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Neue Ausstellung in Ganderkesee Bestickte Röntgenbilder und Nähgarn auf Olympiafotos

Von Thomas Deeken | 02.04.2019, 17:42 Uhr

Die Oldenburger Kunststickerin Stephanie Ritterhoff stellt ab Freitag, 5. April, im Kulturhaus Müller in Ganderkesee aus. Zur Ausstellung gehört auch ein Begleitprogramm rund ums Sticken.

Beim Sticken denken die meisten an Kreuzstich oder an Omas Tischdecke. Dass es sich dabei auch um Kunst handeln kann, will Stephanie Ritterhoff aus Oldenburg ab Freitag, 5. April, im Ganderkeseer Kulturhaus Müller zeigen. Sie stellt rund 50 kleine und große Werke vor und überrascht dabei den Betrachter. Denn die Künstlerin präsentiert nicht nur den alten Bauernhof an der Wand, den man auch auf dem Flohmarkt findet und der eher an "Sticken nach Zahlen" erinnert, oder ein Rokoko-Motiv, Wollstickerei überarbeitet. Sie zeigt auch den gestickten Stadtplan von Leningrad auf einer Fläche von 113 mal 106 Zentimetern. Und Originelles wie Stickkunst auf alten, ausgedienten Röntgenbildern – auf den Handknochen, der Wirbelsäule und dem Becken.

Eröffnet wird die Ausstellung "Schaut, wie ich das sehe" am Freitag um 19 Uhr. Anschließend sind die Werke bis zum 16. Juni sonntags von 11 bis 17 Uhr und bei Veranstaltungen zu sehen. Darüber hinaus ist das Kulturhaus montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 und meist auch von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Wer nachmittags hin will, sollte sich allerdings vorher unter Telefon (04222) 806542 anmelden. Der Eintritt ist frei.

Mehr Informationen:

Samstag, 11. Mai, 10 bis 12 Uhr: Mütter und Töchter sticken zusammen, Eintritt: 5 Euro. Die Teilnahme ist nur mit Anmeldung möglich.Sonntag, 19. Mai, 15 Uhr: Führung mit Stephanie Ritterhoff.Samstag, 27. April, und Samstag, 25. Mai, jeweils 15 bis 17 Uhr: Kinderführungen zur Ausstellung mit Ute Wessels und Jennifer Gätjen, Eintritt: 2 Euro. Eine Anmeldung ist erbeten.Sonntag, 16. Juni, 15 Uhr: Finissage mit Kunstcafé und Führung, Eintritt mit Getränk und Kuchen: 4 Euro. Die Teilnahme ist nur mit Anmeldung möglich.Weitere Informationen gibt es unter Telefon (04222) 806542.

Stephanie Ritterhoff, 1969 in der Wesermarsch geboren, machte nach Studium und Promotion in historischer Erwachsenenbildung ihr Hobby zum Beruf und wandte sich der künstlerischen Stickerei zu. Sie erlernte den Beruf der Handstickerin und ist seit drei Jahren als Textilkünstlerin freiberuflich tätig. "Mit ihren teilweise ungewöhnlichen, immer aber unkonventionellen Arbeiten möchte Stephanie Ritterhoff das Klischee der klassischen etwas verstaubten Handarbeit aufbrechen", sagt Kulturmanagerin Dr. Wiebke Steinmetz. Ziel ihrer Arbeit sei es, das textile Handwerk als gleichberechtigtes Medium in der Kunst zu etablieren.

Dabei ist die Oldenburgerin teilweise sehr lange mit einem Werk beschäftigt – wie zum Beispiel bei Klimts Chamäleon, sehr aufwendig in schattiertem Perlstich hergestellt. "Alleine für das Chamäleon habe ich 28 Tage gebraucht. Und für den Rest drumherum weitere fünf Wochen", erklärt die Künstlerin. Weniger Zeitaufwand hatte sie dagegen bei ihren Arbeiten mit Baumwolle und Nähgarn auf Fotopapier zum Thema Olympia 1936 – und bei der dreifachen künstlerischen Umgestaltung des Verlobungsfotos ihrer Eltern, zum Teil mit „Seidensmarties“, wie sie sagt.