Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Bombensuche in Hude Mit Medizintechnik auf Suche nach Sprengkörpern in Hude

Von Reiner Haase | 19.08.2019, 20:16 Uhr

In Hude-Hemmelsberg ist eine neuerliche Bombensuche angelaufen. Die Bremer Straße samt Nebenanlagen wird im Bereich des Fuhrenkamps akribisch untersucht. Dabei wird neuartige Magnetresonanztechnik eingesetzt.

Das Erdreich bebt, die Erde zittert, der Knall ist bis Oldenburg zu hören: Die Bombensprengung in Hude-Hemmelsberg vor gut zwei Wochen hat die Betroffenen den Atem anhalten lassen und zeitigt nun Langzeitwirkung. Die Bremer Straße, ehemals Bundesstraße 75, wird im Bereich des Hemmelsberger Fuhrenkamps akribisch nach weiteren Sprengkörpern untersucht. „Es wird neu entwickelte Technik eingesetzt, die der Magnetresonantomografie ähnelt. Was in der Medizin so erfolgreich angewendet wird, weckt Hoffnung: Wenn noch etwas im Boden liegt, dann wird es auch gefunden“, ist Hudes Bürgermeister Holger Lebedinzew überzeugt. „Die Experten sagen uns, dass keine akute Gefahr besteht“, betont der Bürgermeister. „Was wir jetzt in Auftrag gegeben haben, ist reine Daseinsvorsorge“, ergänzt seine Mitarbeiterin Ramona Dahms.

300-Kilo-Bombe gesprengt

Bombenfund bei Baggerarbeiten: Am Donnerstag, 1. August, war es wie vor neun Jahren. Damals waren im Bereich Hemmelsberger Fuhrenkamp zwei Sprengkörper, 100 und 200 Kilogramm schwer, entdeckt und beseitigt worden. Dieses Mal handelte es sich um ein noch schwereres Kaliber: Die Torpedomine barg laut Kampfmittelbeseitigungsdienst Hannover 300 Kilogramm Sprengstoff.

Sprengfalle vergraben

„Ich bin in den letzten Wochen zur Sprengkörperexpertin geworden“, wundert sich Rathaus-Mitarbeiterin Dahms über sich selbst. Torpedos würden eigentlich im Kampf auf See eingesetzt. Deutsche Soldaten hätten sie kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs an der Straße durch den Hemmelsberger Fuhrenkamp als Sprengfallen vergraben. „Die Deutschen waren auf der Flucht vor sich selber. Sie wollten das Nachrücken gegnerischer Truppen verhindern“, sagt der Bürgermeister.

MRT-Technik hilft

Vor neun Jahren war erfolglos nach weiteren Sprengkörpern gesucht worden. „Der Sprengstoff steckt in einem Mantel aus Aluminium. Das macht das Aufspüren mit herkömmlichem Gerät schwer“, weiß Dahms inzwischen. Die Firma KMB Kampfmittelbergung aus Magdeburg durchleuchte das Erdreich mit elektromagnetischen Feldern, wie es der Magnetresonanztomograf in der Humanmedizin mache. „Es wird auch Nichteisen-Metall gefunden“, so Dahms, „also auch Sprengstoff unter Aluminium.“

Nadelöhr im Wald

„Da muss noch viel mehr liegen“: So zitiert Bürgermeister Lebedinzew alte Anwohner, auch Senioren der Freiwilligen Feuerwehr Altmoorhausen. „Sie berichten, dass vollgepackte Wagen in den Fuhrenkamp gebracht worden sind“, so Lebedinzew, „aber man muss Vorsicht walten lassen. Das sind Augenzeugenberichte der Kinder von damals.“ Die neuerliche akribische Untersuchung fuße aber auch auf Einschätzungen der Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Eine wichtige Straße, ein Nadelöhr in einem moorigen Waldgebiet sei typisch für eine Sprengfalle.

Akribische Suche

Der Einsatzort gleicht einer Wanderbaustelle mit Sperrung einer Fahrbahn in einem kurzen Abschnitt. Abgesichert von Fahrzeugen und Mitarbeitern der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, lassen die KMD-Fachleute ihr neuartiges, auf vier Räder gebautes Gerät in 50-Meter-Abschnitten über die Bremer Straße gleiten. „Das dauert mindestens zwei Tage. Gründlichkeit geht uns eindeutig vor Schnelligkeit“, betont Dahms. Bildlich erfasst wird alles, was bis zu zweieinhalb Metern tief im Erdreich ruht. Durchleuchtet wird nicht nur der Straßenkörper, sondern auch der Seitenstreifen, der Radweg und die Parkstreifen an der Straße durch den Hemmelsberger Fuhrenkamp. „Das sind 1500 Meter hin und noch einmal 1500 Meter zurück“, erklärt Dahms.

Zahlmeister wird noch ermittelt

Die Gemeinde Hude hat der Kampfmittelsuchfirma den Auftrag zügig nach dem jüngsten Fund vor gut zwei Wochen erteilt. Das heiße nicht, dass Hude auch die Rechnung begleiche, erläutert der Bürgermeister. Die Bundesrepublik als Nachfolgerin des Deutschen Reichs kommt genauso in Frage wie das Land Niedersachsen als Straßenbaulastträger. „Wir sitzen alle an einem Tisch“, betont Lebedinzew, „auch der Eigentümer des Grundstücks, der die Baggerarbeiten in Auftrag gegeben hat, bei denen jetzt die dritte Torpedomine gefunden worden ist.“