immer reichlich vorhanden. Anke Strömer: „Die Gesellschaft lässt sich leider nicht darauf ein, dass es Menschen gibt, die kein Abitur machen.“