Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

3800 Haushalte profitieren im Landkreis Oldenburg Schrittweise erreicht das schnelle Internet die Häuser

Von Ole Rosenbohm | 21.01.2019, 20:12 Uhr

Schrittweise erreicht das schnelle Internet die Häuser im Landkreis Oldenburg.

Durch ein von EU, Bund und Land gefördertes Ausbauprojekt werden in diesem Jahr 3800 Haushalte und 225 Unternehmen schneller surfen können, verspricht die für die Tiefbauarbeiten verantwortliche EWE. So schnell das Internet mal werden soll, so langsam schreitet der Ausbau eines zukunftsfähigen Breitbandnetzes voran. Beispiel Landkreis Oldenburg: Gespräche für ein Ausbauprojekt fanden 2014 statt, Anfang 2016 wurden die Mittel genehmigt, Ende 2016 erhielt EWE den Auftrag zur Umsetzung, aber erst nach drei Jahren werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Viel zu lang, um das vernünftig zu erklären, findet Landrat Carsten Harings. Nichtsdestotrotz: Seit eineinhalb Jahren befindet sich der Landkreis bereits im nächsten Ausbauverfahren. Da würden noch Antworten des Landes ausstehen, sagte Harings. Der Bund habe seine Förderung zugesagt.

Vor den Kabelmonteuren kommen die Bombenentschärfer

Aber immerhin werden in diesem Jahr 3800 Haushalte und 225 Unternehmen in 108 bislang „unterversorgten“ Projektgebieten Glasfaserkabel bis ans Haus (in 20 Gebieten) oder die beschleunigende Zusatztechnologie „Vectoring“ erhalten (in 88 Gebieten). Auch Letztere dürfen sich auf mindestens 50 Mbit/s Übertragungsgeschwindigkeit einstellen, in den meisten Fällen eine Verdreifachung der Leistung. Bis Ende September soll umgestellt werden, sagt der Versorger EWE. Ein paar Stunden werde das pro Haushalt dauern. Alle würden informiert werden. Als einziges Gebiet wird wohl nur der Ahlhorner Flughafen nachziehen müssen – dort müssen vor den Grabungen erst Bombenentschärfer übers Gelände.

Das Beispiel Ahlhorn zeigt: Nicht an jeder Stelle sind die komplizierten Vergabeverfahren schuld, wurde am Montag in Neerstedt im Rathaus der Gemeinde Dötlingen deutlich, bei dem die EWE mit Bürgermeistern und Bundestags- sowie Landtagsabgeordneten aus der Region den Stand im nun fast abgeschlossenen Ausbauprojekt vorstellte. So sei es angesichts des anhaltenden Baubooms viel schwieriger geworden, sagte Hendrik Lüürs von EWE Netz, Firmen für die Erdarbeiten zu finden.

Zwölf Wochen, bis die Handwerker anrücken

Zwölf Wochen dauere es aktuell, eine Baufirma auf die Straße zu bekommen. Und wenn die kommt, ist es auch noch rund 30, 40 Prozent teurer als vor dem Boom. Dennoch seien in 86 von 108 Projektgebieten die Tiefbauarbeiten beendet, in weiteren 22 würden die Arbeiten in diesem Jahr durchgeführt, sagt EWE-Projektleiter Daniel Böttcher. Rund 145 Kilometer ist das neue Verteilnetz lang. Noch im ersten Quartal dieses Jahres würden die ersten Standorte freigeschaltet – übrigens auch für Kunden anderer Anbieter. „Wann genau, können wir allerdings noch nicht sagen“, sagt Böttcher.

Das noch zu bewilligende zweite Projekt, auf das sich EWE auch beworben hat, soll deutlich mehr auf Glasfaser setzen. Beim aktuellen kommen gerade 150 Haushalte in den Genuss der modernen Leitung bis zum Haus. Es ist die Technologie der Zukunft, sagen die Experten, wenn auch eine deutlich teurere. So könne Glasfaser sicher auch eine angenommene Verdoppelung des Datenvolumes alle zwei Jahre verkraften. „Wir wissen nicht, was in 200 Jahren sein wird, aber für die nächsten 50 Jahre wären wir mit Glasfaser gerüstet“, sagte Lüürs. Zehn Prozent der Haushalte im Landkreis sollen jetzt schon einen Anschluss haben – in den Ortskernen, nicht draußen an der oft zitierten „letzten Milchkanne“. In Ganderkesee, Wildeshausen oder Dötlingen will EWE auch mit eigenen Mitteln bis 2025 alle Haushalte angeschlossen haben. Die „Milchkannen“ sollen mit Fördermitteln erreicht werden.