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Höchstspannungsleitung genehmigt Verlauf der 380-kV-Leitung durch Ganderkesee enttäuscht Verwaltung

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 06.04.2016, 20:44 Uhr

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat die Genehmigung für die 380-kV-Höchstspannungsleitung zwischen Ganderkesee und St. Hülfe erteilt. Mit der amtlichen Bekanntmachung des Planfeststellungsbeschlusses hat die Behörde am Mittwoch die Verwaltungen der betroffenen Gemeinden überrascht.

Auch in Ganderkesee lagen noch keine ausführlichen Unterlagen vor. Schon beim Blick auf die Bekanntmachung zeigte sich Gemeindeentwicklungsleiter Peter Meyer von der Genehmigung enttäuscht: „Die Behörde hat unsere Wünsche zum Trassenverlauf ignoriert und folgt auf Ganderkeseer Gebiet allein der vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT beantragten Trassenführung“, sagte er. Dabei ist die Gemeinde bereits mit TenneT im Gespräch gewesen, den einzigen Freileitungsabschnitt, rund drei Kilometer in Strudthafe, unter die Erde zu bekommen. Noch im vergangenen Oktober hatte Meyer die Chancen dafür als aussichtsreich bewertet.

Nun werde man mit einer Stromtrasse mit nur zwei Erdkabelabschnitten – südlich und nördlich von Strudthafe leben müssen. Das ursprüngliche Ziel war eine völlige Erdverkabelung auf Ganderkeseer Gebiet. Es bleibe nun bei dem Freileitungsabschnitt, der dann über die Gemeindegrenze hinweg durch die Henstedter Heide führt. Von einer möglichen Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig werde die Verwaltung aber absehen, kündigte Peter Meyer an.

Auf mehr Erdkabelabschnitte hatten auch die Samtgemeinde Harpstedt gehofft. Im Harpstedter Rathaus gab es zunächst keine Stellungnahme zur Genehmigung. In Colnrade, einer der acht Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Harpstedt, bedauerte Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann die Entscheidung der Behörde: „Haupteinwendungspunkte von Anwohnern wie negative Auswirkungen auf die Gesundheit, Einschränkung von Lebensqualität, Wertverlust von Häusern oder avifaunistische Bedingungen wurden nicht berücksichtigt“, erläuterte sie.

Der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel lobte ausdrücklich das Handeln der Landesbehörde in dem Pilotprojekt zur Erprobung von Teilerdverkabelungsabschnitten.

Die bundesgesetzlich festgelegten Handlungsspielräume zur Erdkabelfestlegung seien im Interesse der Anlieger ausgeschöpft worden. „Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat insgesamt vier Teilerdverkabelungsabschnitte planfestgestellt, sie geht damit deutlich über den ursprünglichen Antrag des Übertragungsnetzbetreibers TenneT hinaus, der nur im nördlichen Bereich der Trasse im Raum Ganderkesee zwei Erdkabelabschnitte beantragt hatte“, ließ er mitteilen.

TenneT begrüßte, dass das über 13 Jahre andauernde Verfahren nun mit der Genehmigung zu Ende gegangen sei. Der Übertragungsnetzbetreiber kündigte an, betroffene Eigentümer und Kommunen zeitnah über die nächsten Schritte zu informieren.

Das Kreislandvolk Oldenburg zeigte sich nach der Genehmigung gesprächsbereit: „Wir wollen die zuletzt ins Stocken geratenen Verhandlungen um Entschädigungszahlungen wieder aufnehmen“, kündigte Kreislandvolk-Geschäftsführer Bernhard Wolff an. Die Landwirte fordern wiederkehrende Zahlungen anstelle einer Einmalzahlung für die Durchleitung. Erdkabelabschnitte sollen demnach besser vergütet werden.

Der Planfeststellungsbeschluss sieht bei einer Gesamtlänge des Abschnitts von knapp 60 Kilometern vier Erdkabelabschnitte mit einer Länge von rund 18 Kilometern vor.