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1050 Quadratmeter Platz Ganderkesee: Mobilhalle für Flüchtlinge wird errichtet

Von Katja Butschbach | 22.10.2015, 20:03 Uhr

Die Mobilhalle für 75 Flüchtlinge wird jetzt auf dem Stadiongelände am Habbrügger Weg in Ganderkesee errichtet. In der benachbarten Schützenhalle wird die Verpflegung organisiert.

Die Wände der mobilen Halle im Stadion am Habbrügger Weg stehen am Donnerstagvormittag bereits. Nachdem am Mittwoch bereits Bestandteile geliefert worden waren, ist die Halle nun schon gut als solche erkennbar.

Bezogen werden soll die winterfeste Halle in zweieinhalb bis drei Wochen zwischen dem 9. und 13. November - nach Wunsch der Gemeinde nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach. Die Halle, die 70 mal 15 Meter misst, soll insgesamt 75 Flüchtlingen Platz bieten. „Es wäre locker Platz für 100 Menschen“, sagt Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Jedoch wird ein Teil der Halle als Aufenthaltsbereich genutzt, was der Stimmung im Zelt sicherlich guttue. „Ob wir das auf Dauer halten können, ist bei den Flüchtlingszahlen nicht klar.“

„Wie in einer Filmkulisse“

„Es werden Leichtbauwände eingezogen“, sagt Fachdienstleiter Christian Badberg aus dem Rathaus. Auch werde Teppich verlegt, so dass man sich am Ende fast fühlen werde wie in einer Filmkulisse. Lediglich die Decke werde noch daran erinnern, dass man in einem Zelt sei. Die Mobilhalle, die im Stadion entsteht, ist laut Gemeinde bereits einmal 15 Monate als Supermarkt genutzt worden: Märkte nutzten diese Hallen etwa, wenn neu gebaut und der Supermarktbetrieb währenddessen aufrechterhalten werden soll. Diese Form der Nutzung zeige auch, dass es kein Problem damit geben werde, im Winter in der beheizten Halle zu wohnen. Laut Badberg ist der Boden so isoliert, dass die Kinder auf Socken darüber laufen können. Die Halle sei eine der hochwertigsten, die es gebe, betonte Gruhn.

DRK soll beim Bettenaufbau helfen

Neben Betten, die wie in der Turnhalle am Habbrügger Weg mit Hilfe von Ehrenamtlichen aus dem DRK-Ortsverein Ganderkesee aufgestellt werden, bekommen die Flüchtlinge auch Regale und, so Badberg, etwas Abschließbares. Auch die Räume, deren Größe an die Zahl der Familienmitglieder angepasst wird, werden abschließbar sein. Auf dem Gelände wird WLAN eingerichtet, das auf dem Sportplatz auch nach Abbau der Halle bestehen bleiben soll. Auch Fernsehen werde verfügbar sein, erklärte Gruhn. „Das Sicherheitskonzept für das Stadion wurde mit den Beteiligten abgestimmt“, erklärt die Gemeinde.

Um zu Toiletten und Duschen zu gelangen, müssen die Flüchtlinge das Zelt verlassen. Ein Sanitärcontainer, den die Gemeinde bereits Anfang August bestellt hatte, steht ebenfalls auf dem Areal. Sanitärcontainer sind aktuell angesichts der hohen Flüchtlingszahlen laut Gemeinde schwer zu bekommen. Wer jetzt bestelle, bekomme sie im März oder April. „Wir haben angekündigt, dass wir vielleicht welche brauchen werden“, so die Gemeinde. In dem bereits bestehenden Sanitärgebäude des Stadions sollen Waschmaschinen und Trockner aufgestellt werden.

Verpflegung in der Schießhalle

Die Verpflegung der Flüchtlinge ist ebenfalls bereits geregelt: Sie werden in der vom Schützenverein angemieteten Schützenhalle essen. Auch die Flüchtlinge, die in der Turnhalle Habbrügger Weg untergebracht sind, sollen künftig in der Schützenhalle ihre Mahlzeiten einnehmen. Das neben der Turnhalle errichtete Zelt sei nicht wintertauglich. „Für einzelne Tage, an denen dort Veranstaltungen stattfinden, werden wir Ausweichlösungen finden“, sagt Badberg.

Für den Schützenverein Ganderkesee bedeutet die Regelung laut Vorsitzenden Thomas Chmielewski, dass er den Luftgewehrschießbetrieb in der Halle einstellen muss. So lange das Wetter es zulasse, wolle man stattdessen das Kleinkaliberschießen weiter betreiben. Die Mitglieder sollen beim Herbstschießen am 7. November informiert werden. „Die Gemeinde kam auf uns zu. Wir wollen unseren Beitrag leisten, damit es so angenehm wie möglich für alle Beteiligten ist“, so der Vorsitzende. Man sei nicht gezwungen, die Luftgewehrhalle unbedingt zu nutzen.

An sechs Tagen in der Woche liefert der Schützenhof-Wirt das Essen, am Ruhetag ist das Deutsche Rote Kreuz für die Versorgung verantwortlich.

Speisen werden auf Bedürfnisse eingestellt

Bei den Speisen werde man sich auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge einstellen. So wird laut Gruhn Schwarzbrot weniger gern gegessen, dafür komme Weißbrot und Marmelade gut an. Auch auf die religiösen Speisenbestimmungen werde man sich einstellen.

Ehrenamtliche werden sich auch in der Schützenhalle um die Essensausgabe kümmern – dies habe man bereits mit dem Ehepaar Kurzawski abgesprochen, das sich bereits in der Turnhalle mit vielen weiteren Ehrenamtlichen um die Flüchtlinge kümmert. 90 bis 100 Ehrenamtliche sind laut Gruhn aktuell aktiv – nicht nur in der Essensausgabe, sondern auch in Sportprojekten oder als Begleiter etwa bei Arztbesuchen. Wie die Gemeinde sich um die Flüchtlinge kümmern wird, ist noch nicht abschließend geklärt. „Am Betreuungskonzept wird noch gearbeitet“, erläuterte Gruhn.

Wege werden befestigt

Die Wege zur Halle sollen laut Badberg noch befestigt werden. Die Beregnungsanlage für das Stadion ist abgedeckt, so dass diese keinen Schaden nehmen werde. Der Rasen werde allerdings neu gemacht werden müssen. Die Mobilhalle soll laut Gruhn mindestens bis Sommer auf dem Areal stehenbleiben.

„Um das aktuelle Kontingent von 196 Flüchtlingen bis spätestens Ende Januar 2016 aufnehmen zu können, sind jedoch auch zusätzliche Gemeinschafts- und Notunterkünfte notwendig. Auf die Belegung von weiteren Turnhallen soll nach Möglichkeit verzichtet werden“, erklärt Gruhn. Am Mittwoch, 21. Oktober 2015, sind 20 syrische Flüchtlinge in Ganderkesee angekommen. Sie haben die alte Feuerwehrtechnische Zentrale und das Schwimmerheim bezogen.