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Mit Worten direkt ins Herz getroffen Janina Mau gewinnt 4. Poetry Slam in Ganderkesee

Von Jasmin Johannsen | 19.05.2019, 21:16 Uhr

Kurzfristig eingesprungen und schon bis an die Spitze gereimt: Janina Mau, die den Platz des verhinderten Hannes Maß beim 4. Ganderkeseer Poetry Slam einnahm, hat am Samstagabend im Kulturhaus Müller den Dichterwettstreit souverän für sich entschieden.

Mit ihren berührenden Texten über das Verlassenwerden, die nicht vorhandene Gleichberechtigung und das unvermeidbare Altern traf sie die rund 60 Zuschauerinnen und Zuschauer mitten ins Herz. Nach knapp zweieinhalb Stunden Wortkunst durfte die 32-Jährige den Schoko-Pokal mit nach Hause nehmen.

Zuvor hatte sich die Bremer Poetin ein spannendes – wenn auch ungleiches – Finale mit Sebastian Hahn geliefert. Ungleich deshalb, weil der Paderborner, anders als Mau, den Humor ins Zentrum seiner Dichtkunst stellte.

Mit seinem ersten Beitrag, der vielsagend „Und denkt ans Kaloriendefizit“ hieß, machte Hahn gleich mal klar: Laufen geht er aus ästhetischen Gründen nur bei Nacht. „Dann sind sowieso nur andere Erst-Jogger oder Triebtäter im Wald unterwegs.“ Und wenn er mit hochrotem Kopf durchs Gehölz sprintet, dann vertraue er einfach darauf, dass diese ihn in Ruhe lassen.

Für viele Lacher sorgte auch sein zweites Gedicht über einen ermüdeten EU-Hotline-Mitarbeiter, der sich mit den Trumps dieser Welt herumschlagen muss. Am Applaus war es zu merken: Da stand ein echter Publikumsliebling auf der Bühne.

Nach zwei Runden hatte die Jury – fünf zufällig ausgewählte Zuschauer – ihre abschließende Wertung vergeben. Mau und Hahn trennte nur noch ein Punkt voneinander. Knapp auf sie folgten die anderen drei Poetry-Slammer des Abends: Marten de Wall aus Hamburg, die Hannoveranerin Tanja Schwarz und Gerrit Wilanek aus Hameln. Die fünf Konkurrenten – allesamt als echte Profis in der Szene bekannt – mussten sich nur an drei einfache Regeln halten. „Die Texte müssen selbst geschrieben sein, es dürfen keine Requisiten benutzt werden und es gibt – anders als sonst – kein Zeitlimit“, erklärte Sebastian Butte, der zusammen mit Simeon Buß den Poetry Slam moderierte.

Die perfekten Rahmenbedingungen für einen überaus gelungenen Abend, wie sich schnell zeigte. Die Worte sprudelten nur so aus den Poetinnen und Poeten heraus. Mal neckend ironisch, dann wieder bissig und schwarzhumorig witzelten sich vor allem die Männer durch den Abend.

Die beiden Dichterinnen Mau und Schwarz schlugen da ernstere Töne an. Politisch, kritisch, ja zum Teil sogar verachtend ließen sie ihrer Wut über weibliche Körperoptimierung, Schönheitsideale oder Genitalverstümmelung freien Lauf. Leise flüsternd, dann wieder laut singend zog vor allem Mau das Publikum in ihren Bann. „Ich habe geträumt, ich sei alt…“, begann die Bremerin ihren finalen Vortrag. Kurz darauf die Einsicht: „Das war kein Traum, ich bin alt. Ich habe Dinge und Menschen gehen und vorbeiziehen lassen.“

Damit konnte sich augenscheinlich wohl jede und jeder im Raum identifizieren. Dementsprechend viel Applaus gab es für Janina Mau, die sich damit selbst gegen Sebastian Hahn und seine „Ode an wortkarge Nordlichter“ behaupten konnte.

Vielleicht begegnet dem Publikum der eine oder andere Wortakrobat beim 5. Ganderkeseer Poetry Slam wieder. Denn der findet nämlich am Freitag, 22. November, im Kulturhaus Müller statt.