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Baubeginn in Ganderkesee zieht sich hin Arbeiten an neuer Stromtrasse nehmen Fahrt auf

Von Christopher Bredow | 07.05.2019, 21:36 Uhr

Die Arbeiten an der neuen Höchstspannungsleitung zwischen Ganderkesee und St. Hülfe bei Diepholz gehen in die nächste Phase. Im neuen Bauabschnitt entstehen derzeit 50 Freileitungsmasten für die Stromtrasse. Der Baubeginn der Abschnitte in Ganderkesee zieht sich allerdings noch hin.

Der Bau der neuen Stromtrasse zwischen Ganderkesee und St. Hülfe schreitet voran. Kurz nach Ostern haben die Arbeiten an dem etwa 15 Kilometer langen Bauabschnitt "Freileitung Nord" der insgesamt 60 Kilometer langen 380-Kilovolt-Leitung begonnen. Bis Herbst 2020 sollen auf dieser ausschließlich aus Freileitungen bestehenden Strecke zwischen Prinzhöfte und Colnrade in der Samtgemeinde Harpstedt 50 Strommasten errichtet werden: "Das ist der erste Bauabschnitt, den wir komplett bauen können", erklärte Lars Holze-Lentas, Projektleiter des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, am Dienstag in Winkelsett – etwa die Mitte des aktuellen Bauabschnitts. (Lesen Sie hier: Bäume in Henstedter Heide für Stromtrasse gefallen.)

10.000 Kubikmeter Beton für 50 Masten auf neuer Stromtrasse

Dort entsteht derzeit einer der ersten Strommasten: "Wir haben hier in der vergangenen Woche mit dem Bau des Plattenfundaments begonnen", sagte Gerhard Delf, Projektleiter des ausführenden Unternehmens Europten. Um einen der mehr als 50 Meter hohen Masten aufstellen zu können, sind zahlreiche Vorarbeiten notwendig: Nach den Erdarbeiten – die Grundfläche eines Mastes ist bis zu 160 Quadratmeter groß – werden zwischen 80 und 350 Kubikmeter Beton in das Fundament gegossen. "Das variiert je nach Gewicht des Mastes und der Bodenqualität. Insgesamt werden wir auf dem Bauabschnitt 10.000 Kubikmeter Beton verbauen", erklärte Delf.

Für den Bau eines Plattenfundaments planen die Projektleiter mit etwa 13 Tagen Arbeit. Anschließend folgt der viertägige Zusammenbau eines Mastes, ehe dieser innerhalb von drei Tagen aufgestellt wird. In diesem Rhythmus soll es nun jeweils in Richtung Norden und Süden weitergehen – etwa alle 400 Meter wird ein Freileitungsmast errichtet: "Wir planen, jede Woche einen Mast aufzustellen", so Delf. (Lesen Sie hier: Hier starten in Ganderkesee die Arbeiten an der neuen Stromtrasse.)

47 Kilometer Freileitung: Bau der Stromtrasse war umstritten

Insgesamt teilt sich der Bau der Höchstspannungsleitung, dessen Kosten sich in dreistelliger Millionenhöhe bewegen, in fünf Teilstücke auf. Ein Großteil der Trasse – etwa 47 Kilometer – verläuft über Freileitungen. Die restlichen 13 Kilometer werden als Erdkabel verlegt. Das war das Ergebnis des Planfeststellungsverfahrens der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, das lange Zeit umstritten war. Unter anderem klagten Bürger aus Harpstedt dagegen – sie wünschten sich einen größeren Anteil an Erdkabeln. Das Bundesverwaltungsgericht entsprach diesem Wunsch nicht: "Das Verlegen von Erdkabeln ist das Vier- bis Achtfache teurer als der Bau von Freileitungen. Hier kostet jeder Kilometer etwa 1,5 Millionen Euro", erklärte Tennet-Sprecher Andreas Jaeger dazu. (Lesen Sie hier: Harpstedter enttäuscht über Urteil zu 380-kV-Leitung.)

Das liegt unter anderem an großen Kabelübergangsanlagen (KÜA), die zwischen Erdkabeln und Freileitungen gebaut werden müssen. Davon entstehen auf der neuen Trasse insgesamt vier – zwei davon in Ganderkesee, wo zwei 3,7 und 3,2 Kilometer lange Erdkabel-Abschnitte von 1,5 Kilometern Freileitung unterbrochen werden. Die KÜA sollen in Strudthafe und Havekost entstehen, für die genauen Standorte steht Tennet als Bauherr laut Jaeger aber noch in Verhandlungen. Gleiches gilt für das in Ganderkesee geplante Erdkabel-Informationszentrum: "Dafür haben wir noch keine passende Immobilie gefunden."

Baubeginn der Stromtrasse in Ganderkesee für 2020 geplant

Der Baubeginn der Erdkabelstrecken und damit auch der KÜA in Ganderkesee ist für die zweite Jahreshälfte 2020 geplant. Genau können das die Projektverantwortlichen aber noch nicht sagen: Nach wie vor ringt man mit vielen Eigentümern um die Zustimmung, deren Grundstücke für Voruntersuchungen im Boden betreten zu dürfen. "Wir haben inzwischen zwar schon viele Genehmigungen, einige Eigentümer weigern sich aber noch, dass auf ihren Grundstücken an der Trasse gearbeitet wird“, sagte Jaeger: „Es ist sehr schwer, alle Interessen unter einen Hut zu kriegen." Dennoch sei geplant, dass die Höchstspannungsleitung im Laufe des Jahres 2021 in Betrieb genommen wird.