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Nutria im Landkreis Oldenburg Landkreis Oldenburg hat fruchtbaren Buddler im Visier

Von Reiner Haase | 27.05.2019, 20:19 Uhr

Nutrias machen sich rasant an Gewässern im Landkreis Oldenburg breit. Experten befürchten Auswirkungen aufs ökologische Gleichgewicht und den Hochwasserschutz. Im Umweltausschuss des Kreistags steht jetzt die Nutriajagd zur Debatte.

Mancher findet die Nutria wegen der Knopfaugen possierlich. Anderen sieht sie zu sehr nach Ratte aus; sie trägt auch den Namen Biberratte. Deichverbänden und Naturschützern ist sie ein Graus, weil Nutrias als bis zu 14 Kilogramm schwere Buddler großer Bauten von Gewässerrändern aus den Hochwasserschutz untergraben und als vitale Neulinge das ökologische Gleichgewicht durcheinander bringen. Die Weibachen bringen zwei- bis dreimal pro Jahr sechs bis acht Jungtiere zur Welt, die nach fünf Monaten geschlechtsreif sind. Auch die Landwirtschaft leidet: "Es ist schon vorgekommen, dass Trecker plötzlich wegsacken und in die Gräben kippen", berichtet Heiko Fritz von der Landwirtschaftskammer NIedersachsen.

Eifrige Deichbohrer

Nutrias breiten sich im Landkreis Oldenburg zügig aus. Betroffen ist vor allem der von Gräben, Kanälen, Bächen und Flüssen durchzogene nördliche Bereich des Landkreises, die Gemeinde Wardenburg zum Beispiel, wo die Hunte und die Lethe mit Gräben und Kanälen ein dichtes Gewässernetz bilden. Laut Jagdbehörde im Kreishaus ist die Zahl der zur Strecke gebrachten Nutrias innerhalb von drei Jahren von Null auf 350 Tiere angewachsen. In Wüsting im Nordwesten der Gemeinde Hude sind laut Hegeringleiter Hans-Christ Herzer bereits 50 bis 70 Nutrias erlegt worden. Arnd Fischer vom Hegering Ganderkesee berichtet von einigen Fängen im Bereich der Welse. Den Nachbarn geht es nicht besser: Der Ochtumverband hat im letzten Jahr 10.000 Euro in die Reparatur eines unterhöhlten Deiches in Hasbergen nördlich von Delmenhorst investiert. Dirk Vorlauf, Chef der CDU-Fraktion im Kreistag, erinnert an eine Überschwemmung in Oldenburg, die Nutrias angelastet wird.

Fallenstellen im Verbund

Kreisjägermeister Friedrich Hollmann, Dötlingen, und der Wardenburger Enno Kuhlmann von der Hunte-Wasseracht haben sich an die Fersen der Nutria geheftet. Am Dienstag, 28. Mai, berichten sie ab 17 Uhr im Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss des Kreistags über die Nutriajagd aus Sicht der Jägerschaft und der Wasser- und Bodenverbände. Klar ist, dass die Nutrias mit Lebendfallen zu bejagen sind, denn auch andere Tiere wie die streng geschützten Biber und Fischotter können in die Fallen tappen. Laut Kreisverwaltung sind preiswerte übliche Drahtfallen nicht geeignet. Sie stellt im Fachausschuss ein Finanzierungsmodell vor, das der Landkreis mit der Hunte-Wasseracht zwecks Unterstützung der Jägerschaft ausgearbeitet hat.

Millioneninvest gefährdet

Parallel zur Kreisverwaltung hat auch die CDU-Kreistagsfraktion die Einladung Kuhlmanns ins Spiel gebracht. Fraktionschef Vorlauf erinnert an die Millionen, die nach den Überschwemmungen Ende der 1980-er Jahre in den Hochwasserschutz an der Hunte investiert worden sind. Die CDU will das Thema erörtern, bevor über Natur- und Landschaftsschutz an der Lethe von den Ahlhorner Fischteichen bis zur Grenze nach Oldenburg befunden wird.

Aus der Farm in die Natur

Nutrias stammen ursprünglich aus Südamerika. In vergangenen Jahrzehnten lebten die importierten Tiere in Europa vor allem in Zuchtfarmen; der Nutria als Pelzjäckchen war schwer in Mode. Mit dem Verpönen des Tierpelzes und dem Siegeszug des Webpelzes brach die Nutriazucht zusammen. Nicht selten soll einfach die Stalltür geöffnet worden sein.