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Förster hofft auf mehr Regen Wie der Klimawandel die Wälder in Mitleidenschaft zieht

Von Dirk Hamm | 25.05.2019, 12:10 Uhr

Die extreme Trockenheit des Sommers 2018 hat ihre Spuren in den Wäldern hinterlassen. Besonders die Fichte hat zu leiden.

„Das vergangene Jahr hat auch den Waldbesitzern in unserer Region massive Probleme bereitet.“ Dieses Fazit hat Günter Westermann am Donnerstag auf der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Oldenburg-Delmenhorst gezogen. Heftige Stürme 2017/18, der extrem trockene Sommer im vergangenen Jahr und dann auch noch die darauf folgende Borkenkäferplage haben den Wäldern schwere Schäden zugefügt. Der Klimawandel macht sich auch hier zunehmend bemerkbar.

Fichtenbestand muss reduziert werden

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Forstwirtschaft: Die Waldbesitzer mit hohem Anteil an Fichten, die besonders von den Klimaveränderungen betroffen sind, müssen den Bestand dieses Nadelholzes drastisch reduzieren, erklärt Hubert Brüning. Der Bezirksförster der Landwirtschaftskammer Niedersachsen betreut den Privat- und Kommunalwald in den Gemeinden Ganderkesee, Hude, Hatten und Dötlingen. Am Donnerstagabend lud er die Teilnehmer der Forstbetriebsgemeinschaft vor ihrer Jahreshauptversammlung, die in der Gaststätte Mehrings in Hurrel anberaumt war, zur Besichtigung der Forstflächen der Familie von Witzleben ein. Der Spaziergang durch das Reiherholz stand ganz unter dem Thema „Waldumbau im Zeichen des Klimawandels“.

Schlecht gegen Trockenheit gewappnet

Rund 80 Hektar werden im Reiherholz von der Gutsverwaltung von Witzleben bewirtschaftet. Der Baumbestand setzt sich zu etwa 70 Prozent aus Nadelhölzern zusammen, dominierende Baumart ist die Fichte. Also der Nadelbaum, der ausgesprochen schlecht gegen mangelnde Feuchte gewappnet und bei großer Trockenheit dem Befall durch Borkenkäfer ausgesetzt ist. Durch ihr flaches Wurzelwerk ist die Fichte außerdem bei Stürmen im besonderen Maße gefährdet.

"Es regnet immer noch zu wenig"

Nicht nur der Hitzesommer 2018 bereitet dem Bezirksförster Sorgen: „Es regnet immer noch zu wenig.“ Im vergangenen Jahr seien die tieferen Bodenschichten ausgetrocknet: „Wenn Sie mit dem Spaten graben, stoßen Sie ab etwa 30 Zentimetern auf Mullsand.“ Damit die Böden richtig durchgefeuchtet werden, müssten 200 Liter Regen pro Quadratmeter in den kommenden Monaten fallen, schätzt Brüning. Mit leichtem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Am besten wäre es, wenn im Juli die Freibäder schließen müssten wegen kühl-nasser Witterung. Für den Wald wäre das perfekt.“ Das wäre auch gerade deshalb so wichtig, damit sich der Borkenkäfer nicht weiter vermehrt.

Douglasien ersetzen Fichten

Die forstwirtschaftliche Konsequenz aus der schädlichen Klimaentwicklung ist für Hubert Brüning ganz klar: „Wir müssen von Feuchte liebenden Baumarten wie der Fichte und Lärche Abschied nehmen und auf Kiefern und Douglasien umsteigen, die die Trockenheit besser vertragen.“ Circa 200 vom Borkenkäfer befallene Fichten sind bislang geschlagen worden. Auf der so entstandenen Kahlfläche von 0,3 Hektar sollen im nächsten Frühjahr Douglasien gepflanzt werden. Aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus solle aber der Waldumbau nach Möglichkeit in gemäßigtem Tempo voranschreiten, erklärt Brüning: „Wir hoffen, dass wir mit dem Einschlagen so lange warten können, bis die Stämme dick sind, damit sie vermarktet werden können.“ Ein weiterer trockener Sommer samt Borkenkäfer-Vermehrung könnte dem jedoch einen Strich durch die Rechnung machen, befürchtet der Förster.