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"Kiek in't Land"-Radtour der Landwirtschaft So arbeiten Genossenschaft und Bauern in Ganderkesee zusammen

Von Thomas Deeken | 27.07.2019, 12:17 Uhr

Die Raiffeisen-Warengenossenschaft in Ganderkesee und der Hof von Rainer Bücking liegen an der "Kiek in't Land"-Fahrradroute der Landwirtschaft. Teil vier der Serie.

„Wir verstehen uns als Ansprechpartner für Landwirte in der Region für die Region.“ Das betont Hugo Lohmann, Geschäftsführer der Raiffeisen-Warengenossenschaft (RWG) Hunte-Weser, der sich zusätzlich zu einer Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben am „Kiek in’t Land“-Projekt in der Gemeinde Ganderkesee beteiligt. Vor dem Raiffeisen-Markt an der Westtangente 10, wo vor zwei Jahren während des Bauernmarktes die „Kiek in’t Land“-Radtour der Landwirtschaft startete, wirbt die RWG auf ihrer großen Hinweistafel mit „Gemeinsam zum Erfolg. Ein Standort der Raiffeisenwarengenossenschaft Hunte-Weser ist immer in Ihrer Nähe“.

Schnell mal Kaninchenfutter, Rasensamen, einen Spaten oder ein paar Stauden fürs Beet holen – dafür ist der Raiffeisenmarkt als ein Bereich der RWG bekannt. Die rund 180 Mitarbeiter an den Standorten von Oldenburg-Osternburg über Wüsting bis Wildeshausen übernehmen aber auch viele andere Dienste für die Bauern, von denen mehr als 900 auch Eigentümer der Genossenschaft sind. „Wir bringen beispielsweise Futter zu den Landwirten, vermarkten ihr Getreide und liefern unter anderem Betriebsmittel, Pflanzendünger und Saatgut. Das ist das klassische Geschäft“, informiert Lohmann. Außerdem gehört ein Technikzentrum in Neuenkoop in der südlichen Wesermarsch zur RWG, in dem es rund um das Thema Landtechnik geht – von der Wartung und der Reparatur von Schleppern und Erntegeräten über Reifenservice bis hin zum Thema Klimaanlagen.

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In einer Serie sollen die einzelnen Stationen der „Kiek in’t Land“-Fahrradroute in dieser Region vorgestellt werden. In jedem Serienteil werden zwei bis vier Haltepunkte beschrieben. Wer die Tour erradeln möchte, sollte daran denken, dass das Betreten der Betriebe nur nach Absprache mit den Landwirten möglich ist. Bei Gästeführern oder dem Kreislandvolkverband lassen sich auch Führungen buchen. Weitere Infos gibt es unter www.kiekintland.de.

Viertes RWG-Standbein ist laut Lohmann „die spezielle Nische Hofinnenwirtschaft“. In diesem Bereich wird Landwirten rund um die Themen Melk- und Kühltechnik, Stalleinrichtung, Tierpflege und Fütterungstechnik geholfen. „Außerdem sind wir stark im Wassermanagement“, erklärt der RWG-Geschäftsführer und meint damit den kompletten Bereich vom Brunnenbau über die Wasseraufbereitung bis hin zur Viehtränke.

Zu den zahlreichen Kunden der RWG gehört auch der Ganderkeseer Rainer Bücking, der am Fahrener Weg an seinem Getreidefeld, das in Kürze abgeerntet werden soll, ein „Kiek in’t Land“-Schild aufgestellt hat. Darauf informiert er über Anbauvielfalt, Flächenverteilung, Nachhaltigkeit, Flächenverlust sowie den Zusammenhang von Landwirtschaft und Naturschutz. Der 56-Jährige kommt mit der RWG regelmäßig ins Geschäft, wenn es beispielsweise um den Verkauf von Roggen und Gerste und den Ankauf von Mischfutter für seine Schweine- und Bullenmast geht. Ist Bücking, dessen Vorfahren den Hof schon seit dem 17. Jahrhundert bewirtschaften, nicht gerade bei den 150 Bullen und bei den 900 Schweinen, die in diesen Tagen eine ganz besondere Abkühlung brauchen, ist er unterwegs auf den etwa 120 Hektar großen Feldern. Dabei kommt er auch regelmäßig mit Walkern oder Radfahrern ins Gespräch, informiert darüber, was da eigentlich geerntet wird und wie ein Mähdrescher funktioniert. Und er beantwortet auch gerne, wie er sagt, kritische Fragen zu Themen wie Gülle oder Tierhaltung. Einblick in seine Ställe könne er allerdings nicht gewähren – „wegen der Hygieneverordnung“, so der Landwirt, der es gewohnt ist, über landwirtschaftliche Themen zu diskutieren. Schließlich gehörte er viele Jahre zum geschäftsführenden Vorstand des Kreislandvolkverbands. Und dieser Posten hatte auch viel mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun.

Dabei ging es unter anderem auch um Blühwiesen, die er selbst immer wieder angelegt hat und nach wie vor anlegt. Und weil er eigenen Angaben zufolge selbst davon überzeugt ist, dass viel für Insekten getan werden muss, ist er mit gutem Beispiel vorangegangen: Er arbeitet nicht nur mit Hobbyimker Andriy Wornart aus Delmenhorst zusammen und gibt einem Teil seiner Bienenvölker auf dem Bücking-Hof ein neues Zuhause. Dank naturbelassenen Unkrautecken, verrottetem Altholz, einem riesigen Reetdach als übergroßes Insektenhotel und anderen Maßnahmen auf der Hofstelle hat Bücking das Siegel „Bienenfreundlicher Landwirt 2019“ erhalten.

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