Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Hochsaison für Kohlfahrten Mausefallen fordern Kohlfahrer heraus

Von Birgit Stamerjohanns | 28.01.2019, 14:05 Uhr

An jedem Wochenende machen sich Hunderte Kohlfans auf den mehr oder weniger weiten Weg zu Grünkohl und Pinkel. Ohne Spiele und Schnaps ist der Spaziergang nur halb so schön. Wir haben zwei Kohlfahrt-Gruppen begleitet.

Die Turnfrauen der Turnerschaft Hoykenkamp haben alles richtig gemacht. Die Uhrzeit für ihre Kohlfahrt – Treffen um 10.30 Uhr – ist zwar eher untypisch. Der Schnaps schmeckt um diese Uhrzeit noch gewöhnungsbedürftig. Dafür freuen sich die 30 Frauen über bestes Wetter für ihr Unternehmen. Es ist knackig kalt und die Sonne scheint. Ein weiterer Vorteil: Noch sind keine anderen Gruppen mit Bollerwagen unterwegs, das bedeutet: Viel Platz auf den Hoykenkamper Bürgersteigen.

Zwischenstopps und Spiele als Kohlfahrt-Tradition

"Die Kohlfahrt hat schon Tradition", sagt Monika Flis, die den Ausflug in diesem Jahr organisiert hat. Seit mehr als 20 Jahren treffen sich die Turnerinnen in jedem Jahr zum Kohlessen. "Das gehört für uns einfach dazu", erklärt Hildburg Kolata, die Übungsleiterin der Sportlerinnen. Was auch dazu gehört: Zwischenstopps und typische Kohlfahrt-Spiele. Daher hat das Organisationsteam den ersten Halt gleich am Hoykenkamper Sportplatz eingeplant. (Lesen Sie hier: Kohlfahrtpreise in Ganderkesee ziehen an.)

Bernd Stellamanns und Klaus Flis haben schon alles für die Frauen vorbereitet: Ein liebevoll gedeckter Tisch mit Schmalzbroten, Brezeln, Keksen und Glühwein steht bereit, schließlich muss eine Grundlage für den weiteren Vormittag her. Aber die erste Herausforderung des Tages wartet ebenfalls, und zwar in Form von Mausefallen. Diese müssen mit einem Tennisball getroffen und damit ausgelöst werden. „Gar nicht so einfach“, lautet die einhellige Meinung der Frauen. Nach dem Intermezzo am Sportplatz geht der Marsch dann richtig los, und rund zwei Stunden später kommt die Truppe am Ziel an: Im Gasthof Menkens gibt es Kohl satt für alle.

Heidkruger legen Rennstrecke zum Kohlessen zurück

Während die Turnerinnen aus Hoykenkamp noch beim Essen sitzen, formieren sich an anderer Stelle bereits Dutzende weitere Gruppen, um zum gemeinsamen Kohlessen zu pilgern. Eine richtige Rennstrecke: der Weg vom Bahnhof Schierbrok zu Backenköhler. Auch wenn mittlerweile alle Gasthöfe der Gegend auf Kohlpartys mit Tanz und Livemusik setzen – mit rund 900 Gästen bei jeder Party ist Backenköhler sozusagen der Kohl-König. Auch eine Nachbarschafts-Clique aus Heidkrug will in diesem Jahr in Stenum feiern. "Die Partys dort sind einfach super organisiert und das Essen schmeckt lecker", weiß Petra Hiller aus Erfahrung. (Lesen Sie hier: Müll und Lärm von Kohlfahrern ärgert Heidkrugerin.)

Bis dahin dauert es allerdings noch – bei Backenköhler geht die Party erst ab 17 Uhr los. Das Essen haben die Heidkruger für 17.30 Uhr geordert. Noch drei Stunden Zeit also, um in Feierlaune zu kommen. Der Bollerwagen jedenfalls ist vielversprechend beladen. Schnaps in unterschiedlichen Farben, Bier, Antialkoholisches, dazu Käsewürfel, Miniwürstchen und Kuchen. Die Heidkruger könnten eine Woche auf Wanderschaft gehen, ohne zu verhungern. "So was kann man unterwegs immer gut essen", sagt Sandra Voigt zwischen zwei Bissen, "und Kohl kann man dann später auch noch essen."

Die Heidkruger sind keine Truppe, die erst einmal zehn Kilometer laufen muss, um in Kohlparty-Stimmung zu kommen. Ihnen reicht der direkte Marsch, der rund zwei Kilometer lang ist. Dafür legt die Gruppe lieber den einen oder anderen Zwischenstopp ein. Ein Schnaps an jeder Ecke muss sein, das ist schließlich eine alte Kohlfahrer-Tradition. Besonders gut kommt in diesem Jahr der pechschwarze Lakritz-Schnaps an. Und auch die Heidkruger mögen Spiele: Den Spaghetti-Klassiker zum Beispiel, bei dem jeweils zwei Leute Spaghetti in Makkaroni einfädeln müssen. "Bildet bitte Paare, aber nicht den eigenen Partner nehmen", ordnet Kohlkönigin Corina Huntemann an. Großen Spaß hat die Truppe auch am Wettlauf mit zusammengeknoteten Beinen, wobei ein Partner nach vorn und einer nach hinten sieht.

Neun Kohlfahrt-Partys bei Backenköhler in Stenum

Pünktlich zu Beginn der Kohlsause kommen die Nachbarn dann bei Backenköhler an – mit Dutzenden anderen Gruppen. Neun Partys finden in dieser Saison in Stenum statt, immer mit Kohl satt, Livemusik und einem DJ. Der heißt seit zwölf Jahren Christian Dörrbeck und kommt aus Rethorn. "Das macht hier riesigen Spaß", sagt Dörrbeck: "Die Leute kommen, um richtig zu feiern, es ist hier immer irgendwie eine Ausnahmesituation." Einen tolleren Job kann sich der Rethorner nicht vorstellen, auch wenn es bei jeder Party harte Momente für ihn gibt: "Marianne Rosenberg und die Band Pur dürfen bei keiner Kohlparty fehlen, und die kann ich echt nicht mehr hören!"