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Internationaler Museumstag In Hude Spaziergang zwischen gewaltigen Ruinen

Von Ole Rosenbohm | 20.05.2019, 11:38 Uhr

Rudolf Genz schließt das Schloss auf, rückt den Bauzaun zur Seite – dann ist der Weg frei zum Kloster Hude, den gewaltigen Ruinen des ehemaligen Zisterzienserklosters.

Seit einiger Zeit ist das Gelände nicht mehr offen zugänglich, betreten werden kann es aber in Begleitung von einem Mitglied der „Freunde des Klosters“ wie Genz, dem 2. Vorsitzenden des Vereins. So auch am Sonntag, am Internationalen Museumstag.

Eintauchen in die Welt der Zisterzienser

So dürfen bei dieser Führung rund 30 Menschen eintauchen in die Welt der Zisterzienser-Mönche, die damals in den zwei Jahrhunderten bis zur Kloster-Aufgabe 1536 zwischen 3 und 4 Uhr ihre erste Messe abhielten und die Zeit zwischen den weiteren Gebeten hauptsächlich mit Arbeit ausgefüllten: „ora et labora“, bete und arbeite, die alte Ordensregel. Wo einst der Chor stand, ist nur noch eine Art Turm erhalten. Genz zeigt den Löwen an der Wand – angeblich angebracht, um böse Geister abzuschrecken. Das Gemäuer wirkt extrem schief, ein erst gerade angelegtes Fundament wird es aber auch künftig in Balance halten, sagt Genz. Der nächste Halt dann mitten in der Kirche. 60 Meter war die dreischiffige Basilika einst lang. An einer Stelle ist etwas Boden zu sehen – rund zwei Meter unter der Wiese mit den vielen Gänseblümchen, die das Bild ebenso prägen wie die gewaltigen Ziegelsteingemäuer.

Bald 800 Jahre sind die Steine alt, Restraurationen gehören da für Denkmalschutz und Kloster-Freunde, die sich Erhalt und der Geschichtsvermittlung verschriebenen haben, zum täglichen Geschäft. Die nächste soll 1,5 Millionen Euro kosten, möglicher Beginn am Ende des Jahres. Unter anderem werden dann Steine ausgetauscht. Eine Puzzlearbeit mit dem im 13. Jahrhundert verwendeten Muschelkalk. Mit dem sich Zement übrigens nicht vertragen würde, lernen die Besucher.

Eine kurze Führung mit dem Ende im benachbarten Museum der Klosterfreude. „Beeindruckend“, findet Besucher Arndt Meyer-Vosgeraus aus Oldenburg. Das letzte Mal sei er als Schulkind hier gewesen, „obwohl es so dicht ist“. Jahrzehnte später nennt er die Stätte ein Stück Kulturhistorie. „Erstaunlich, was damals baulich möglich war.“ Eingebettet in die Parklandschaft des Eigentümers mit Restaurant und Wassermühle sei das ein ziemlich lohnendes Ausflugsziel.

Das Museum hat an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 15 bis 17 Uhr geöffnet. In dieser Zeit sind auch Begehungen möglich. Längere Führungen über das ganze Gelände müssen angemeldet werden und kosten pro Person sechs Euro. Anmeldungen für die Führungen sind unter (0 152) 36 24 62 53 möglich. Schon ab 11 Uhr ist das Museum am Pfingstmontag, dem „Deutschen Mühlentag“, geöffnet, an dem sich auch die Kloster-Freunde beteiligen.