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Schlagstock und Messer verschärfen Urteil Ganderkeseer Drogenhändler muss mehrere Jahre in Haft

Von Ole Rosenbohm | 19.02.2019, 19:48 Uhr

Lange Haft für einen 28-jährigen Ganderkeseer: Am Dienstag verurteilte ihn das Landgericht Oldenburg wegen bewaffneten Handeltreibens mit Cannabis in Tateinheit mit Besitz einer nicht geringer Menge der Droge.

Der Teleskopschlagstock und das Einhandmesser in der Nähe der Pflanzen hatten für den bewaffneten Handel mit Betäubungsmitteln gesorgt, dessen Mindeststrafe laut Gesetz bei fünf Jahren Haft liegt. Mutmaßlich sollten die Waffen potenzielle Angreifer abwehren.

Weil er im Verfahren bestritt, dem Belastungszeugen – einem wegen Cannabishandels verurteilten Dealer – Drogen verkauft zu haben, hatte sein Verteidiger Freispruch für den Handel beantragt. Damit wären die Waffen vom Tisch und eine Bewährungsstrafe möglich gewesen.

Das Gericht glaubte dem Zeugen

Doch das Gericht glaubte dem Zeugen. Er habe umfassend ausgesagt und sogar seinen Kundenstamm offenbart, las die Vorsitzende Richterin Judith Blohm aus dem Urteil vor. Dass er in seinen Schilderungen bei Polizei, Amtsgericht und nun Landgericht seinen wirklichen Verkäufer verschwieg und einfach den 28-Jährigen belastete – wie die Verteidigung vermutete – schloss das Gericht aus: Es bedürfe schon eines ausgesprochen schauspielerisches Talents, in solchen Drucksituationen die Unwahrheit zu sagen, sagte Blohm.

Strittig allerdings war die Anzahl der Käufe. Erst hatte der Zeuge von 24 gesprochen, danach von etwa zehn, wieder von 22 und vor dem Landgericht erneut von deutlich weniger. Das Landgericht urteilte acht Verkäufe ab – sieben zu 100 Gramm, einen zu 250. Das Urteil: eine Haftstrafe von fünf Jahren und die Einziehung eines angenommenen Erlöses von 4750 Euro.

Weitere Argumente der Verteidigung schmetterte die Kammer ab: Der Zeuge, der aussagte, den Belastungszeugen nicht mit dem Angeklagten zusammengebracht zu haben – wie vom Belastungszeugen behauptet – habe die Unwahrheit gesagt, meinte Blohm. Auch die Aussage des geladenen Delmenhorster Amtsrichters, er könne nicht ausschließen, dass sein ehemaliger (verurteilter) Angeklagter – der Belastungszeuge – damals im eigenen Verfahren die Unwahrheit gesagt hatte, wollte das Gericht nicht beanstanden. Der Richter, sagte Blohm, habe das „nicht im juristischen Sinne gemeint“. Er sei ja nicht dabei gewesen.

Die Strafe wäre noch höher ausgefallen, hätte das Gericht im bewaffneten Handel nicht einen minderschweren Fall gesehen, der den Strafrahmen deutlich nach unten verschob. Es würdigte das bisher vorstrafenfreie Leben des Angeklagten und die Tatsache, dass es sich bei Cannabis um eine Weichdroge handelt. Die Länge des Verfahrens habe die Beteiligten belastet, führte Blohm aus und mutmaßte, dass es zum zweiten Fund vielleicht nie gekommen wäre, wenn nach der ersten Durchsuchung ein schnelles Verfahren eine Warnwirkung ausgesandt hätte. Allerdings hätte der Angeklagte aus der ersten Durchsuchung keine Lehren gezogen: „Danach ging es erst richtig los.“